SEOUL / LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung startet eine groß angelegte Werbekampagne für seine Klapphandys und stellt dabei insbesondere Gewicht, Design und Markteintritt vor Apples neuem faltbaren „Duo“. Apple positioniert das Falt-iPhone bei 1.999 US-Dollar und liegt damit nur knapp über den Preisen von Samsungs Galaxy Z Fold 8. In der Berichterstattung wird erwartet, dass Apples Einstieg den Wettbewerb spürbar verschiebt, während Samsung auf Erfahrung, Skalierung und weltweite Vertriebskanäle setzt. Der Kampf um Marktanteile soll vor allem dort aufflammen, wo Käufer erstmals in Serie mit dem „Foldable“-Segment in Kontakt kommen.

Mit der Kampagne setzt Samsung nicht nur auf Aufmerksamkeit, sondern auch auf eine klare Botschaft: Faltbare Geräte sollen für den Massenmarkt vor allem leichter und alltagstauglicher werden. Die Anzeigen laufen in großen Städten wie Seoul, Tokio und London und bedienen sich dabei bewusst einfacher Slogans wie „Welcome to Foldables“ und „The World’s Lightest Fold“. Parallel veröffentlicht der Hersteller neue Details zu seinen langfristigen Bemühungen, das Gewicht weiter zu senken. Damit reagiert Samsung auf eine Phase, in der das Thema Klapphandy vom Nischenprodukt in den Bereich „ernstzunehmende Alternativen“ rückt – und zwar nicht zuletzt, weil mit Apple ein Unternehmen mit extrem starker Endkundenmarke und hohem Vertrauen in das Segment hineinstößt.
Apple hat das „Duo“ als faltbares iPhone mit einem Preis von 1.999 US-Dollar vorgestellt. Diese Positionierung wirkt wie ein regelrechter Trigger: Gegenüber dem Galaxy Z Fold 8, das mit 1.899 US-Dollar in ähnlichen Preissphären startet, liegen nur etwa 100 US-Dollar Differenz. Laut einer Einschätzung von Liz Lee von der Marktforschung Counterpoint ist genau diese Preispolitik „eine der beeindruckendsten“ Komponenten des Produkts. Der Kernpunkt dahinter: Wenn ein Premium-Gerät so knapp über einer etablierten Preislinie platziert wird, sinkt für viele Käufer die Hürde, überhaupt in die Produktkategorie einzusteigen oder beim Umstieg nicht gleich das nächste „Budget-Faltgerät“ aus China abzuwarten.
Technisch und strategisch spielt in diesem Wettbewerb nicht nur die Hardware-Ästhetik eine Rolle, sondern auch der Entwicklungs- und Lieferkettenbau. Apple greift dabei auf ein Design zurück, das an den „Passport“-look erinnert und zeitlich eng an Samsungs jüngst vorgestellte Galaxy-Z-Fold-8-Iteration gekoppelt ist. Gleichzeitig nutzt Apple laut den Angaben die bereits etablierte Supply Chain rund um Foldables, inklusive faltbarer Bildschirme aus dem eigenen Samsung-Display-Umfeld. Das ist ein Vorteil, der sich in der Praxis oft erst dann sichtbar macht, wenn es um Fertigungsreife, Panel-Ausbeute und die Stabilität im Alltag geht – also Faktoren, die über Wohlwollen in der frühen Phase hinaus entscheiden, ob ein Produkt nach dem Hype in den regulären Geräteaustauschzyklus hineinpasst.
Samsung kann sich zudem auf eine längere Lernkurve im Segment berufen. Der Hersteller brachte 2019 erste massentaugliche Foldables auf den Markt; anfängliche Probleme führten zu Verzögerungen, nachdem Berichte über gebrochene Displays und Display-Effekte die Wahrnehmung prägten. Seitdem hat Samsung acht Generationen von faltbaren Smartphones entwickelt. Diese Historie ist nicht nur eine Marketing-Erzählung, sondern spiegelt sich typischerweise in mehreren Technikbereichen wider: in der Haltbarkeit von Scharnieren, in der Materialauswahl für flexible Displays, in der Auslegung von Schutzschichten und in der Software-Integration, die die Übergänge zwischen geöffnetem und geschlossenem Zustand stabil halten muss. In einem Segment, das ohnehin „Fragilität“-Angst als mentalen Gegner mitbringt, wird solche Betriebserfahrung zum Verkaufsargument.
Die Marktfolgen werden in der Szene entsprechend konkret diskutiert. Counterpoint erwartet, dass Apple 25% Marktanteil erreicht und damit näher an Samsung heranrückt; für Samsung wird für das laufende Jahr ein Anteil von 38% genannt. Die Spannung entsteht vor allem dadurch, dass Apple nicht einfach nur „irgendein Foldable“ anbietet, sondern ein Modell mit iPhone-Branding und Premium-Ökosystem in einen Markt einspeist, der lange Zeit entweder von Samsung selbst oder von chinesischen Anbietern dominiert wurde – wobei dort einzelne Geräte mit begrenzter Reichweite über die Nische hinaus kämpfen mussten. Samsung wiederum setzt dem Konter mit einer Mischung aus Erfahrung (Scale, Distribution) und schneller Kommunikation entgegen, etwa über eine Reihe spöttischer Posts in sozialen Medien, die Apples Innovationsanspruch infrage stellen.
Auch die öffentliche Bewertung bleibt Teil des Wettbewerbs. Apples neuer CEO John Ternus kritisiert laut den Angaben aktuelle Foldables als Konstrukte, die „wie zwei Telefone wirken, die unbeholfen zusammenkleben“. Samsung kontert nicht nur über Anzeigen, sondern lenkt das Gespräch auf messbare Verbesserungen wie reduzierte Dicke und geringes Gewicht. Für Unternehmen in der Zuliefer- und Produktumfeldwelt ist das relevant, weil sich die wirtschaftliche Logik von Foldables abzeichnet: Sobald ein Hersteller Preis und Zugang so nah an die etablierte Referenzlinie bringt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Support- und Serviceprozesse, Reparaturnetzwerke und After-Sales-Kapazitäten skaliert planen lassen. Genau diese Planungssicherheit entscheidet oft, ob ein Ökosystem rund um Foldables mittel- bis langfristig Investitionen anzieht – oder ob es beim „Showcase“-Charakter bleibt.
Unterm Strich verschiebt Samsung mit seiner Kampagne den Wettbewerb spürbar in Richtung Massenmarktlogik: nicht nur „wir haben ein Foldable“, sondern „wir lösen die Kernfrage nach Alltagstauglichkeit“. Apples „Duo“ mit 1.999 US-Dollar wirkt dabei wie ein strategischer Hebel, weil er die Preisdifferenz gegenüber Samsungs Galaxy Z Fold 8 deutlich klein hält und damit den Einstieg erleichtert. Für den weiteren Verlauf dürfte entscheidend sein, ob sich die Erwartungen an Marktanteile aus den aktuellen Einschätzungen bestätigen – und ob Samsung seine Vorteile aus Fertigungsreife und weltweiter Distribution nicht nur in Reichweite, sondern auch in klarer Produktwirkung übersetzen kann. In einem Segment, das in den letzten Jahren von technischen Weiterentwicklungen und Lehren aus frühen Problemen geprägt war, wird der nächste Schritt daher weniger von einzelnen Features abhängen als von der Frage, wie konsequent beide Anbieter die Nutzererfahrung über Generationen hinweg stabilisieren.
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