ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Schweizer Startup Qnective versprach mit seinem abhörsicheren Mobilfunksystem eine Revolution im Bereich der sicheren Kommunikation. Doch nach anfänglichen Erfolgen und großen Aufträgen aus Indonesien und Oman folgte der Absturz. Die Investoren stehen vor einem Scherbenhaufen, während die Schweizerische Exportrisikoversicherung um Schadensbegrenzung kämpft.

Das Schweizer Startup Qnective galt einst als vielversprechender Akteur im Bereich der sicheren Kommunikationstechnologie. Mit der Enthüllung von Edward Snowden im Jahr 2013, die die weltweite Überwachung durch die NSA aufdeckte, stieg die Nachfrage nach abhörsicheren Systemen sprunghaft an. Qnective nutzte diesen Trend und bot ein Mobilfunksystem an, das vor allem für Sicherheitsbehörden attraktiv war. Die Schlagzeilen überschlugen sich, als die indonesische Regierung und Oman große Aufträge in Aussicht stellten.
Die Schweizerische Exportrisikoversicherung (Serv) unterstützte das Unternehmen mit einer umfassenden Absicherung der Geschäfte in Oman. Doch trotz der anfänglichen Rückzahlungen geriet Qnective ab 2017 in finanzielle Schwierigkeiten. Die Credit Suisse, die Darlehen für die Fabrikation bereitgestellt hatte, machte schließlich Ansprüche auf staatliche Rückversicherungen geltend, was zu einer Rückzahlung von 63 Millionen Dollar führte. Dennoch blieben die Schulden bestehen, und die Serv sieht sich bis heute mit Forderungen konfrontiert.
Qnective behauptete, dass die Serv durch ihr Verhalten den Zahlungsausfall selbst verursacht habe, und forderte im Gegenzug 117 Millionen Dollar aus der Lieferantenkreditversicherung. Doch die Gerichte entschieden gegen das Unternehmen. Die Revisionsgesellschaft legte ihr Mandat nieder, nachdem sie feststellte, dass Qnective bereits überschuldet war. Ein Konkursverfahren wurde eingeleitet, doch immer wieder wurden Fristen verlängert, da angeblich neue Investoren in Aussicht standen.
Ein besonders kurioser Versuch, das Unternehmen zu retten, war der sogenannte Nickel-Deal. Qnective wollte ein Depot von Nickeldraht als Sicherheit anbieten, doch keine Bank akzeptierte dieses Angebot. Zudem schreckte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Banken ab, da die abhörsicheren Anlagen als Dual-use-Produkte gelten, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Letztlich war der Konkurs nicht mehr abzuwenden, und die Schulden summierten sich auf 160 Millionen Franken.
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