BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Mehrheit der Riester- und Rürup-Renten nicht einmal die Inflation ausgleichen kann. Trotz staatlicher Förderung und geplanter Reformen der Bundesregierung stehen viele Sparer vor realen Verlusten. Experten kritisieren die hohen Kosten und mangelnde Renditechancen dieser Altersvorsorgeprodukte.

Die Riester- und Rürup-Renten sind in Deutschland weit verbreitet, doch eine aktuelle Studie des Vereins Finanzwende zeigt, dass viele Sparer mit diesen Produkten reale Verluste erleiden. Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz bei Finanzwende, betont, dass die Mehrheit der Sparer mit ihren Verträgen nicht einmal die Inflation ausgleichen kann. Die geplante Riester-Reform der Bundesregierung wird daran wenig ändern, zumindest in ihrer jetzigen Form.
Die Studie untersuchte die Rendite-Erwartungen von 37-jährigen Musterkunden bei 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwei Drittel der Rententarife erreichen über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal eine Rendite von zwei Prozent, was ungefähr der Inflationsrate in Deutschland entspricht. Dies bedeutet, dass Sparer Verluste machen, es sei denn, sie erreichen ein sehr hohes Alter.
Ein wesentlicher Grund für die schlechten Renditen sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter sowie die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit. Um inflationsbereinigt das eingezahlte Geld zurückzuerhalten, müssten Riester-Kunden 99 Jahre alt werden, bei den Rürup-Angeboten sind es 96 Jahre. Diese Zahlen verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen Sparer stehen.
Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte ursprünglich Bürgern Sicherheit bieten, deren gesetzliche Rente nicht ausreicht. Doch die Verpflichtung der Anbieter, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren, beschränkt die Renditechancen erheblich. Die Bundesregierung plant eine Reform, die ein Altersvorsorgedepot vorsieht, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, jedoch keine Garantien bietet. Ein geplanter Kostendeckel von 1,5 Prozent wird von Experten als zu hoch kritisiert, notwendig sei ein Deckel von maximal 0,5 Prozent.
Auch der Sozialverband Deutschland äußert Kritik. Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Verbands, verweist auf den schwedischen Staatsfonds, der mit Verwaltungskosten von nur rund 0,1 Prozent deutlich günstiger ist. Sie betont, dass nicht jeder Geld zum Sparen übrig habe und daher eine starke gesetzliche Rente notwendig sei.
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