HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Schaeffler passt die Mittelfristziele für 2028 an: Der erwartete Konzernumsatz sinkt auf 24,00 bis 26,00 Mrd. Euro. Die bereinigte EBIT-Marge bleibt als Spanne zwar bei 6,0 bis 8,0 Prozent, doch der Weg dorthin bekommt durch negative E-Mobility-Erwartungen zusätzliche Spannung. Für die Sparte E-Mobility reduziert das Unternehmen das Umsatzziel auf 6,25 bis 7,25 Mrd. Euro und rechnet mit einer bereinigten EBIT-Marge von -4,0 bis 0,0 Prozent. Gleichzeitig setzt Schaeffler beim operativen Break-even weiter auf die Umsetzung der Strukturmaßnahmen.

Schaeffler startet mit einer klaren Botschaft in die zweite Jahreshälfte: Ausgehend von den Ergebnissen der jährlichen Strategieplanung korrigiert der Konzern seine Mittelfristziele für das Jahr 2028, die zuvor im September 2025 auf dem Capital Markets Day kommuniziert wurden. Hintergrund sind laut Mitteilung deutlich reduzierte Markterwartungen, vor allem im Geschäft mit Pkw sowie mit leichten Nutzfahrzeugen. Damit verschiebt sich die Erwartung für die Gesamtentwicklung spürbar nach unten, ohne dass das Management an der grundlegenden Zielarchitektur für die Gruppenprofitabilität vollständig rüttelt.
Für das Geschäftsjahr 2028 nennt Schaeffler nun Umsatzerlöse zwischen 24,00 Mrd. Euro und 26,00 Mrd. Euro, vorher waren es 27,00 Mrd. Euro bis 29,00 Mrd. Euro. Das mittelfristige Ziel, im Jahr 2028 eine bereinigte EBIT-Marge auf Gruppenebene zwischen 6,0 Prozent und 8,0 Prozent zu erreichen, bleibt unverändert. Auch der bereinigte Free Cashflow wird weiterhin im Korridor von 400 Mio. Euro bis 600 Mio. Euro verortet. In der Praxis bedeutet das: Der Konzern versucht, trotz geringerer Top-Line einen stabilen Mix aus Kostenstruktur, Effizienz und Kapitaldisziplin zu liefern, damit Ergebnis- und Cashflow-Ziele nicht nacheinander unter Druck geraten.
Deutlichster Einschnitt betrifft die Sparte E-Mobility. Schaeffler reduziert infolge einer marktbedingten Anpassung des Auftragsbestands das Umsatzziel 2028 auf eine Bandbreite von 6,25 Mrd. Euro bis 7,25 Mrd. Euro (vorher: 8,25 Mrd. Euro bis 9,00 Mrd. Euro). Noch wichtiger für die operative Erwartung ist die neue Margenerwartung: Die bereinigte EBIT-Marge in der E-Mobility wird nun zwischen -4,0 Prozent und 0,0 Prozent erwartet, vorher hieß es mindestens 0,0 Prozent. Damit rückt der Break-even auf operativer Ebene noch stärker in den Fokus – ein Signal, dass das Unternehmen die Anlauf- und Skalierungsphase dieser Aktivität in der aktuellen Marktlage realistischer einordnet.
Während E-Mobility gebremst wird, verschiebt sich die Last der Stabilisierung auf andere Segmente. Für Bearings & Industrial Solutions (B& IS) stellt Schaeffler für 2028 Umsatzerlöse zwischen 6,50 Mrd. Euro und 7,00 Mrd. Euro in Aussicht, zuvor waren 6,75 Mrd. Euro bis 7,25 Mrd. Euro geplant. Gleichzeitig sieht das Unternehmen dank Fortschritten bei den Strukturmaßnahmen unverändert eine bereinigte EBIT-Marge für B& IS zwischen 9,0 Prozent und 11,0 Prozent. Damit bleibt B& IS ein zentraler Faktor, um die Gruppenmarge trotz schwächerer Gesamtnachfrage zu stützen – technisch betrachtet ein klassisches Muster: Stabilere Produkt- und Industriesegmente kompensieren vorübergehend margenseitige Belastungen in Wachstumsbereichen.
Auch bei Powertrain & Chassis (PTC) und Vehicle Lifetime Solutions (VLS hebt Schaeffler die Margenperspektive an, um die Lücke aus dem gesenkten Umsatz zu schließen. Die bereinigten EBIT-Margen beider Sparten werden jeweils um 0,5 Prozentpunkte angehoben: Für PTC erwartet der Konzern 10,5 Prozent bis 12,5 Prozent (vorher: 10,0 Prozent bis 12,0 Prozent). Für VLS nennt Schaeffler eine Spanne von 14,0 Prozent bis 16,0 Prozent (vorher: 13,5 Prozent bis 15,5 Prozent). Für Entscheider in Produktion und Einkauf ist das vor allem deshalb relevant, weil Margenerwartungen meist über konkrete Hebel wie Auslastung, Fixkostendegression, Projektportfolio und Prozessautomatisierung abgesichert werden müssen.
Am 5. August 2026 veröffentlicht Schaeffler die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2026. Im Rahmen der Präsentation der Halbjahreszahlen will das Unternehmen weiterführende Informationen zur Anpassung der mittelfristigen Ziele bereitstellen. Für den Markt ist das Timing wichtig: Zwischen einer Insiderinformation und den nächsten Finanzdaten entsteht typischerweise die Erwartung, wie sich die neuen Bandbreiten aus heutiger Sicht in operative Trends übersetzen. Wer die Umsetzung von Strukturmaßnahmen intern begleitet, bekommt damit einen exakten Abgleichpunkt, welche Kosten- und Ergebnishebel bereits wirken und welche Annahmen im zweiten Halbjahr noch verifiziert werden müssen.
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