LONDON (IT BOLTWISE) – Der LA-Rapper Fenix Flexin weist die Vorwürfe zurück, dass sein Chart-Erfolg „Rubberz“ mithilfe von KI generiert wurde. Der Song stieg kurz nach Erscheinen im Juni auf Platz 58 der Billboard Hot 100 ein, doch Hörer und Branchenfiguren äußerten Zweifel an Gesang, Akzent und Produktion. Als besonders verdächtig gelten auffällige Audio-Artefakte und eine frühere Dateibezeichnung, die auf ein KI-Musiktool hindeuten soll. Unklar bleibt, ob sich die Kontroverse am Ende technisch aufklären lässt oder ob es bei Indizien bleibt.

Rapper Fenix Flexin bestreitet KI-Vorwurf zu „Rubberz“ auf den Charts
Rapper Fenix Flexin bestreitet KI-Vorwurf zu „Rubberz“ auf den Charts (Foto: IT BOLTWISE)
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Kaum war „Rubberz“ im Juni veröffentlicht, begann die Diskussion: Der LA-Rapper Fenix Flexin bestreitet nach umfangreichen Vorwürfen, dass sein Song KI-generiert ist. Gleichzeitig zeigte die erste Chart-Welle Wirkung: Laut den Angaben zur Billboard Hot 100 erreichte der Titel Platz 58. Für einen Künstler, der seine Karriere bisher vor allem mit einer bestimmten Stimmidentität und Live-Performance etabliert hat, wird die Frage nach dem „Wie“ zur Belastung – und zwar nicht erst, weil Kritiker eine Abstrafung erwarten, sondern weil das Publikum die Abweichungen offenbar sofort hörte.

Der Kern der Kritik richtet sich dabei weniger gegen die Existenz KI-gestützter Workflows, sondern gegen eine vermeintliche Diskrepanz zwischen erwartbarer Klangsignatur und dem, was in „Rubberz“ zu hören ist. In den Reaktionen heißt es, dass die Vocals nicht wie Fenix Flexin klingen: sowohl in Bezug auf die Qualität seiner Stimme als auch hinsichtlich extrem hoher Noten, die er in seiner bisherigen Laufbahn nicht gezeigt haben soll. Dazu kommt laut den Vorwürfen eine problematische Live-Interpretation, bei der teilweise starkes Lippen-Synchronisieren im Raum steht und Textpassagen angeblich unsicher wirken. Als zusätzlicher Irritationsfaktor wird genannt, dass Flexin in dem neuen Track eine britische Aussprache wählt und zugleich in ein Genre abtaucht, das als Synth-Pop-Pastiche der 80er beschrieben wird, das er zuvor offenbar nicht ernsthaft ausprobiert habe.

Besonders viel Brennstoff liefert die technische Deutung über Produktionsartefakte. Der Produzent Medasin veröffentlichte eine detaillierte Analyse, in der er KI-typische Unregelmäßigkeiten im Song-File beschreibt: den Angaben zufolge würden die Hi-hats eine „spröde“ Qualität aufweisen, die Chorus-Vocals klängen wie eine niedrig komprimierte MP3-Wiedergabe, und die Reverb-Tails würden unregelmäßig oder zu abrupt enden. Dieses Muster ist aus der Sicht von Audio-Ingenieuren plausibel, weil generative Systeme häufig nicht nur Tonhöhen, sondern auch die räumliche Textur und die zeitliche Ausprägung von Effekten erlernen – und dabei typische Fehlerbilder der Trainingsdaten (etwa Kompressionsgrenzen) reproduzieren können. Unabhängig davon bleibt die Analyse am Ende eine Indizienkette: Auch menschliche Produktionen können solche Effekte aus Produktionsentscheidungen oder mangelhafter Zwischenkompression erzeugen.

Auch das Dateinamen-Argument wird in der Debatte als scheinbar konkreter Hinweis herumgereicht. Nach den Schilderungen soll Fenix Flexin zuvor einen Snippet gepostet haben, dessen Dateiname „Sonauto“ enthielt. Sonauto wird dabei als Name einer KI-Musikgenerierungssoftware beschrieben, die wenige Tage vor dem Song-Release offenbar auf „Treblo“ umbenannt wurde. Solche Metadata-Details sind im Musikproduktionsalltag nicht ungewöhnlich, weil Projektdateien und Zwischenstände häufig im Umfeld von Content-Teasern geteilt werden. Genau das macht den Punkt aber gleichzeitig heikel: Ein Dateiname kann auf die verwendeten Tools deuten, muss aber nicht automatisch beweisen, dass am Ende auch der endgültige Song vollständig generiert wurde. Wer mit Stems oder Exportpfaden arbeitet, kann Indikatoren aus Work-in-Progress-Phasen im Dateisystem „mittragen“, ohne dass dies die endgültige Tonerzeugung vollständig erklärt.

Daneben wird die Kontroverse durch weitere technische Einschätzungen verdichtet. Der Songwriter und Musik-Podcaster Charlie Harding verweist auf seiner Darstellung nach auf „ghostly backing vocals“, die zeitweise unerwartet ein- und ausblendeten, sowie auf eine Drum-Reverb-Struktur, die an digitale Artefakte erinnere, wie sie bei stark komprimierten 64kbps-MP3-Dateien auftreten könnten. Auch hier wird das Argument auf die Frage hinausgezogen, dass viele generative KI-Modelle auf großen Korpora trainiert werden, in denen Audio zwangsläufig in komprimierter Form vorkommt. Wenn dann Effekte wie Raumanteile oder Transientenbildung in ähnlicher Weise „abflachen“, entsteht für das menschliche Ohr ein Wiedererkennungswert. Entscheidend ist allerdings: Das Ohr urteilt subjektiv, und Produktionsketten sind vielfältig; eine akustische Ähnlichkeit mit KI-Effekten kann menschliche Quick-Fixes oder fehlerhafte Exportwege ebenso abbilden.

Fenix Flexin reagierte laut Bericht mit einem Video, in dem er einen Pro-Tools-Projektaufbau durchgeht, um zu zeigen, dass er den Track per Hand erstellt habe. Viele Beobachter blieben jedoch skeptisch, darunter auch Medasin, weil das vermeintliche „Proof-by-Project“ aus ihrer Sicht nicht ausschließt, dass AI-generierte Vocals oder Instrumentalpassagen zunächst in einen Stem-Splitter überführt und anschließend so in ein DAW-Projekt eingefügt wurden, dass der Arbeitsprozess im Nachhinein wie echtes Recording wirkt. Genau diese Möglichkeit erklärt, warum solche Videos in Social-Media-Debatten selten endgültig überzeugen: Toolchains lassen sich so gestalten, dass sich Spuren in Dateistrukturen verschieben oder glätten. Später soll Flexin das Video gelöscht haben – ein Schritt, der die Debatte eher verlängert als beendet, weil er die Transparenz an einem Punkt beendet, an dem technische Nachprüfbarkeit am höchsten wäre.

Am Ende bleibt festzuhalten: Niemand kann anhand der öffentlich diskutierten Indizien allein „definitiv“ beweisen, ob „Rubberz“ tatsächlich aus KI-Generierung hervorgegangen ist oder ob es sich um eine menschlich produzierte Komposition mit unglücklich wirkenden Export- und Effektentscheidungen handelt. Trotzdem spricht vieles dafür, dass Teile der Kritik nicht nur auf Hören-und-Fühlen beruhen, sondern auf Muster zielen, die bei generativen Workflows häufiger auftreten. Für die Reichweite von KI-Tools im Musikmarkt ist die Episode zugleich ein Symptom: Selbst wenn Künstler KI verwenden, hängt die Glaubwürdigkeit stark davon ab, ob der Prozess sauber nachvollziehbar bleibt und ob die resultierende Klangwelt zur eigenen künstlerischen Historie passt. Solange sich die Vorwürfe nicht durch belastbare Rohdaten oder transparente Produktionsverläufe verifizieren lassen, bleibt die Kontroverse ein technischer und kultureller Stresstest – zwischen Track-Viralität und dem Anspruch, dass der „Stempel“ der Erstellung erkennbar sein sollte.


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