LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Konsortium aus 47 Banken will den Devisenhandel von der zweitägigen T+2-Abwicklung auf nahezu Echtzeit umstellen. Das Projekt „Project Pangea“ koppelt dafür regulierte Stablecoins an Euro und Won und nutzt Chainlinks Orchestrierung, um Wert-Transfers atomar zu finalisieren. Ziel sind innerhalb eines Jahres erste Live-Transaktionen – mit Fokus auf die Handelsachse Europa–Südkorea.

Wer heute Währungen grenzüberschreitend tauscht, lebt praktisch mit einem Sicherheits- und Effizienzkompromiss: Das Geschäft braucht Zeit, bis es als endgültig gilt. Genau hier setzt „Project Pangea“ an. Ein Konsortium aus 47 Banken aus Südkorea und Europa arbeitet gemeinsam mit Chainlink an einer modernisierten Abwicklung für den Devisenhandel. Die Initiative zielt darauf ab, Überweisungen künftig in Echtzeit abzuwickeln, statt wie üblich bis zur endgültigen Finalität etwa zwei Tage zu warten. Die beteiligten Institute verwalten dabei Vermögenswerte von über zehn Billionen Euro und wollen die hohe Compliance-Anforderung der Bankenwelt mit Blockchain-Mechaniken zusammenbringen.
Technisch steht weniger ein neues Produkt im Vordergrund als eine neue Prozesslogik: Weg von T+2, hin zu T+0. Hintergrund ist das klassische Settlement-Dilemma im Fremdwährungstausch, bei dem beide Seiten oft getrennte Schritte durchlaufen. Project Pangea adressiert das mit einem Ansatz, der „Atomic Payment“ gegenüber einem klassischen Payment (PvP) betont. Dabei sollen beide Währungsströme gleichzeitig und unwiderruflich getauscht werden – sinnbildlich wie ein Schlüsseleaustausch unter Zeugen. Das reduziert das Risiko, dass eine Partei liefert, die andere aber nicht zahlt. Als Brücke dienen regulierte Stablecoins, gekoppelt an den Euro und an den südkoreanischen Won, die die Volatilitätsprobleme herkömmlicher Krypto-Assets im Zahlungsverkehr entschärfen sollen.
Chainlink übernimmt dabei nicht nur eine Rolle als Daten-Connector, sondern als Orchestrierer für die Interoperabilität zwischen tradierten Bankensystemen und Blockchain-Netzwerken. Niki Ariyasinghe, Vizepräsident von Chainlink für den asiatisch-pazifischen Raum und den Nahen Osten, betont den Infrastruktur-Charakter: „Wir bauen hier keine Spielerei, sondern echte Infrastruktur für die Finanzwelt.“ Das ist eine wichtige Einordnung, denn im Bankenbetrieb entscheidet nicht allein die Technologie, sondern die Einbettung in bestehende Standards. Üblicherweise laufen Nachrichten und Transaktionsanweisungen über etablierte Wege wie SWIFT sowie ISO-20022. Project Pangea will diese „Banking-Ebene“ beibehalten, aber die Ausführungslogik weiter Richtung Blockchain verschieben.
Die Architektur wird als mehrschichtiges Modell beschrieben: Zuerst die Banking-Ebene, dann eine Verbindungsebene und schließlich die Abwicklungsebene. Auf der Verbindungsebene liefern Chainlinks Cross-Chain Interoperability Protocol (CCIP), Datenströme sowie die Chainlink Runtime Environment (CRE) die Übersetzungsleistung zwischen traditionellen Systemen und Blockchain-Umgebungen. Erst danach kommt es zur finalen Abwicklung auf einer speziellen „Pangea L1“, einer Blockchain von FairSquareLab, die wiederum mit öffentlichen Netzwerken wie Ethereum und Polygon kompatibel sein soll. Eine zentrale Idee lautet: Eine normale Swift-Überweisung wird automatisch in einen atomaren Swap umgewandelt und on-chain ausgeführt. Für den Bankkunden bleibt die Schnittstelle damit weitgehend unverändert – er merkt im Idealfall nur, dass das Geld schneller ankommt.
Im Marktkontext ist die Initiative besonders interessant, weil sie in eine Zeit fällt, in der mehrere Wettbewerbsstränge parallel laufen. SWIFT arbeitet seit Jahren an Initiativen zur schnelleren Zahlungsabwicklung; Ripple setzt derweil seit langem auf On-Demand-Liquidity- und Tokenisierungsansätze in bestimmten Use-Cases. Im Vergleich dazu wirkt Project Pangea fokussierter auf die konkrete Problemlogik des Devisentauchens und auf die „atomare“ Kopplung zweier Währungsbeine, anstatt lediglich Transportzeiten zu optimieren. Branchenberichte ordnen das deshalb eher als Prozessneubau denn als reines Messaging-Upgrade ein. Zusätzlich ist die Region selbst Teil der Strategie: Der Handelskoridor zwischen Europa und Südkorea umfasst Berichten zufolge jährlich rund 150 Milliarden Euro, während ein großer Anteil globaler Stablecoin-Zahlungen bereits in Asien stattfindet. Genau diese Mischung aus Volumen und Tempo macht die Region zum Testfeld für Echtzeit-Finalität.
Der Fahrplan sieht erste Live-Transaktionen innerhalb von zwölf Monaten vor. Qivalis plant dabei für die zweite Jahreshälfte 2026 die Markteinführung eines regulierten, auf Euro lautenden Stablecoins. Damit verschiebt sich die Projektwirkung vom Labor in den operativen Betrieb – und genau dort entscheidet sich, wie tragfähig die Integration in Risiko-, Compliance- und Rechenzentrumsprozesse ist. Zwei Aspekte sind besonders relevant: Erstens müssen Stablecoins, Orchestrierungssoftware und Wallet-/Abwicklungslogik mit regulatorischen Anforderungen zusammenspielen, inklusive Prüfpfaden, Datenhaltung und Kontrollierbarkeit. Zweitens wird die Sicherheit durch die Design-Entscheidung beeinflusst, die ein Settlement „atomar“ macht, aber dennoch Angriffsflächen über Schnittstellen hinweg entstehen lassen kann. Mittelfristig erwarten Analysten, dass der Stablecoin-Markt bis 2030 auf knapp zwei Billionen Euro anwachsen könnte. Wenn Project Pangea diese Dynamik mit Banken-Compliance verbindet, bekommen Entwickler und Finanzinstitute einen konkreten Anwendungsfall für KI-gestützte Risikoanalyse, Automatisierung und Echtzeit-Monitoring in einer Umgebung, die nicht bei der Demo endet, sondern in den Zahlungsalltag integriert werden soll.
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