ZÜRICH / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein ambitioniertes Projekt zur Entwicklung eines abhörungssicheren Mobilfunksystems in der Schweiz ist gescheitert. Trotz staatlicher Garantien und Investitionen in Millionenhöhe konnte das Unternehmen Qnective seine Pläne nicht verwirklichen. Der Konkurs hinterlässt Schulden in Höhe von 160 Millionen Franken.

Das Schweizer Unternehmen Qnective hatte sich das Ziel gesetzt, ein abhörungssicheres Mobilfunksystem zu entwickeln, das insbesondere für staatliche Institutionen und Sicherheitsbehörden von Interesse sein sollte. Die Enthüllungen von Edward Snowden im Jahr 2013 über die Überwachungspraktiken der NSA hatten die Nachfrage nach solchen Systemen stark ansteigen lassen. In diesem Umfeld positionierte sich Qnective mit einem vielversprechenden Angebot, das jedoch letztlich nicht den erhofften Erfolg brachte.
Ein Großauftrag aus Oman sollte den Durchbruch für Qnective bringen. Das Projekt wurde durch die Schweizerische Exportrisikoversicherung (Serv) abgesichert, die Kredite in dreistelliger Millionenhöhe garantierte. Trotz dieser Unterstützung geriet das Unternehmen ab 2017 in finanzielle Schwierigkeiten, als es nicht mehr in der Lage war, die Darlehen fristgerecht zurückzuzahlen. Die Credit Suisse zog schließlich die staatliche Garantie, und der Bund musste einspringen.
Qnective versuchte, sich gegen die Rückforderungen der Serv zu wehren und machte im Gegenzug eigene Ansprüche geltend. Das Unternehmen argumentierte, dass es seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt habe. Doch sowohl das Bundesverwaltungsgericht als auch das Bundesgericht widersprachen dieser Darstellung. Die juristischen Auseinandersetzungen konnten das Unternehmen nicht vor dem Konkurs bewahren.
In den Jahren nach den ersten finanziellen Schwierigkeiten gab es immer wieder Ankündigungen möglicher Rettungsmaßnahmen, darunter Investoreninteressen und Rohstoffdeals. Doch keines dieser Vorhaben kam zustande. Ein spektakulärer Nickel-Deal scheiterte ebenfalls, unter anderem wegen regulatorischer Bedenken, da die Technologie als Dual-Use-Gut gilt. Im Jahr 2025 musste Qnective schließlich Konkurs anmelden, und die Schulden werden auf rund 160 Millionen Franken geschätzt.
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