HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Private Assets berichtet auf der Hauptversammlung über einen verbesserten Ergebnisverlauf, getrieben von einem ersten erfolgreichen Exit und zusätzlichen Zukäufen. Gleichzeitig beschreibt CEO Sven Dübbers, dass Restrukturierungen im Portfolio nötig waren und die Portfolio-Bereinigung weiterläuft. Für die kommenden Jahre kündigt das Beteiligungsunternehmen eine stärkere Ausrichtung auf Wachstum im europäischen Ausland an. Der Ausblick auf einzelne Beteiligungen zeigt zugleich, wie stark operative Steuerung von Marktzyklen abhängt.

Private Assets nach Exit und Akquisition: Fokus stärker auf Europa
Private Assets nach Exit und Akquisition: Fokus stärker auf Europa (Foto: IT BOLTWISE)
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Private Assets SE & Co. KGaA hat das vergangene Geschäftsjahr als Phase hoher Bewegung beschrieben: Viel Dynamik bei Beteiligungsentscheidungen, aber ebenso hoher Aufwand bei der Akquise neuer Kandidaten. Auf der diesjährigen Hauptversammlung in Hamburg zog CEO Sven Dübbers eine insgesamt zufriedenstellende Bilanz für das Jahr 2025, obwohl das wirtschaftliche Umfeld schwierig blieb. Bemerkenswert ist dabei der deutliche Ergebnisfortschritt gegenüber dem Vorjahr. Dahinter stehen sowohl ein erster Exit als auch zusätzliche Transaktionen im Portfolio. In der aktuellen Marktphase wird damit sichtbar, dass Buy-&-Build-Strategien vor allem durch konsequente Portfolioarbeit und Timing funktionieren müssen.

Der Vorstand hebt zwei Schritte besonders hervor: Private Assets setzte im Jahr einen ersten erfolgreichen Exit um, betroffen war die Beteiligung InstaLighting. Ergänzend gelang im Jahresverlauf der Erwerb einer neuen Beteiligung, TAM Groupe. Darüber hinaus nennt das Unternehmen eine Add-On-Akquisition, also einen Zukauf zur Verstärkung bestehender Strukturen. Gleichzeitig war die Ergebnisentwicklung laut Dübbers auch durch Restrukturierungsmaßnahmen bei nicht nachhaltig profitablen Beteiligungen geprägt. Dübbers betont in diesem Kontext Fortschritte bei der Portfolio-Bereinigung. Technisch betrachtet ist das weniger „Einmal-Effekte“ als vielmehr ein wiederkehrender Ablauf aus Deal-Sourcing, Due-Diligence, operativer Reorganisation und anschließender Wertrealisierung über Exit- oder Add-On-Logik.

Für die nächsten Jahre will Private Assets verstärkt in den europäischen Auslandsmärkten aktiv werden. Dübbers argumentiert mit attraktivieren Wachstumsperspektiven, die aus der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Vergleich zu Deutschland entstehen. Damit positioniert sich das Unternehmen gegen den verbreiteten Trend, in volatilen Zeiten noch stärker auf den Heimatmarkt zu fokussieren. Als Wettbewerbskontext lässt sich allgemein die Vorgehensweise großer Beteiligungs- und Private-Equity-nahe Player gegenüberstellen: Viele setzen ebenfalls auf aktive Portfolio-Industrialisierung und regionale Diversifikation, allerdings oft mit anderen Investment-Horizonten und Kapitalstrukturen. Branchenexperten bringen das auf einen Punkt: Ohne operatives „Hands-on“ bleiben Zukäufe in solchen Phasen häufig wertneutral oder werden zum Risiko, wenn Nachfragezyklen drehen.

Im Beteiligungsportfolio zeigt sich die Zyklik entlang konkreter Kennzahlen und operativer Steuerungsaufgaben. Bei der SIM Automation GmbH war laut Bericht das vierte Quartal 2025 sowie der Zeitraum der ersten vier Monate 2026 durch sehr geringen Auftragseingang geprägt. Danach gelang jedoch eine Trendwende in den Monaten Mai und Juni 2026, wodurch Dübbers davon ausgeht, dass der Auftragsbestand per Ende Juni nahezu das geplante Niveau erreicht. Trotzdem werde das Ergebnis 2026 deutlich hinter den Vorjahren zurückbleiben, weil verlorene Kapazität in den Restmonaten nicht kompensiert werden könne. Diese Differenz zwischen „Auftragseingang“ und „Ergebnis“ ist in der Industrie typisch: Umsätze und Margen reagieren zeitversetzt, und Unterauslastung wirkt sofort.

Ganz anders stellt sich die Lage bei den Kieler Maschinenwerken GmbH dar: Dort beschreibt der CEO eine hohe Nachfrage und darauf aufbauend erwartetes starkes Wachstum. Dieser Trend setzt sich fort, auch im ablaufenden zweiten Quartal verzeichnet das Unternehmen einen wachsenden Auftragseingang. Die Herausforderung liegt dem Bericht zufolge weniger in der Beschaffung von Aufträgen als im Management des Wachstums. Private Assets formuliert deshalb explizit, dass Wachstumsfinanzierungen geprüft werden, um die Marktopportunitäten bestmöglich mitzunehmen. Aus technischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive heißt das: Skalierung erfordert Planungssicherheit in Einkauf, Fertigungstakten und Personalaufbau, und sie zwingt Unternehmen zu sauberem Working-Capital-Management. Im Wettbewerb zeigt sich häufig genau hier die Grenze zwischen „Wachstum auf dem Papier“ und profitables Wachstum im Werk.

Auch die Beteiligung „Die Jobmacher“ entwickelt sich laut Bericht insgesamt positiv. Der Markt schrumpft demnach um rund 10 Prozent pro Jahr, die Beteiligung wächst jedoch im Geschäftsjahr 2025 um etwa 1 Prozent. Dübbers sieht Zukunftschancen besonders in Branchen wie Defence und Aerospace, in denen sicherheitsüberprüftes Personal eine zentrale Rolle spielt. Diese Logik ist nachvollziehbar: Wenn Prozesse sicherheitsrelevant werden, steigt der Bedarf an zuverlässiger Rekrutierung, Qualifikationsnachweisen und kontinuierlicher Compliance-Organisation. Für 2026 nennt das Unternehmen zudem Investitionen in den Ausbau der Personalvermittlung mit einem signifikanten Ergebnisbeitrag. In Marktanalysen wird solche Spezialisierung oft als Vorteil beschrieben, weil sie Nachfrage resilienter macht als reine Konjunkturabhängigkeit.

Schließlich richtet Private Assets den Blick auf die neue Beteiligung TAM Groupe. In den ersten sechs Monaten habe der Fokus auf dem Carve-Out gelegen, jetzt gehe es stärker nach vorn: Das Unternehmen habe Maßnahmen definiert, um TAM unabhängiger von konjunkturellen und klimatischen Schwankungen zu machen. Genannt wird unter anderem die Ausweitung des Geschäfts auf andere Länder. Inhaltlich wird die Logik über Krisenregionen konkretisiert: Vor allem dort, wo bestimmte Bauchemikalien einen Beitrag zu schnellem Straßenbau leisten können, könne TAM einen erheblichen Mehrwert bieten. Vergleichbar mit anderen Carve-out-basierten Strategien ist das Ziel klar: Aus einem abgetrennten Geschäftsbereich wird ein operativ eigenständiger Player, der seine Beschaffungs- und Vertriebsseite entkoppelt und dadurch stabiler wächst.

Für die nächsten Schritte ist vor allem entscheidend, wie Private Assets die Portfolio-Bereinigung und die neu ausgerichtete Regionalstrategie praktisch umsetzt. Wenn Restrukturierungen bei weniger profitablen Beteiligungen den Ergebnisbeitrag mindern, braucht es ein belastbares Modell, um Kosten, Cashflow und Risikoprofile transparent zu steuern. Darüber hinaus spielt Regulierung eine Rolle: Als börsennotiertes Unternehmen müssen Beteiligungstransaktionen, Wertentwicklungen und Unternehmensinformationen konsistent und fristgerecht veröffentlicht werden. Zudem berührt die operative Tätigkeit bei Personal- und Recruiting-nahen Beteiligungen Datenschutzanforderungen, etwa bei der Verarbeitung personenbezogener Daten in Bewerbungs- und Vermittlungsprozessen. Daraus folgt für Unternehmen: Technisch saubere Datenflüsse, auditierbare Prozesse und klare Zugriffskonzepte werden bei „Active Ownership“ immer wichtiger.

Der Ausblick lässt damit mehrere Implikationen erkennen. Erstens zeigt die SIM-Entwicklung, dass operative Steuerung kurzfristig nicht jeden Einbruch ausgleichen kann, selbst wenn der Auftragsbestand später anzieht. Zweitens deutet das Wachstumsfinanzierungs-Thema bei den Kieler Maschinenwerken auf eine aktive Kapital- und Planungsrolle hin, die im Vergleich zu reinem „Financial Ownership“ mehr Governance-Aufwand bedeutet. Drittens unterstützen die Jobmacher die These, dass Spezialisierung in sicherheitsrelevanten Branchen auch in schrumpfenden Märkten Gegenwind abfedern kann. Viertens dürfte TAM Groupe von der Kombination aus eigenständigem Carve-out und geografischer Diversifikation profitieren. Wenn Private Assets das Tempo hält, wird Europa als Wachstumsraum wahrscheinlich auch organisatorisch zum Schwerpunkt werden – nicht nur geographisch.


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