WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Space Force hat SpaceX mit zwei weiteren Starts im Wert von 1,6 Mrd. US-Dollar beauftragt. Grundlage ist das NSSL-Phase-3-Programm (Lane 1) für kommerziellere Startabwicklungen. Die Aufträge sollen 2027 Starts für das Space-Based-Sensing-and-Targeting-Portfolio abdecken, während die Service-Planung zuvor per Plus-up auf 17 Mrd. US-Dollar angepasst wurde. Damit rückt auch der Ausbau des SB-AMTI-Programms näher an einen operativen Zeitplan.

Für Unternehmen, die im Umfeld von Satellitensystemen entwickeln oder integrieren, ist die Meldung aus dem US-Verteidigungsbereich vor allem deshalb relevant, weil sie den Charakter der Beschaffung konkret verändert: Die Space Force setzt bei NSSL Phase 3 Lane 1 auf ein Vertragsmodell, das kommerzielle Startabläufe stärker nachbildet. Im Kern bedeutet das, dass der Dienst unter einem „Indefinite Delivery/Indefinite Quantity“-Rahmenvertrag auf vorqualifizierte Anbieter zurückgreift und anschließend Task Orders für einzelne Missionen auslöst. Dadurch wird der Übergang von der „einzelnen Großbestellung“ hin zu planbaren, aber flexibel abrufbaren Startslots erleichtert – zumindest aus Sicht der Beschaffungslogik.
Die jetzt genannten zwei Task Orders haben laut Ankündigung einen Gesamtwert von 1,6 Mrd. US-Dollar und sind innerhalb von NSSL Phase 3 Lane 1 verortet. Zeitlich adressieren sie Starts im Jahr 2027, die eine „unbekannte Anzahl“ von Satelliten in der Space-Force-Umgebung abdecken sollen – ein Hinweis darauf, dass der konkrete Nutzlastmix erst im jeweiligen Missionstakt festgezurrt wird. Technisch passt das zur typischen Arbeitsweise eines Falcon-9-Einsatzes im Low-Earth-Orbit-Kontext: Mehrere Satelliten lassen sich mit einem geeigneten Deployment-Ansatz auf einmal auf Zielbahnen bringen, ohne dass jede Nutzlast zwangsläufig eine eigene Rakete erfordert.
Für die Einordnung ist der zeitliche Zusammenhang wichtig. Die Vergabe ist nach Angaben der Space-Force-Struktur die erste Task-Order seit einem deutlich größeren Vertrags-„Plus-up“ vom 17. Juli, der die Obergrenze (Contract Ceiling) von 11,4 Mrd. US-Dollar auf insgesamt 17 Mrd. US-Dollar anheben sollte. Die Begründung liegt in einer Skalierung der geplanten Lane-1-Starts: von 60 auf 170 Starts im Zeitraum zwischen 2025 und 2034. Genau diese Art von Vertragsanpassung zeigt, wie eng Startkapazität, Nutzlastplanung und Missionsfenster bei Sicherheits- und Aufklärungsprogrammen miteinander verzahnt werden – und warum gerade bei ambitionierten Zeitachsen eine flexible Abruflogik entscheidend ist.
Auf Nutzlastseite verortet die Ankündigung die neuen Starts im Umfeld des SBST-Portfolios („Space Based Sensing and Targeting“). Dabei handelt es sich nicht nur um ein einzelnes Satellitenprojekt, sondern um einen Bündelansatz, in dem Sensorik und Zielzuweisung über verschiedene Plattformen zusammenkommen sollen. SSC nennt außerdem ein konkretes Programm, das mit der SBST-Strategie verwandt ist: SB-AMTI („Space-Based Airborne Moving Target Indicator“). Dessen geplante Satelliten sollen die Fähigkeiten des Air-Force-Systems E-7 Wedgetail ergänzen, das wiederum als Ersatz für die alternde E-3 Sentry aufgesetzt wurde – genau an dieser Stelle setzt die strategische Verschiebung an: weg von einem reinen Flugzeug-Asset, hin zu einer stärker verteilten Sensorarchitektur im Weltraum.
Die betriebliche Notwendigkeit dahinter wird in der Meldung ebenfalls angesprochen: Der Umzug in den Weltraum sei aus Sicht der US Air Force erforderlich, weil potenzielle Gegner zunehmend über Anti-Access-/Area-Denial-Fähigkeiten verfügen. Solche Systeme zielen darauf, Aktivitäten außerhalb oder nahe eines Einsatzgebiets zu erschweren – etwa durch Störung, Abschreckung oder das Erschweren von Zugriff auf Sensorplattformen. Wenn Sensorik näher an die relevanten Bahnen rückt, lassen sich Reichweiten, Zeitfenster und Abdeckung in der Zielverfolgung oft anders gestalten als mit ausschließlich luftgestützten Plattformen. Das SB-AMTI-Konzept adressiert damit im Kern die Frage, wie „Moving Target“-Informationen stabiler und länger verfügbar gemacht werden können, auch wenn die Nutzung klassischer Flugzeuge taktisch stärker eingeschränkt wird.
Auch die Budget- und Programmdynamik kommt in der Meldung deutlich heraus: Am 29. Mai wurde laut Angaben ein Task Order über 4,16 Mrd. US-Dollar an SpaceX vergeben, um das SB-AMTI-Programm zu „beschleunigen“, wobei weitere Vergaben angekündigt wurden. SpaceX gehört dabei zu neun Firmen, die unter einem „Other Transaction Authority“-Vertragsvehikel für weitere Task Orders vorgesehen sind. Für die Industrie ist das vor allem ein Signal, dass sich die Lieferkette rund um Missionsplanung, Startdienstleistungen und Satellitenintegration nicht nur auf eine einzelne Beschaffungsrunde stützt, sondern über mehrere Abrufe strukturiert wird – was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Zulieferer langfristiger planen können, statt ausschließlich projektbezogen kurzfristig zu reagieren.
Offen bleibt in der Ankündigung jedoch bewusst, was viele Marktteilnehmer am stärksten interessiert: SSC habe auf eine Anfrage keine konkreten Details zu Typ und Anzahl der Satelliten in den beiden 2027er Starts geliefert. Damit bleibt der operative Scope der Starts zumindest öffentlich unklar. Gleichzeitig zeigt die Verknüpfung zwischen Lane-1-Startskalierung und SBST/SB-AMTI-Portfolio, dass sich die Beschaffung auf genau jene Bausteine konzentriert, die für kontinuierliche Sensorabdeckung und Zielverfolgung zentral sind. Für Entwickler und Systemintegratoren heißt das: Sobald die Task-Order-Details zu konkreten Nutzlasten, Deployment-Interfaces und Missionsprofilen nachgeschoben werden, verschieben sich viele technische und organisatorische Entscheidungen – vom Test- und Konfigurationsaufwand bis zur Planung von Start- und Beschleunigungsfenstern.
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