TAMPA BAY / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine in St. Petersburg ansässige Startup-Entwicklung treibt mit „Projekt Manta“ eine offshorefähige Startplattform voran und baut dafür ein erstes Modul-Prototyp-Setup. Seagate Space arbeitet dabei am Port Tampa Bay mit Tampa Ship, unterstützt durch Space Florida. Das Ziel: Konstruktionsbausteine in Originalgröße testen, bevor eine vollständige Struktur in Betrieb geht und auch Bergungsmissionen unterstützen kann. Die Freigabe „in principle“ der American Bureau of Shipping im Dezember 2025 untermauert den technischen Reifegrad des Konzepts.

Mit „Projekt Manta“ rückt Florida näher an ein neues Geschäftsmodell der Raketenstart-Infrastruktur: Statt Startanlagen ausschließlich an Land zu denken, soll ein offshorefähiger Modulbaukasten entstehen, der sich im offenen Wasser positionieren lässt. Das Vorhaben kommt aus St. Petersburg und wird als Partnerschaft mit Space Florida formalisiert, um Hardwareentwicklung und spätere Operationen im Bundesstaat zu beschleunigen. Seagate Space baut im Rahmen von „Gateway Series“ einen ersten Modul-Prototyp in Zusammenarbeit mit Tampa Ship am Port Tampa Bay. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil damit Hardware-Entwicklung, Erprobung und Betrieb in einem „skalierbaren“ Lifecycle zusammenrücken könnten.
Technisch setzt Seagate Space auf eine Struktur, die als semi-submersible Plattform konzipiert ist und in offener See verankert oder betrieben werden kann. Im Kern geht es um Modularität: Der Prototyp soll aus einzelnen Bausteinen bestehen, die sich in voller Größe fertigen und testen lassen. Diese Herangehensweise reduziert das Risiko, dass sich Designfehler erst am Ende der Integration zeigen, und ermöglicht gezielte Iterationen an kritischen Komponenten wie Schnittstellen, Lastpfaden und Schnittstellen zur Raketen-Integration. Außerdem ist die Plattform nicht nur für Starts gedacht, sondern kann laut Projektidee auch für Recovery-Operationen genutzt werden.
Für die sicherheitstechnische Einordnung spielte die regulatorische und klassifikatorische Perspektive eine zentrale Rolle. Im Dezember 2025 erhielt das Produkt eine „Approval in Principle“ (AIP) von der American Bureau of Shipping (ABS). Solche AIP-Bescheinigungen sind kein endgültiges Betriebszertifikat, sondern werden typischerweise vergeben, wenn sich ein Asset in einer frühen Konzeptphase befindet. Damit signalisiert die Klassifikationsgesellschaft, dass das generelle technische Zielbild plausibel und prüfbar ist. In der Praxis bedeutet das: Das Projekt bekommt eine geordnete Grundlage für spätere Detailabnahmen, Lastfallanalysen und technische Nachweise entlang des maritimen Regelwerks.
Der aktuelle Projektstatus wirkt wie ein Zwischenstück zwischen Forschung und Umsetzung: Seagate Space arbeitet an einem „single module prototype“, also einem einzelnen Modul als konkret nachweisbares Teilsystem. Die Fertigung läuft dabei nicht im luftleeren Raum, sondern am maritimen Standort Port Tampa Bay, wo die Zusammenarbeit mit Tampa Ship die industrielle Nähe zur Schiffs- und Offshore-Wertschöpfung stärkt. Anderson sprach davon, dass die kurzfristige Investition einen realen Pfad eröffne, um Hardware zu entwickeln und die wichtigen Komponenten „modular“ in Originalgröße zu prüfen. Laut Planung soll die vollständige, skalierte Struktur etwa 45 Tage benötigen, während zusätzliche 30 Tage für das Outfitting eingeplant sind.
Marktseitig ist das Timing besonders interessant, weil offshorefähige Start- und Bergungslogiken in den vergangenen Jahren zunehmend als Alternative zu fest installierten Startkomplexen diskutiert wurden. Wettbewerber verfolgen zwar unterschiedliche Routen, aber das Grundbedürfnis bleibt ähnlich: mehr Flexibilität, schnellere Iterationszyklen und potenziell bessere Auslastung von Start- und Rückführungsfähigkeiten. In diesem Kontext ist auch die bereits erwähnte Zusammenarbeit mit Firefly Aerospace zu sehen, die per Memorandum of Understanding eine Kooperation „zur Entwicklung einer offshorefähigen Startplattform“ für die Alpha-Rakete anstrebt. Firefly steht damit stellvertretend für das Ziel, die Plattform nicht nur als Technologiebeweis zu verkaufen, sondern als wiederverwendbares Betriebsasset.
Aus Branchenbeobachter-Sicht ist zudem entscheidend, dass das Vorhaben in den Florida-Ökosystemgedanken eingebettet wird. Space Florida argumentiert in einer vorbereiteten Erklärung, dass Seagate Space ein „Florida grown“-Unternehmen sei, das genau jene Art mutiger Ideen verkörpere, die den Industriekern weiter ausbauen. Rob Long betont, dass ambitionierte Raumfahrtunternehmen weiterhin Florida wählen, weil der Aufbau eines Startup-freundlichen Ökosystems Wachstum und Skalierung ermögliche. Für Seagate Space heißt das im Umkehrschluss: Man kann potenzielle Hürden bei Beschaffung, Genehmigungswegen und industriellen Partnerschaften in einer Region mit bestehender Raumfahrt- und Hafenlogik adressieren.
Die wirtschaftliche Dimension wird außerdem durch den Kapital- und Partnerfluss sichtbar. Seagate Space hat im Februar eine Pre-Seed-Runde über mehr als 1,5 Millionen US-Dollar abgeschlossen; Investoren stammen aus Boca Raton und Orlando. Solche frühen Finanzierungen sind häufig dafür da, um Fertigungspartner zu binden, Prototypen in iterativen Loops zu entwickeln und technische Nachweise in Richtung Klassifikation und spätere Integrationen vorzubereiten. Parallel hat man bis April ein MoU mit Firefly Aerospace skizziert, wodurch die Plattform langfristig als Service- und Betriebsoption im Bundesstaat verankert werden könnte. Genau diese Brücke zwischen Prototyping und kommerzieller Ausrichtung macht „Projekt Manta“ für Enterprise-Entscheider spannend.
In die Zukunft gedacht deutet das Projekt auf eine Entwicklung hin, die über „nur“ eine Plattform hinausgeht: Ein modularer Offshore-Ansatz könnte perspektivisch eine Art Baukastenlogik für Start- und Recovery-Infrastruktur etablieren, vergleichbar mit wiederholbaren Engineering-Patterns in anderen Industrieclustern. Für Entwickler und Zulieferer entstehen dadurch Chancen in Bereichen wie modularer Stahl-/Composite-Bau, Sensorik für strukturelle Überwachung, Schnittstellen-Engineering für Raketenintegration sowie Logistik- und Testautomation. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Sicherheit und Compliance: Offshore-Betrieb berührt maritime Sicherheitsregeln, Klassifikationsprüfungen, Versicherungslogik und – je nach Mission – auch Export- und Kommunikationsvorschriften. Wenn Seagate Space die Roadmap sauber weiterführt, könnte „Projekt Manta“ schon kurzfristig zum Referenzprojekt werden, das weitere Kooperationen in Florida nach sich zieht.
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