HERZOGENAURACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Schaeffler hat im zweiten Quartal seine Profitabilität wie erwartet gesteigert und dabei den Umsatz leicht reduziert. Gleichzeitig will der Auto- und Industriezulieferer in Deutschland sein Altersteilzeitprogramm ausweiten, um rund 1.300 Stellen abzubauen. Operativ verbesserte sich das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern auf 264 Millionen Euro, während die operative Marge auf 4,5 Prozent stieg. Das Sparziel trifft auf eine zuletzt verschlechterte mittelfristige Sicht in der Elektroautozulieferung, die Ende Juli bereits für Anlegerirritationen gesorgt hatte.

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler steht gerade an einem typischen Schnittpunkt der Branche: Einerseits stabilisiert ein besserer Mix aus Margentreibern das Ergebnis, andererseits verschärft sich der Druck in dem Segment, das für viele Investoren in den nächsten Jahren über die Bewertung entscheidet. Im zweiten Quartal gelang Schaeffler laut den Angaben aus Herzogenaurach die erwartete Verbesserung der Profitabilität. Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht auf 5,9 Milliarden Euro zurückging, stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um mehr als ein Viertel auf 264 Millionen Euro. Damit nahm auch die operative Marge um einen Prozentpunkt zu und lag bei 4,5 Prozent.
Technisch betrachtet erklärt sich diese Entwicklung weniger durch eine einzelne Produktinnovation als durch die Kombination aus Kostenkontrolle, Portfolio-Effekten und der aktuellen Nachfrage. In der Unternehmenskommunikation werden vor allem die Sparte mit Wälz- und Kugellagern genannt, die deutlich besser lief, außerdem ein weiterhin starkes Ersatzteilgeschäft. Daneben spielte eine Entspannung beim Ergebnis der Elektroautozulieferung eine Rolle, das im Vergleich weniger Verlust abwarf als zuvor. Dass unter dem Strich dennoch nur ein Gewinn von 34 Millionen Euro nach einem Verlust von 40 Millionen Euro im Vorjahr erzielt wurde, zeigt aber auch: Der Effekt der Ergebnisverbesserung ist spürbar, wird jedoch durch den Gesamtmix der Ergebnisrechnung gebremst.
Für die Marktreaktion ist entscheidend, dass die Zahlen zwar kurzfristig überzeugen, die mittelfristige Erwartungshaltung jedoch weiterhin unter Druck steht. Die Schaeffler-Aktie notierte im MDAX nach Berichten zeitweise leicht unter dem Schlusskurs des Vortages; seit Ende Mai hatte der Kurs laut dem Text rund ein Drittel eingebüßt, seit Jahresbeginn waren es etwa 10 Prozent weniger. Der Hintergrund: Der zuletzt gekürzte Mittelfristausblick bis 2028 hatte die Anleger belastet. Diese Entwicklung hängt direkt mit dem Timing in der Elektromobilitäts-Lieferkette zusammen, also mit der Frage, wie schnell sich Produktionsvolumina und Gewinnschwellen in den von Schaeffler ausgebauten Bereichen erreichen lassen.
Genau hier setzt die zweite, strategisch heikle Säule an: Schaeffler will nicht nur im laufenden Quartal optimieren, sondern auch strukturell in Deutschland Kosten senken. Der Vorstand hat dafür die Ausweitung des Angebots zur Altersteilzeit beschlossen, um im Ergebnis rund 1.300 Stellen abzubauen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit zwei Faktoren: einer hohen Nachfrage nach solchen Verträgen und dem Ziel, die Kosten an deutschen Standorten weiter zu reduzieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Erwartet wird, dass rund ein Fünftel der betroffenen Beschäftigten aus den Jahrgängen bis einschließlich 1971 das Angebot in Anspruch nimmt; dabei handelt es sich laut den Angaben um Mitarbeitende aus Produktion und Verwaltung. Der damit verbundene Aufwand wird für dieses Jahr als Sondereffekt erfasst und mit rund 51 Millionen Euro beziffert, die ersten Einspareffekte sollen ab 2027 wirksam werden.
Wichtig ist außerdem die Einordnung der Sparmaßnahmen im Kontext bereits laufender Programme. Im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen in Europa angekündigt; mit den neuen Maßnahmen wird dieses Programm aufgestockt. Für Entscheider in der Zulieferindustrie bedeutet das vor allem: Restrukturierung ist derzeit kein Einmalereignis, sondern wird als fortlaufende Antwort auf eine schwächere Auftragslage verstanden. Laut dem Text wirkt sich dabei insbesondere die weniger rosige Auftragslage bei Elektroautozulieferteilen aus, die die Grundlage für die Mittelfristplanung beeinflusst hat.
Ende Juli hatte Unternehmenschef Klaus Rosenfeld die Mittelfristplanungen für 2028 zusammengestrichen. In der Folge hatte das die Investoren offenbar „verschreckt“, weil die Gewinnschwelle im Bereich der Elektroautozulieferung bis 2028 wohl nicht erreicht wird, wie ursprünglich geplant. Aus technischer und betriebswirtschaftlicher Sicht deutet das auf einen längeren Zeitraum bis zur gewünschten Auslastung und Kostenstruktur hin – ein Problem, das sich in vielen Autokomponentenbereichen wiederfindet, sobald sich die Abnahme- und Volumenpfade von Plattformen verzögern. Gleichzeitig zeigt das zweite Quartal, dass Schaeffler nicht nur „wegoptimiert“, sondern operative Hebel besitzt: Ersatzteile stabilisieren, klassische Lagerprodukte liefern Ergebnisbeiträge, und der Ergebnisverlauf der E-Mobilitätskomponente verbessert sich zumindest punktuell.
Damit rückt für Unternehmen ein Aspekt in den Vordergrund, der in solchen Phasen oft unterschätzt wird: Die Frage nach der Planbarkeit. Wer in der Lieferkette plant, braucht belastbare Hinweise darauf, wie sich Volumen, Investitionen und Personalaufwände über 12 bis 36 Monate entwickeln. Schaeffler bestätigt zwar die Jahresprognose, doch die gekürzten Mittelfristziele bis 2028 und die beschriebenen Sparmaßnahmen signalisieren, dass das Management den Zielkorridor enger fasst. Für Kunden kann das sogar kurzfristig positiv sein, weil Kosten- und Produktivitätsprogramme oft Prozesse in Fertigung und Instandhaltung verbessern; langfristig entscheidet jedoch, ob sich die Elektroautozulieferung wieder so entwickelt, dass die zuvor definierten Marge- und Ergebnisannahmen erreichbar bleiben.
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