WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Der designierte Chief of Space Operations, Lieutenant General Douglas Schiess, hat in der Anhörung seine Zusage erneuert, die Zusammenarbeit der U.S. Space Force mit Grand Forks Air Force Base und der University of North Dakota (UND) fortzuführen. Im Fokus stand zudem, wie die Space Development Agency (SDA) nach ihrer Integration in die Space Force in eine neue Struktur überführt wird. Dabei ging es konkret um die Beibehaltung einer schnellen Beschaffungs- und Innovationskultur, während Zuständigkeiten auf Portfolio Acquisition Executives (PAEs) übergehen. Verknüpft wurde das mit Haushaltsmitteln: Der NDAA sieht 250 Millionen US-Dollar für eine neue Operationsanlage in Grand Forks vor.

Die Anhörung im Senate Armed Services Committee markiert für die U.S. Space Force einen organisatorischen Übergang, der weit über Personalie und Standortbindung hinausgeht. Lieutenant General Douglas Schiess wurde als nächster Chief of Space Operations geprüft und müsste bei Bestätigung die dritte Führungsrolle in der US-Space-Force übernehmen, nachdem Gen. Chance Saltzman die Leitung innehatte. Politisch wichtig wurde dabei, dass Schiess seine Bereitschaft signalisierte, die Partnerschaft mit Grand Forks Air Force Base und der University of North Dakota (UND) fortzusetzen. Damit bleibt nicht nur ein geografischer Anker bestehen, sondern auch ein konkretes Funktionsmodell für Entwicklung und Betrieb von Raumfahrtfähigkeiten.
Technisch betrachtet verknüpft die Entscheidung mehrere Einsatzketten: Grand Forks ist bereits mit einem SDA Operations Center sowie einem airborne ISR-Auftrag verbunden. „Airborne ISR“ steht in der Praxis für Aufklärung, die Daten aus der Luft in Zeitnähe bereitstellt und damit die Grundlage für nachgelagerte Analysen in terrestrischen Kommando- und Kontrollstrukturen bildet. Der politische Hebel ist dabei auch infrastrukturell: Der National Defense Authorization Act (NDAA) sieht für dieses Jahr 250 Millionen US-Dollar für eine neue Space-Force-Operations-Einrichtung in Grand Forks vor. Dadurch erweitert sich die Kapazität, um nächste Generationen von Missionsprofilen abzustützen.
Im Markt- und Organisationsvergleich ist die eigentliche Stellschraube jedoch die Beschaffungsgeschwindigkeit. In der Anhörung wurde herausgestellt, dass die Space Development Agency (SDA) in „einer neuen Form“ in die Space Force überführt wird. Der Senator Kevin Cramer, der den SASC-Airland-Subcommittee-Vorsitz innehat und im Senate Space Force Caucus mitarbeitet, adressierte dabei explizit das Thema „rapid acquisition culture“: Ein System, das Software- und Systementwicklung eng mit kurzen Zyklen verbindet, ist ein anderes als klassische, mehrstufige Beschaffungsprozesse. Die Diskussion zielte darauf, SDA-Prinzipien in die neue Governance über PAEs mitzunehmen.
Ein weiterer Wettbewerbs- und Abgrenzungsaspekt ergibt sich aus dem Verhältnis zu anderen Akteuren im Raumfahrt-Ökosystem. Im Verlauf der Debatte wurde unter anderem das Thema National Reconnaissance Office (NRO) angesprochen, als Senator Angus King nach Absicherung verlangte, es gebe keine redundanten Aufgaben. Historisch betrachtet ist die Sorge vor Duplikationen im militärischen Raumfahrtbereich nachvollziehbar: In früheren Programmgenerationen entstanden teils Überschneidungen zwischen Sensorik, Downlink- und Auswertungswegen, weil Zuständigkeiten über Organisationen hinweg nicht immer sauber getrennt waren. Der Hinweis auf „silos working more jointly“ deutet darauf hin, dass die Space Force Schnittstellen so gestalten will, dass NRO-nahe Fähigkeiten nicht nachträglich doppelt aufgebaut werden.
Für Unternehmen und Entwickler liegt darin zugleich eine Chance: Wer an Schnittstellen für Low-Earth-Orbit-Konstellationen, Transport-Layer und schnelle Systemintegration arbeitet, kann mit besser planbaren Beschaffungszyklen rechnen, wenn PAEs die SDA-Logik tatsächlich in die neue Struktur übertragen. Das betraf in der Anhörung konkret die Frage, wie Portfolio Acquisition Executives „viel wie“ der SDA-Direktor agieren sollen, während Verantwortung wandert. Cramers Punkt war, dass es nicht nur um die Übernahme von Prozessen geht, sondern darum, auch bei neuen Zuständigkeiten Tempo und Innovation beizubehalten. Für die Umsetzung ist dabei relevant, wie Contracting-Mechanismen gestaltet werden, sodass Iterationen und Testphasen mit kurzen Feedback-Loops möglich bleiben.
Auch sicherheits- und datenschutzbezogene Aspekte sind dabei indirekt mitgedacht, selbst wenn die Anhörung im Kern Governance und Erwerbsgeschwindigkeit adressiert. Aufklärungssysteme und ISR-Datenketten unterliegen in der Praxis strengen Auflagen, etwa für Zugriffssteuerung, Aufbewahrung und Zweckbindung. Je schneller Systeme in den Betrieb übergehen, desto wichtiger werden klare Regeln für Datenklassifikation, Logging und die Abgrenzung von Rollenberechtigungen, damit nicht durch „agiles“ Arbeiten Sicherheitsanforderungen verwässert werden. Gerade weil Grand Forks als Operationsstandort ausgebaut wird, gewinnt ein sauberes Identity- und Access-Management für Boden- und Missionsplattformen an Bedeutung, ebenso wie die sichere Verarbeitung von Sensor-Outputs.
Der Ausblick richtet sich damit auf einen konkreten Fahrplan: Schiess sprach davon, die „Dinge, die SDA richtig gemacht hat“, in alle PAEs zu übertragen, und verwies auf die Idee, künftig stärker über PAEs zu beauftragen, um schnelle Systeme zu ermöglichen. Inhaltlich bleibt Zielbild erkennbar: Die Low-Earth-Orbit-Konstellation, der Transportlayer und die Nutzung von „spiral development“ sollen weiter in kurzen Entwicklungs- und Reifegraden vorankommen. Für die Space Force bedeutet das im nächsten Schritt, dass Standardisierung der Schnittstellen und ein belastbares Test- und Validierungskonzept entscheiden, ob Geschwindigkeit zur Wiederverwendung führt – oder ob Komplexität zunimmt, wenn mehr Teams parallel integrieren.
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