TOKIO / LONDON (IT BOLTWISE) – SBI Holdings treibt die Einführung eines XRP-ETFs an der Tokioter Börse voran und nutzt dabei die kürzlich verschärfte FIEA-Regelung. Mit zwei geplanten Produkten soll das Volumen mittelfristig auf bis zu 32 Milliarden US-Dollar AUM steigen. Entscheidend wird nun, ob der Gesetzgebungsprozess im Parlament zügig abgeschlossen wird und die FSA die ersten Zulassungen wie geplant bis ins Geschäftsjahr 2028 erteilt. Für institutionelle Anleger öffnet sich damit erstmals ein regulierter Pfad in Richtung XRP.“

SBI plant Japans ersten XRP-ETF: Spot-Produkt ab 2027 möglich
SBI plant Japans ersten XRP-ETF: Spot-Produkt ab 2027 möglich (Foto: IT BOLTWISE)
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Die spannendste Entwicklung rund um XRP in Japan ist weniger ein Kursversprechen als ein regulatorischer Infrastruktur-Wechsel: SBI Holdings will den ersten börsennotierten XRP-ETF des Landes auf den Weg bringen. Auslöser ist die am 10. April 2026 verabschiedete Neuregelung im Rahmen der Financial Instruments and Exchange Act (FIEA), die Krypto-Assets wie XRP künftig als Finanzinstrumente einordnet. Damit ändert sich für große Kapitalanbieter grundsätzlich, was sie über die üblichen Depot- und Compliance-Schienen kaufen dürfen. Für den Markt bedeutet das vor allem Timing: Der ETF kann frühestens nach den ersten FSA-Zulassungen im Geschäftsjahr 2028 an den Start gehen, während Japan bis dahin eine institutionelle Nachfrage „aufstaut“.

Im Kern verfolgt SBI zwei ETF-Designs, die beide an die Logik bestehender Marktprodukte andocken sollen. Zum einen soll ein Spot-Krypto-ETF Bitcoin und XRP direkt halten und an der Tokioter Börse gelistet werden. Zum anderen plant SBI einen sogenannten „Digital Gold Crypto ETF“, der mehrheitlich (mindestens 51 %) in Anteile eines Gold-ETFs investiert und den Rest (bis zu 49 %) über Krypto-ETF-Komponenten abdeckt. Die Zielmarke lautet: innerhalb von drei Jahren bis zu 32 Milliarden AUM. Operativ stützt sich das Modell auf Partnerschaftsarchitektur, denn SBI hatte bereits vor jeder regulatorischen Anwendung eine gemeinsame ETF-Management-Struktur mit einem großen internationalen Vermögensverwalter in Japan aufgebaut.

Technisch und organisatorisch unterscheidet sich das Vorhaben damit deutlich von „einfachen“ Börsen- oder Broker-Lösungen: Ein ETF verlangt saubere Verwahr-, Bewertungs- und Berichtsroutinen, insbesondere wenn mehrere Vermögensklassen (Krypto und traditionelle Fondsbestandteile wie Gold) kombiniert werden. Historisch war der Engpass in Japan genau diese Brücke zwischen Payment-Regulierung und Investment-Regulierung. Seit Jahren werden Krypto-Assets zwar über den Payment Services Act überwacht, allerdings eher als Zahlungsmittelwerkzeug und nicht als investierbares Produkt, das institutionelle Portfolien reguliert abbilden kann. Die FIEA-Umstellung verlegt den Compliance-Rahmen in das Wertpapieruniversum, inklusive Insiderhandelsverboten und jährlichen Offenlegungspflichten.

Marktseitig fällt auf, dass SBI zwar früh filtet, aber nicht allein ist. Branchenbeobachter berichten von einer parallelen „ETF-Race“: Rakuten Securities entwickelt eigenen Strukturen für Krypto-Investment-Produkte, während Nomura, Daiwa und SMBC ebenfalls Vorbereitungen für kryptobezogene Fonds treffen. In der Logik dieser Konkurrenz ist ein früher Antrag ein Vorteil, aber kein Automatismus, weil die FSA-Zulassung von der Ausgestaltung, dem Risikomanagement und der Dokumentationsqualität abhängt. Außerdem ist die institutionelle Startposition bei SBI vergleichsweise stark: Das Unternehmen gilt als großer externer Anteilseigner und betreibt in Japan bereits On-Demand-Liquidity- und Stablecoin-Vertriebsfunktionen, die für Abwicklungsflüsse und Marktmechanik relevant sein können.

Ein weiterer Treiber ist der Steuer- und Kapitalmarktrahmen, der in Japan kurzfristig die Nachfrage verschieben kann. Zwischen Juli 2024 und Juni 2025 flossen laut Marktangaben rund 21,7 Milliarden Yen über zentrale Kryptobörsen in XRP – deutlich mehr als bei Bitcoin. Diese Phase war allerdings von einer sehr starken Besteuerung geprägt, mit progressiven Sätzen bis zu 55 % auf realisierte Gewinne als „sonstige Einkommen“. Die geplante Reform ersetzt dies durch einen einheitlichen Steuersatz von 20 %, ähnlich der Systematik bei Aktien und Investmentfonds, und ergänzt zudem ein dreijähriges Verlustausgleichsmodell. Für institutionelle Anleger, die ohnehin an steuer- und buchhalterisch planbare Produkte gebunden sind, sinkt damit die „Reibung“ beim Markteintritt über ETF-Strukturen.

Für die nächsten Monate sind deshalb drei Prüfsteine entscheidend, und sie sind eher prozess- als technikgetrieben. Erstens: Ob der Gesetzgebungsweg im Parlament (Diet) die FIEA-Änderung im laufenden Sitzungsfenster sauber abschließt, denn ohne diese Umsetzung bleibt der regulatorische Rahmen blockiert. Zweitens: ob die anderen großen Finanzhäuser ihre eigenen ETF-Anträge zeitnah nachziehen, was die Konkurrenz von „Vorbereitung“ in „Ausführung“ übersetzt und damit die Dynamik der FSA-Bewertung beeinflusst. Drittens: wann die erste behördliche Zulassung tatsächlich erteilt wird, denn dann verschiebt sich der Status vom theoretischen Setup zu einem realen Vertriebskanal. Insgesamt wirkt SBI damit wie ein Katalysator – wahrscheinlich eher für 2027 als für das laufende Jahr, weil die institutionelle Produktpipeline erst dann in den Markt „durchschlägt“.

Auch im internationalen Kontext ist der Druck klar: Länder wie Südkorea planen ab 2027 eine einheitlichere Crypto-Besteuerung, und Märkte wie Hongkong haben bereits Spot-ETFs zugelassen. Japan kann sich deshalb nicht beliebig Zeit lassen, wenn Kapitalflüsse nicht in Nachbarjurisdiktionen abwandern sollen. Gleichzeitig kann Wettbewerb bedeuten, dass mehrere Produkte gleichzeitig in den Markt kommen und damit die anfängliche Aufmerksamkeit sich verteilt. Für Entwickler und Enterprise-Anwender entsteht daraus eine indirekte Chance: ETF-Ökosysteme benötigen stabile Datenfeeds, Risikoüberwachung, Auditierbarkeit und standardisierte Schnittstellen für Portfolio-Berechnungen. Wer diese Infrastrukturbausteine liefert, profitiert typischerweise über mehrere Produktzyklen hinweg.


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