CAPE CANAVERAL SPACE FORCE STATION / LONDON (IT BOLTWISE) – Die U.S. Space Force reaktiviert die 1st Space Launch Squadron und bündelt damit die Koordination der Eastern Range stärker unter einem einheitlichen Touchpoint. Die Reaktivierung soll Kommunikationswege verkürzen und den Datenaustausch zwischen Startanbietern, NASA und FAA vereinheitlichen. Gleichzeitig will die Space Force die Infrastruktur modernisieren, um künftig mehr Starts effizienter abwickeln zu können. Damit reagiert der Verband auf eine deutlich gestiegene Startkadenz und ein komplexeres Start- und Test-Ökosystem.

Space Launch Delta 45 reaktiviert 1st Space Launch Squadron für mehr Automatisierung
Space Launch Delta 45 reaktiviert 1st Space Launch Squadron für mehr Automatisierung (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Reaktivierung der 1st Space Launch Squadron (1st SLS) ist weniger ein symbolischer Akt als eine Antwort auf einen klaren operativen Engpass an der Eastern Range: Der steigende Durchsatz an Start- und Testaktivitäten macht es immer schwerer, Informationen, Schnittstellen und Sicherheitsanforderungen zwischen mehreren Startanbietern, Regierungspartnern und Range-Teams synchron zu halten. Die Zeremonie fand am 24. Juni 2026 am Sands Space History Center direkt außerhalb der Cape Canaveral Space Force Station statt. Dort übergab U.S. Space Force Col. Brian Chatman, Kommandeur von Space Launch Delta 45 und Direktor der Eastern Range, die Führung der 1st SLS an Lt. Col. Montgomery „Blair“ Kirk.

Historisch war die 1st SLS bereits über zwei Jahrzehnte Teil des Startbetriebs: Ursprünglich aktivierte die US Air Force die Einheit im Oktober 1990 auf Cape Canaveral Air Force Station, und die Squadron übernahm National-Security-Launch-Operationen. Besonders wichtig war die Verantwortung für Launch Complex 17 sowie für Delta-II- und Delta-III-Startoperationen, die zwischen 1990 und 2009 dort durchgeführt wurden. Die Missionen brachten Satellitennutzlasten in den Orbit, die wissenschaftliche Entdeckung, Kommunikationsdienste, Raumfahrt-Erkundung und den Aufbau eines wachsenden GPS-Netzwerks voranbrachten. Nach der letzten Delta-II-Mission, GPS IIR-21, im August 2009 wurde die Einheit inaktiv gesetzt; sie wurde nicht „deaktiviert“, sondern im Betrieb lediglich stillgelegt.

Seitdem hat sich das Umfeld an Cape Canaveral deutlich verändert: Die Eastern Range gehört heute zum Space-Force-Setup unter SLD 45, und die operative Frequenz ist spürbar gestiegen. Der Text nennt 109 Orbitalstarts im Jahr 2025 im Vergleich zu 11 im Jahr 2009. Parallel dazu existieren mittlerweile über „ein Dutzend“ Konfigurationen von Trägerraketen auf unterschiedlichen Reifegraden – von Entwicklung über Bau bis hin zu laufenden Operationen. Für die SLD-45-Teams bedeutet das: Das Basisgeschäft bleibt zwar gleich – Scheduling und Deconfliction von Fahrzeug- und Satellitentransporten, Pad- und Flight-Safety-Analysen, Wetterprognosen für Start und Bergung sowie Wartung von Instrumentierung und Infrastruktur – aber die Planungs- und Steuerungslogik muss mitwachsen, sonst steigt die Komplexität bei jeder neuen Startkampagne.

Genau hier setzt die Reaktivierung an. Laut Angaben soll die 1st SLS vor allem die Kommunikation und Abläufe über die Eastern Range hinweg „streamlinen“ und damit sowohl die physischen als auch die digitalen Infrastrukturkomponenten adressieren. Im Kern geht es um die durchgängige Beherrschung von Transport- und Logistikpipelines bis hin zur Range-Automatisierung der nächsten Generation. Diese digitale Automatisierung zielt darauf, Startprozesse zu beschleunigen und die Kapazität der Range zu erhöhen. Praktisch bedeutet das: Wenn Informationen zwischen mehreren Launch-Providern und Regierungsstellen nicht schnell und konsistent genug ausgetauscht werden, entstehen Schleifen – entweder durch Rückfragen oder durch wiederholte Abstimmungen in mehreren Einheiten. Col. Joyce Bulson, Deputy Commander for Operations bei SLD 45, bringt das Problem auf den Punkt: „One of our capacity limiters is our ability to share information expediently and effectively across multiple launch providers and government partners including the FAA and NASA as well as with the Western Range, and we want providers to have a consistent experience regardless of where they’re launching from, “ sagte sie. Und weiter: „Previously, the providers might have to make calls to multiple units to get a complete SLD 45 answer. Now, they’ll only have to make one call to the 1st SLS.“

Die 1st SLS soll dafür mehrere Aufgabenstränge bündeln, die im Text als fünf Schwerpunkte beschrieben werden: Spaceport Futures, Spaceport Operations, Business Operations, Range-Instrumentation-Maintenance-and-Sustainment sowie Digital Capabilities. Wichtig ist dabei die Abgrenzung zum operativen „Day-of-Launch“-Betrieb. Obwohl die 1st SLS der zentrale Touchpoint für Startanbieter sein soll, bleiben die „boots on the ground“ für das National Security Space Launch (NSSL)-Programm bei der 5th Space Launch Squadron. Diese Einheit überwacht weiterhin Mission-Assurance-Anforderungen für Startfahrzeug- und Satellitenhardware und unterstützt außerdem neue Zertifizierungsaktivitäten, etwa beim Check-out von Boden- und Pad-bezogenen Systemen für neue Anbieter. Gleichzeitig fokussiert die 1st Range Operations Squadron den unmittelbaren Bedarf am Starttag aus Sicht des Satellitenkunden, der Launch Provider und der Regierungsseite – mit dem Ziel, die öffentliche Sicherheit zu schützen. Zusammenspiel ist hier nicht nur Organisationsprinzip, sondern technische Voraussetzung: Wer Sicherheit, Instrumentierung und Datenzugriffe in unterschiedlichen Teams organisiert, braucht klare Schnittstellen, sonst leidet die Durchsatzrate.

Auf Strategieebene liefert der Text eine weitere Zielmarke: Der Chief of Space Operations, U.S. Space Force Gen. Chance Saltzman, prognostiziert, dass die Startoperationen an Eastern Range und Spaceport bis 2040 auf 1.200 Starts pro Jahr steigen sollen. Für ein solches Volumen reicht es nicht, zusätzliche Arbeitsschritte einfach „mehrfach“ zu skalieren; es braucht standardisierte Abläufe, angepasste Richtlinien und eine Infrastruktur, die Lastspitzen und parallele Kampagnen verkraftet. Aus der Entwicklungsperspektive wirkt die Reaktivierung daher wie ein Mittel, um Spaceport-Operationen zu normalisieren und nicht länger nur als Sammlung von Mietern zu betrachten, die zufällig zusammenarbeiten. Bulsons Aussage „We are out of real estate, time and people“ macht deutlich, dass der Engpass zunehmend Ressourcen- und Prozesscharakter hat. Genau deshalb soll die 1st SLS die Hände so nah wie möglich an die Steuerungsarbeit bringen und industrielle Partner so einbinden, dass künftige DoW-Anforderungen (darunter: „ready and responsive“ Fähigkeiten) nicht nur erhalten, sondern planbar in die Budget- und Infrastrukturplanung übertragen werden.

Für Unternehmen und Startanbieter ergibt sich daraus vor allem ein Erwartungsrahmen: weniger Ansprechpartner, weniger fragmentierter Informationsfluss und ein konsistenteres Operational-Experience-Modell über unterschiedliche Startorte hinweg. Parallel steigt die Relevanz von Schnittstellen zwischen Bodenanlagen, Range-Instrumentierung und digitalen Steuerungssystemen, weil die 1st SLS ausdrücklich auch digitale Fähigkeiten adressiert. Wer heute Launch-Services anbietet oder Testkampagnen plant, sollte damit rechnen, dass die Range-Integration stärker als End-to-End-Prozess organisiert wird – vom Transport des Satelliten und der Trägerrakete über Sicherheitsanalysen bis zur automatisierten Orchestrierung von Abläufen. Die Reaktivierung der 1st SLS ist damit ein Signal, dass die Eastern Range die nächste Stufe der Prozessindustrialisierung einleitet, um die Kapazität langfristig auf ein deutlich höheres Startniveau zu heben.


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