LONDON (IT BOLTWISE) – KPS-Capitals Psaros kritisiert ausufernde Compliance-Kosten als strategische Bremse für Private Equity. Er argumentiert, dass neue Regeln und Offenlegungspflichten Kapital von Transaktionen zu Einreichungen und Rechtsberatung abziehen. Im Wettbewerb der Finanzsysteme sieht er weniger Firmenkonkurrenz als vielmehr Rivalität zwischen Regulierungsregimen. Als Gegenmittel fordert er weniger Vorschriften, mehr Rechtssicherheit und ein Modell als neutraler Schiedsrichter.

Wenn Compliance-Kosten schneller wachsen als die Erträge, verschiebt sich nicht nur die Kostenstruktur, sondern auch die Risikologik hinter vielen Investmententscheidungen. Genau an diesem Punkt setzt die Forderung von KPS-Capitals Psaros an: Übermäßige Compliance-Auflagen gefährdeten seiner Ansicht nach die Renditevorteile, die Private Equity (PE) gegenüber stark regulierten öffentlichen Märkten erzielt. Die zentrale These lautet dabei nicht, dass Regulierung grundsätzlich sinnlos sei, sondern dass die aktuelle Ausgestaltung zu viel Gewicht auf Dokumentation statt auf Ergebnis legt. Für PE bedeutet das im Alltag vor allem, dass Teams mehr Zeit für Nachweise und Abstimmungen aufbringen, während sich die operative Phase am Deal selbst verkürzt oder teurer wird.
Psaros stellt die Compliance-Kosten sogar in einen klaren Kontext: Er beschreibt sie als bewusste Steuer auf das Risikoverhalten, nicht als unvermeidliches Nebenprodukt. In seinem Narrativ wirken neue Regeln, zusätzliche Offenlegungspflichten und immer neue Aufsichtsgremien wie ein Trichter, der Kapital aus der Transaktionsdurchführung abzieht. Konkret meint er damit die reale Prozesskette, die sich in vielen Häusern über Jahre verfestigt hat: Erst wird geprüft, dann wird dokumentiert, anschließend werden Stellungnahmen eingeholt, und erst am Ende folgt die eigentliche Strukturierung des Deals. Seine Voraussetzung ist streng: Regulierung solle Betrug oder systemische Risiken nachweislich reduzieren. Alles, was diesen Wirkungstest nicht besteht, sieht er als nicht gerechtfertigt an.
Technisch betrachtet prallt hier auch ein Grundprinzip aufeinander: Öffentliche Märkte sind auf kontinuierliche Transparenz, standardisierte Informationspflichten und ein eng getaktetes Reporting ausgerichtet, während Private Equity typischerweise mit klar abgegrenzten Zeitfenstern, aktiven Eigentümerrollen und häufigen Restrukturierungen arbeitet. Wenn Aufsichtssysteme deshalb Governance-Mechanismen der öffentlichen Märkte auf private Deals übertragen, kann das die Flexibilität einschränken, die für die Wertsteigerung von PE oft entscheidend ist. Psaros bringt es auf den Punkt, indem er den „Motor“ betont, der tote Vermögenswerte in produktive umwandelt. In der Praxis heißt das: Jede zusätzliche Verfahrenshürde kann die Umstrukturierung verlangsamen, die Verhandlungsposition gegenüber Stakeholdern schwächen und damit die Kalkulation von Turnarounds oder Exit-Szenarien beeinflussen.
Mit Blick auf die Markt- und Wettbewerbsdynamik verlagert Psaros die Debatte von der Firmen- auf die Systemebene. Zwar würden die USA weiterhin eine führende Rolle in der globalen Finanzwelt einnehmen, doch nach seiner Darstellung schrumpft dieser Vorteil, während Kapital in Jurisdiktionen abwandert, die Geschwindigkeit und Rechtssicherheit höher gewichten als bürokratisches „Theater“. Interessant ist dabei seine Diagnose, dass der Wettbewerb nicht zwischen einzelnen Häusern stattfinde, sondern zwischen Regulierungsregimen. Wer Unternehmer wie Verdächtige behandle, verliere zwangsläufig – eine Aussage, die weniger eine juristische Feinheit als eine Standortlogik beschreibt: Kapital folgt dort, wo erwartete Kosten und erwartete Durchlaufzeiten planbar sind, und wo Streitfälle nicht zu lange in unklaren Interpretationen hängen bleiben.
Sein Rezept bleibt dabei bewusst geradlinig: Regeln streichen, die sich seiner Darstellung nach nicht rechtfertigen lassen; das Modell des neutralen Schiedsrichters wiederherstellen; und dem Markt die Zuweisung von Kapital zurückgeben. Gerade das „Schiedsrichter“-Bild zielt auf eine bestimmte Qualitätsannahme von Regulierung: Nicht jede Kontrolle soll die Entscheidungsfreiheit dauerhaft reduzieren, sondern sie soll in klaren, verlässlichen Verfahren wirken und im Konfliktfall berechenbare Orientierung bieten. Für PE und vergleichbare Akteure würde eine solche Logik bedeuten, dass mehr Energie in die echte Wertschöpfung fließt – etwa in operative Verbesserungen, strategische Neupositionierungen oder die Restrukturierung von Geschäftsmodellen – und weniger in die fortlaufende Anpassung an sich ändernde Berichtspflichten.
Für Unternehmen und Investoren ergibt sich daraus eine klare Handlungsfrage: Wie viel Prozess- und Beratungsaufwand ist im Verhältnis zur tatsächlichen Risikoreduktion noch sinnvoll? Selbst ohne eine formale technische Optimierung zeigt sich im operativen Betrieb schnell, ob Compliance als „Stabilisator“ oder als „Verzögerer“ wirkt. Gerade bei internationalen Portfolios wird die Standortwirkung spürbar, weil unterschiedliche Jurisdiktionen unterschiedliche Geschwindigkeiten in Genehmigungs- und Auslegungsfragen haben. Psaros’ Forderung nach weniger Regeln und mehr Rechtssicherheit ist deshalb auch als Wettbewerbssignal zu verstehen: Wer die Transaktionszeit verkürzt und die Entscheidungsfähigkeit stärkt, verbessert die Chancen, in schwierigen Phasen schnell genug umzusteuern.
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