LONDON (IT BOLTWISE) – Der Samsung S90H OLED TV positioniert sich als deutlich bezahlbarere OLED-Option für helle Räume. Der entscheidende Unterschied zum Vorgänger S90F ist eine wirksame entspiegelnde Beschichtung, die tagsüber und bei eingeschaltetem Licht Glanz- und Spiegelreflexionen spürbar reduziert. Für Gamer nennt die Bewertung außerdem niedrige Input-Latenzen von 9,33 Millisekunden in einem 4K-HDR-Test. Gleichzeitig bleibt ein kleiner Trade-off: In beleuchtetem Umfeld wirkt der Schwarzwert minimal grauer.

OLED-Fernseher gelten seit Jahren als Inbegriff für „echten“ Kontrast, doch im Alltag entscheidet oft etwas Banales: Reflexionen. Genau dort setzt der Samsung S90H OLED an und liefert damit eine konkrete Antwort auf ein Problem, das viele Käufer aus hellen Wohnzimmern kennen – nämlich Spiegelungen von Fenstern, Lampen und Lichtquellen, die den Bildgenuss auch bei sehr gutem Panel stören können. In der Praxis wird der Blick nicht nur auf Helligkeitswerte und HDR-Tuning gelenkt, sondern auf die Frage, wie stark ein TV das Umgebungslicht im Alltag „schluckt“. Der Test hebt dabei hervor, dass die S90H-Version nicht einfach nur eine Modellpflege ist, sondern eine Design- und Beschichtungsänderung enthält, die sich vor allem bei eingeschaltetem Licht bemerkbar machen soll.
Die zentrale technische Neuerung gegenüber dem Vorjahr ist die „effektive antireflective coating“ genannte Entspiegelungs-Schicht. Während bei OLED-Displays häufig das Panel selbst im Fokus steht, verschiebt der S90H die Priorität spürbar in Richtung optischer Filter. Laut Bewertung lässt diese Beschichtung „fast nichts durch“, wenn man eine starke Lichtquelle direkt auf das Display richtet. Damit kann der TV auch in einem Raum mit vielen Fenstern das typische Reflexionschaos reduzieren – in der Quelle wird ausdrücklich das Weitersehen bei einem dunklen Film „auch wenn“ das Licht im Raum an ist, als Nutzen beschrieben. Gleichzeitig nennt der Test den Nachteil: Auf dem Bildschirm wirkt Schwarz im hell beleuchteten Raum sehr leicht grau, weil der Reflexschutz offensichtlich auch die Bildwirkung im Schattenbereich beeinflusst. Zusätzlich wird erwähnt, dass Rotanteile teils etwas entsättigt erscheinen können, was vor allem bei sehr farbkräftigen Szenen ins Gewicht fallen kann.
Beim Blick auf Ausstattung und Plattform zeigt sich, dass Samsung im S90H nicht nur eine Beschichtung verkauft, sondern auch eine ganze Reihe moderner TV-Features kombiniert. Dazu zählt der Einsatz einer NQ4 AI Gen3 Processor genannten Einheit für Bildverarbeitung und Upscaling sowie integrierter Amazon Alexa-Unterstützung. Die Oberfläche wird als „AI-zentriert“ beschrieben, aber zugleich als sauberer und besser organisiert als in früheren Generationen. In der Bedienlogik taucht auch ein AI Soccer Mode auf, der Bildschärfe und Farbwiedergabe für Fußballspiele verbessern soll – ob das von Fans tatsächlich dringend erwartet wird, bleibt allerdings eine offene Frage. Technisch wichtig ist zudem, dass der S90H im Vergleich zu anderen Premium-Modellen auf Dolby Vision HDR verzichtet; wer HDR als absoluten Must-have mit Dolby Vision versteht, wird laut Test eher bei LG, Sony oder Panasonic schauen müssen.
Für die Einordnung in den Marktvergleich werden im Test mehrere Geräte gegeneinander gestellt: Samsung S95H als höher positioniertes Modell sowie ein LG G5 als Referenz, mit dem Hinweis, dass LGs neue G-Serie zwar weitergeht (G6), die G5-und-ähnlichen G-Modelle aber nach gewissen Updates in der Praxis sehr ähnlich funktionieren. In HDR-Szenen mit gemischtem Inhalt sieht der Tester beim G5 und beim S95H öfter Vorteile bei bestimmten Schwarz- und Schattendetails sowie bei der Darstellung von Hauttönen und kräftig gesättigten Farben wie Orange. Bei „1917“ etwa wirkt der S95H in den fast schwarz wirkenden Bildbereichen erneut am überzeugendsten, während sich S90H und G5 bei „near-black“ Details ähnlich geben. Dafür liefert der S90H in einigen Dynamiktests nachvollziehbar Vorteile: Bei Szenen mit viel Helligkeit und dunklen Bildarealen bleibt er in der Bewertung nicht nur „mitten drin“, sondern zeigt bei den Übergängen zwischen Brights und Black-Bereichen eine größere Dynamikbreite als manche Alternativen.
Auch für Spieler zählt im Haushalt mehr als nur reine Spezifikation. Der Test führt aus, dass die Input-Latenzen beim S90H verbessert sein sollen und nennt konkret eine gemessene Latenz von 9,33 Millisekunden im 4K-HDR-Setup (Leo Bodnar). Der Durchschnitt der letzten Jahre liege demnach bei 11,1 Millisekunden – der Abstand wirkt klein, kann aber bei ambitionierten Multiplayer-Spielern dennoch relevant sein. Hinzu kommt: Der S90H ist nicht als reines „AI-Widget-TV“ zu verstehen. Beim Spielen von Titeln wie Call of Duty wird zwar betont, dass S95H und G5 in der Farbsättigung sichtbar vorn liegen, der S90H aber zugleich heller bleibt. In gemischten HDR-Bildern mit Himmel und Landschaft beschreibt die Quelle zudem einen Effekt, bei dem der S90H Cloud-Details stärker ausbrennt, während S95H und G5 sie besser bewahren.
Am Ende kristallisiert sich für die Kaufentscheidung ein klarer Nutzenkorridor heraus: Wer hauptsächlich ein OLED für helle Räume sucht und dabei Reflexionen ernsthaft als Störfaktor erlebt, bekommt beim S90H den größten Gegenwert. Der eigentliche Grund, vom S90F auf den S90H zu wechseln, ist in der Bewertung die zusätzliche Entspiegelungsbeschichtung; die Bildqualität selbst soll sich ansonsten nicht „grundlegend“ verändert haben. Gleichzeitig wird die Optik im beleuchteten Wohnzimmer als Kompromiss beschrieben: Der Schwarzwert verliert minimal an Tiefe, dafür werden Reflexe von direkten Lichtquellen – etwa Lampen oder Fenster – deutlich reduziert. Für Nutzer, die in ihrem Wohnzimmer selten die Bedingungen eines komplett verdunkelten Vorführraums haben, ist das eine pragmatische Positionierung: Der TV will nicht nur in Laborwerten glänzen, sondern im echten Licht überzeugen.
Damit bleibt der Samsung S90H OLED vor allem eine Empfehlung für Käufer, die OLED-Schwarzwerte zwar erwarten, aber Reflexschutz priorisieren und gleichzeitig preislich näher an der „bezahlbaren“ OLED-Liga bleiben wollen. Wer dagegen maximale HDR-Kompatibilität mit Dolby Vision verlangt oder besonders empfindlich auf minimale Farbverschiebungen bei Rot reagiert, sollte die Alternative im Portfolio – etwa den S95H – oder die Konkurrenz-Modelle erneut gegeneinander testen.
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