LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple (XRP) bleibt unter Druck und rutscht am Donnerstag unter die Marke von 1,50 US-Dollar, während Stellar (XLM) seinen Rebound fortsetzt und um 0,227 US-Dollar handelt. Steigende US-Staatsanleihe-Renditen und widersprüchliche Derivate-Signale dämpfen jedoch die Risikobereitschaft. Für Trader heißt das: Beim nächsten technischen Widerstandsbereich entscheidet sich, ob das Aufwärtsmomentum wieder zurückkommt oder ob weitere Rücksetzer folgen. Gleichzeitig zeigt der Funding-Rate-Status bei beiden Coins ein gemischtes Bild, das kurzfristige Schwankungen begünstigen kann.

Ripple (XRP) gerät in eine neue Konsolidierungsphase: Am Donnerstag notiert der Kurs bei rund 1,489 US-Dollar, nachdem die Aktie- bzw. Token-Nachfrage zeitweise nachgelassen hat und XRP unter die Schwelle von 1,50 US-Dollar rutschte. Parallel dazu setzt Stellar (XLM) seinen Erholungsversuch fort und handelt um 0,227 US-Dollar. Was auf den ersten Blick nach einem einfachen „eine bewegt sich, die andere korrigiert“ aussieht, wird bei genauerem Hinsehen durch denselben Makro-Faktor überlagert: Die Stimmung am breiten Markt kippt, weil US-Staatsanleiherenditen wieder deutlich anziehen und damit Kapital in vermeintlich stabilere Assets lenken.
Der zentrale Bremsblock für riskantere Investments kommt aus den US-Zinsen. Laut den im Markt beobachteten Renditedaten liegt die 5-Jahres-Rendite inzwischen über 5% und die 10-Jahres-Rendite bei mehr als 5,2% – und beide Werte bewegen sich laut Berichten auf Niveaus, die seit rund 19 Jahren nicht mehr gesehen wurden. Für Kryptomärkte ist das relevant, weil steigende Renditen die Opportunitätskosten erhöhen: Wer statt in volatile Kurse lieber in festverzinsliche Produkte investiert, verschiebt die Nachfrage. In der Folge wirkt diese Dynamik wie ein Deckel auf das Upside-Potenzial – sowohl für XRP als auch für XLM – selbst dann, wenn Charttechnik kurzfristig wieder bessere Einstiegspunkte signalisiert.
Zusätzlich zur Makroseite liefert der Derivatebereich ein gemischtes Bild, das Trader in unterschiedliche Richtungen denken lässt. Bei den Long-to-Short-Verhältnissen für XRP und XLM werden Werte von 0,85 beziehungsweise 0,68 genannt – Werte, die nahe an den unteren Bereichen eines Monats liegen und damit in Richtung vorsichtiger Positionierung interpretiert werden. Solche Verhältnisse unter 1 werden im Markt häufig als Hinweis gelesen, dass das Sentiment bearish ist: Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Kurse eher fallen als steigen. Gleichzeitig drehen Funding-Raten bei beiden Coins ins Positive: Für XRP wird ein Funding von 0,0040% genannt, für XLM von 0,0100% – als Interpretation gilt dabei, dass Long-Positionen Shorts bezahlen. Genau diese Mischung aus „vorsichtiger“ Positionierung und „zahlendem“ Long-Exposure macht kurzfristige Ausschläge wahrscheinlicher, weil nicht alle Marktakteure dasselbe Kursbild einpreisen.
Technisch betrachtet zeigt XRP zwar noch eine bullische Grundstruktur, aber die Dynamik wirkt gebremst. Am Donnerstag liegt der Kurs bei 1,489 US-Dollar, nachdem es bereits zu einer leichten Korrektur gekommen ist. Positiv: Der Token bleibt deutlich über den 50-, 100- und 200-Tage-Exponential-gleitenden Durchschnitten (EMAs), die in einem Korridor von etwa 1,376 bis 1,314 liegen. Auch der Relative Strength Index (RSI) steht mit rund 55 weiterhin oberhalb der neutralen Zone, was für stabilen, aber nicht überhitzen Kaufdruck spricht. Gleichzeitig fällt der MACD marginal unter null, was eher auf abnehmendes Aufwärtsmomentum hindeutet als auf eine sofortige Trendumkehr.
Für die nächsten Kursentscheidungen sind bei XRP vor allem die Zonen oberhalb und unterhalb der aktuellen Unterstützung entscheidend. Auf der Oberseite wird zunächst eine horizontale Widerstandszone bei etwa 1,671 US-Dollar genannt, bevor mit 1,900 US-Dollar ein deutlich stärkerer Deckel in den Blick rückt, an dem frisches Angebot auftreten könnte. Auf der Unterseite stützt der 50-Tage-EMA bei rund 1,376 US-Dollar direkt, während der 200-Tage-EMA nahe 1,371 liegt. Der 100-Tage-EMA befindet sich bei etwa 1,314, und darunter markiert ein Bereich um 1,300 eine tiefere Nachfragedelle; erst ein Bruch unter diese Zone würde laut der beschriebenen Struktur ein größeres, weiter entferntes Fundament um etwa 1,000 US-Dollar in den Fokus rücken.
Stellar (XLM) bleibt derweil im Chartbild konstruktiver, was sich sowohl an den gleitenden Durchschnitten als auch an Momentum-Indikatoren ablesen lässt. Der Kurs wird bei rund 0,227 US-Dollar geführt, nach einem Rebound am Vortag. XLM hält damit über den 50-, 100- und 200-Tage-EMAs, die sich in einem Bereich von etwa 0,188 bis 0,195 ballen. Diese Rückeroberung der mittleren und längeren Durchschnittslinien wird zudem mit einem festen RSI um 63 und einem positiven MACD untermauert – Signale, die im Markt typischerweise als Käuferkontrolle gewertet werden. In der Praxis heißt das: Selbst wenn kurzfristig Gewinnmitnahmen auftreten, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sofort ein Abwärtstrend „durchstartet“, solange die EMA-Zone hält.
Beim Blick auf konkrete Levels wird die Logik für Trader noch greifbarer. Nach unten hin wird der erste Halt bei der 50%-Retracement-Marke um 0,219 US-Dollar verortet; darunter folgen 0,200 US-Dollar (61,8% Retracement) sowie der EMA-Bereich um 0,195 bis 0,191, der als breitere Nachfragezone beschrieben wird. Erst darunter rücken tiefere horizontale Stützen bei etwa 0,177 und 0,142 in den Fokus. Auf der Oberseite folgt der unmittelbare Widerstand bei 0,237 (38,2% Retracement), anschließend bei 0,261 (23,6% Retracement) sowie zusätzlich eine abwärtsgerichtete Trendlinie nahe 0,260. Genau diese Konfluenz kann das Aufwärtsmomentum vorerst deckeln, wenn die Makro-Bremse durch steigende Renditen weiter wirkt – und umgekehrt kann ein entschlossener Ausbruch über diese Bereiche zeigen, dass das Rebound-Szenario stärker ist als das Zinsargument.
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