LONDON (IT BOLTWISE) – Die SAP-Aktie steht kurz vor den Quartalszahlen am 21. Oktober und handelt knapp unter dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten. Nach dem Jahrestief im Juli hat das Papier mehr als die Hälfte zugelegt und wieder die 200-Euro-Marke ins Visier genommen. Entscheidend dürfte der währungsbereinigte Current-Cloud-Backlog sein, weil der Markt im Januar auf Abweichungen bereits sehr empfindlich reagiert hat. Neben der Backlog-Entwicklung rückt vor allem die Entwicklung der Marge beim bereinigten Betriebsergebnis in den Fokus.

Die Bewertungsfrage rund um die SAP-Aktie bekommt in den Tagen vor dem Bericht zum dritten Quartal ein spürbar konkreteres Gesicht. Am Donnerstag stieg das Papier im XETRA-Handel um 0,62 Prozent auf 198,16 Euro. Sechs Tage vor dem Zahlen-Update am Abend des 21. Oktober nach US-Börsenschluss liegt die Aktie damit nur noch knapp unter dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten. Für Anleger heißt das: Das Momentum der Erholungsrally ist da, aber es bleibt wenig Puffer für Enttäuschungen, weil die Erwartungen bereits stark eingepreist wurden.
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als geradlinig. Noch im Sommer war SAP bis auf 127,50 Euro abgerutscht, bevor die Aktie seitdem um mehr als 55 Prozent anzog. Verglichen mit dem Hoch von 243,95 Euro vom 24. Oktober 2025 bleibt der Abstand aber weiterhin erheblich: Rund 18 Prozent liegen zwischen aktuellem Kurs und dem Niveau, das noch vor den KI-Sorgen erreicht wurde. Diese Phase ist eng mit dem Rückschlag Anfang des Jahres verknüpft: Die Jahreszahlen vom 29. Januar hatten ausgelöst, dass der Cloud-Auftragsbestand die selbst gesetzte Marke verfehlte und die Aktie an einem Tag etwa 15 Prozent verlor. Damals trafen operative Zweifel auf die Erwartung, dass KI-Agenten klassische Unternehmenssoftware verdrängen könnten.
Dass die Wende anschließend gelang, zeigt sich vor allem an zwei Hebeln, die auch künftig die Richtung bestimmen dürften. Erstens lieferten die Zahlen zum zweiten Quartal einen kräftigen Rückenwind durch Backlog-Wachstum. Zweitens unterstützt ein Aktienrückkauf-Programm die Kursunterstützung: SAP will bis Ende 2027 bis zu 10 Milliarden Euro investieren; seit Ende Juli läuft bereits eine zweite Tranche über bis zu 2,6 Milliarden Euro. Für die operative Interpretation ist außerdem wichtig, wie SAP die eigene Datenbasis und die Einbettung von Künstlicher Intelligenz in bestehende Geschäftsprozesse argumentiert: Konzernchef Christian Klein stellte auf einer Konferenz von Goldman Sachs heraus, dass der Konzern als Datenhalter für Sprachmodelle den Rahmen für „echten Mehrwert“ liefern könne.
Im Kern der nächsten Marktreaktion steht dann aber weniger die Vision, sondern die Messgröße. Analysten erwarten für das dritte Quartal ein Ergebnis je Aktie von 1,82 Euro (rund 14 Prozent über dem Vorjahreswert von 1,59 Euro, Non-IFRS). Beim Umsatz peilen sie etwa 10,1 Milliarden Euro nach 9,08 Milliarden Euro im Vorjahresquartal an. Neben diesen Topline-Zahlen bleibt die Marge beim bereinigten Betriebsergebnis ein kritischer Prüfstein: Für das zweite Quartal sank sie auf 27,8 Prozent nach 28,5 Prozent im Vorjahr. Als Belastungsfaktoren werden höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie der Zukauf Reltio genannt; zugleich wurde die Spanne für das bereinigte Betriebsergebnis 2026 auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro zu konstanten Währungen gesenkt.
Technisch betrachtet wirkt der Cloud-Auftragsbestand dabei wie eine Art Frühindikator für die künftige Erlösrealisation, weil er die zukünftige Nachfrage in ein belastbares Signal übersetzt. Im zweiten Quartal wuchs der Current Cloud Backlog um 27 Prozent auf 22,93 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent. SAP ordnet den erstmaligen Einbezug von Reltio so ein, dass dieser weniger als einen Prozentpunkt beitrug. Für 2026 hatte der Konzern bereits eine leichte Verlangsamung angekündigt, und genau damit rechnen die Erwartungen für das dritte Quartal: Es soll zwar weiter wachsen, aber weniger dynamisch. UBS-Analyst Michael Briest sieht die Marge ebenfalls weiter unter Beobachtung, allerdings mit einer etwas günstigeren Vergleichsbasis im dritten Quartal.
Der Markt speist diese Kennzahl auch direkt in die Bewertung ein. Wie empfindlich die Kursreaktion auf Abweichungen sein kann, zeigte sich im Januar: Ein Prozentpunkt unter der eigenen Zielmarke reichte offenbar aus, um den Kurs deutlich unter Druck zu setzen. Damit rückt am 21. Oktober vor allem eine Zahl in den Mittelpunkt, nämlich das währungsbereinigte Wachstum des Current Cloud Backlog im Vergleich zu den 26 Prozent aus dem zweiten Quartal. Dazu kommen die Bestätigung der Jahresziele für Cloud-Umsatz und Betriebsergebnis sowie der Blick darauf, ob der Effekt der genannten Cloud-Entwicklung auf das bereinigte Betriebsergebnis tatsächlich neutral ausfällt. Auf der Ergebnisformel-Seite rechnet der Konzern im dritten Quartal zudem mit einem Währungsrückenwind von 1,5 Prozentpunkten beim Cloud-Umsatzwachstum.
Auch bei den Analysten zeichnet sich eher „fair“ als „billig“ ab. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 205,14 Euro und damit nur leicht über dem aktuellen Kursniveau. Jefferies hob zuletzt das Kursziel von 210 auf 220 Euro an und hält die Einstufung auf „Buy“. Berenberg bleibt beim Kaufrating und sieht einen möglichen Sprung bis auf 205 Euro. Dagegen fällt das Bild bei UBS deutlich verhaltener aus: „Hold“ bei 201 Euro. JPMorgan sieht die Aktie eher bei „Neutral“ und vergibt mit 175 Euro ein deutlich darunterliegendes Kursziel. Damit entsteht ein klares Szenario für die nächsten Tage: Das Potenzial ergibt sich vor allem daraus, ob der Backlog die befürchtete Abkühlung weniger stark zeigt als erwartet und ob die Marge trotz hoher F&E-Ausgaben stabiler ausfällt.
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