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MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Münchner Startup Proxima Fusion will HTS-Band für seine Fusionspläne künftig in Niedersachsen fertigen. Dazu sollen in Japan Absichtserklärungen mit Fujikura und Kyoto Fusioneering vorbereitet werden. Der japanische Zulieferer Fujikura soll dabei Know-how für die Hochtemperatur-Supraleiter liefern, während Proxima das Projekt und die Mittel bündelt. Bis Ende 2029 sind Investitionen in Höhe von 140 Millionen Euro sowie eine Förderung von bis zu 21 Millionen Euro vorgesehen – an eine Partnerbedingung geknüpft.

Proxima Fusion sichert HTS-Band-Verbund in Japan für deutsche Fusionspläne
Proxima Fusion sichert HTS-Band-Verbund in Japan für deutsche Fusionspläne (Foto: IT BOLTWISE)
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Proxima Fusion setzt beim Aufbau seiner Fusionspläne auf einen Baustein, der in der Praxis fast immer über Erfolg und Zeitplan entscheidet: die Verfügbarkeit leistungsfähiger Hochtemperatur-Supraleiter (HTS) in industrieller Qualität. Während das Projekt in Deutschland auf den Bau von Fusionsreaktoren abzielt, sucht das Startup offenbar gezielt nach Produktions- und Prozesspartnern außerhalb Europas, weil genau diese Materialkette derzeit noch stärker konzentriert ist. Dass Proxima dafür in Japan „Verbündete“ gefunden hat, ist weniger eine diplomatische Erfolgsmeldung als ein strategisches Signal: Der Engpass liegt nicht im Labor, sondern in der Lieferkette, die mehrere Demonstrator- und Kraftwerksstufen über Jahre hinweg mit Bandmaterial versorgen muss.

Im Zentrum stehen zwei Absichtserklärungen, die am Rande einer Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz vorbereitet werden sollen. Eine Erklärung betrifft Fujikura, einen japanischen Konzern, der das Material seit dem späten 19. Jahrhundert herstellt und damit Erfahrung in der HTS-Wertschöpfung mitbringt. Diese Einordnung ist relevant, weil HTS-Bänder im Stellarator-Design besonders wichtig sind: Nur mit ausreichend starken Magnetfeldern lassen sich die extrem heißen Plasmen so stabilisieren, dass Fusion überhaupt in einem praktikablen Betriebsfenster ablaufen kann. Proxima argumentiert dabei nicht nur mit dem Material an sich, sondern mit dem Zusammenspiel aus Bandfertigung, Prozess-Know-how und den Anforderungen an die magnetischen Komponenten, die später in den Reaktoren zum Einsatz kommen.

Proxima nennt für die deutsche Fertigung konkrete Größenordnungen – und damit auch eine klare Logik für die Partnerschaft. Für den geplanten Demonstrator „Alpha“ Anfang der 2030er-Jahre benötigt das Münchner Unternehmen laut den Angaben etwa 20.000 Kilometer HTS-Band. Für das nachgelagerte Vorhaben „Stellaris“ sind rund 40.000 Kilometer vorgesehen. Diese Daten machen deutlich, warum eine lokale Herstellung nicht „nice to have“ ist: Wenn man im Maßstab von Zehntausenden Kilometern plant, wird jede Unsicherheit in Qualität, Lieferfähigkeit oder Skalierung zu einem unmittelbaren Risiko für Projekttermine. Dass Proxima in Niedersachsen investieren will, zielt daher auf eine stabile Lieferkette ab, statt weiterhin auf Produktion außerhalb Europas angewiesen zu bleiben.

Der Finanzierungsrahmen unterstreicht zudem, wie stark hier Industriepartner und Förderlogik ineinandergreifen. Proxima plant, in die Fabrik für das Hochtemperatur-Supraleiter-Band bis Ende 2029 Investitionen in Höhe von 140 Millionen Euro zu tätigen. Das Land Niedersachsen hat bis zu 21 Millionen Euro zugesagt – allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Proxima einen Partner mit einschlägiger Erfahrung in diesem Bereich findet. Genau in diese Lücke passt Fujikura: Das Startup bringt damit die Mittel und die industrielle Umsetzungsidee zusammen, während Fujikura das Know-how für die Herstellung liefert. Für das Unternehmen ist das auch operativ sinnvoll, weil Materialprozesse in der HTS-Welt hochgradig spezialisiert sind und sich die Leistungsfähigkeit der späteren Magnetanwendungen eng an die Eigenschaften des Bandmaterials koppelt.

Die zweite Absichtserklärung richtet den Fokus weniger auf das Bandmaterial, sondern auf die Komponenten des Fusionsprozesses selbst. Mit Kyoto Fusioneering, das auf Fusionstechnologie spezialisiert ist, soll es laut den Angaben unter anderem um Technik für das Heizen des Plasmas sowie um den Brennstoffkreislauf gehen. Das ist in der Fusionsentwicklung ein typischer Hebel, denn selbst wenn Magnetfelder und Einschlussprinzip stimmen, müssen die Bedingungen im Plasma so erzeugt und geregelt werden, dass Energieübertragung und Stabilität langfristig funktionieren. Gerade bei Stellarator-Konzepten spielen dabei Regelbarkeit, Effizienz der Plasmaerwärmung und die Auslegung von Systemen zur Brennstoffzirkulation zusammen; hier kann ein auf Fusion spezialisierter Zulieferer helfen, Entwicklungsrisiken zu reduzieren und Schnittstellen sauberer zu gestalten.

Für die Marktsicht ist der Timing-Aspekt ebenfalls bemerkenswert: Proxima positioniert die Japan-Schritte offenbar unmittelbar entlang der Projektmeilensteine, die auf ein Demonstrator-Kraftwerk in den frühen 2030er-Jahren hinauslaufen. Damit verschiebt sich die Frage von „ob“ überhaupt gebaut werden kann hin zu „wie schnell“ und „mit welchem industriellen Fundament“. In den nächsten Jahren dürfte sich für viele Fusions-Startups genau diese Debatte zuspitzen: Nicht die physikalische Idee steht im Mittelpunkt, sondern die industrielle Fähigkeit, kritische Komponenten wie HTS-Bänder oder spezialisierte Fusionssystemtechnik in ausreichend großen Mengen bereitzustellen. Wenn Proxima das in Niedersachsen verankert und gleichzeitig technische Partner für Heizen und Brennstoffkreislauf an Bord holt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass spätere Systemtests nicht an Lieferzeiten oder unklaren Spezifikationen scheitern.

In Summe zeigt die Kombination aus Materialfabrik, Förderrahmen und zwei technischen Partnerschaften, wie Proxima Fusion seine Roadmap in die Industrie übersetzt. Fujikura wird dabei zum Scharnier zwischen Rohstoff- und Komponentenebene, weil HTS-Band die Magnetfelder adressiert, die für die Stellarator-Bauweise entscheidend sind. Kyoto Fusioneering ergänzt das Bild um den Bereich, der im Betrieb die Plasmaeigenschaften beeinflusst und damit die Grundlage für reale Demonstrationen legt. Für Industrie und Politik liegt darin auch eine Lehre: Wer Fusionsanlagen realisieren will, muss frühzeitig die „harten“ Produktions- und Lieferprobleme lösen – sonst bleiben Fortschritte in der Forschungsschmiede ohne Anschluss an die nächste Stufe.

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