SPACE COAST / LONDON (IT BOLTWISE) – SpaceX soll nächste Woche zwei große Missionen am selben Tag starten: Crew-13 zur ISS und die NROL-97-Mission des NRO auf einer Falcon Heavy. Beide Flüge zielen auf den 1. Oktober, wobei die Rückkehr der Booster auf der Space Coast mehrere kräftige Knallereignisse im Abstand von rund acht Minuten nach dem Start auslösen kann. Crew-13 hebt am 1. Oktober um 11:10 Uhr ab, die NROL-97-Mission folgt kurz vor Mitternacht mit einem Startfenster bis zum 2. Oktober. Für die Region bedeutet das: gleich zwei Orbital-Events mit teils erstmals gebündelten Rücklandungen an unterschiedlichen Landing Zones.

Für die Space Coast wird es nächste Woche ungewöhnlich dicht: SpaceX plant zwei Starts im selben Zeitfenster – Crew-13 zur Internationalen Raumstation (ISS) und NROL-97 für das US National Reconnaissance Office (NRO) auf der Falcon Heavy. Beide Missionen sind auf den 1. Oktober als Zieltermin ausgerichtet. Damit steht nicht nur ein zusätzlicher Ferientag vor der Startlinie an, sondern auch ein logistischer Kraftakt im Tagesrhythmus von Kennedy Space Center (KSC) und Cape Canaveral Space Force Station – mit Rückkehrmanövern, die sich über mehrere Landing Zones verteilen.
Technisch liegt der Fokus dabei auf einer koordinierten Flugfolge und der gleichzeitigen Wiedergewinnung der Booster. Für Crew-13 ist ein Start um 11:10 Uhr vom Space Launch Complex 40 vorgesehen; an Bord startet die Crew Dragon „Grace“ zu ihrer zweiten Mission. Der Plan sieht vor, dass der Booster für Crew-13 zur Landestelle Landing Zone 40 am Cape Canaveral Space Force Station zurückkehrt. Gleichzeitig sollen die beiden Seitenbooster der Falcon Heavy auf Canaveral-Landing-Zones 1 und 2 landen. Weil alle drei Booster-Returns über Reentries verfügen, die laut Fahrplan etwa acht Minuten nach dem jeweiligen Liftoff erwartet werden, rechnet die Region zusätzlich mit einem oder mehreren Sonic Booms – ein Effekt, der bei wiederholten Wiedereintritten besonders dann auffällt, wenn mehrere Ereignisse zeitlich nahe beieinander liegen.
Auch an der Personalseite ist die Mission klar umrissen. Crew-13 bringt vier Astronauten zur Raumstation; als Kommandantin fliegt die NASA-Astronautin Jessica Watkins, dazu kommen NASA-Astronaut „Pilot“ Luke Delaney sowie der kanadische ESA-/nicht ESA? (Quelle: Canadian Space Agency) Astronaut Joshua Kutryk und der Roscosmos-Kosmonaut Sergey Teteryatnikov. Delaney, Kutryk und Teteryatnikov gelten als Neuzugänge für längere Aufenthalte auf der ISS, während Watkins bereits Teil der Crew-4-Mission im Jahr 2022 war. Die Crew, die bereits in Houston in Quarantäne ging, soll am Samstag zur Kennedy Space Center-Region ankommen und dann einem mehrmonatigen Aufenthalt beitreten: Sie soll Expedition 75 verstärken und Crew-12 ablösen, die seit Februar im Orbit ist.
Unmittelbar nach der ersten Mission wechselt SpaceX in eine komplett andere Aufgabenstellung: Kurz vor Mitternacht soll die Falcon Heavy eine klassifizierte Nutzlast des NRO starten. Für diese NROL-97-Mission ist laut Plan ein Liftoff um 11:53 p.m. von KSC Launch Pad 39-A vorgesehen, mit einem Backup-Fenster am 2. Oktober um 11:48 p.m. Der Ablauf markiert zudem eine Besonderheit innerhalb der Falcon-Heavy-Statistik: Es wäre erst der 14. Flug dieser Trägerfamilie insgesamt – gleichzeitig aber der dritte Falcon-Heavy-Start in diesem Jahr. Die Seitenbooster sind dabei keine Erstlinge, sondern fliegen zum zweiten beziehungsweise vierten Mal; zuvor trugen sie bereits Missionen für Programme wie GOES-U, Viasat-3 F3 und das NASA Nancy Grace Roman Space Telescope. Damit wird sichtbar, wie stark SpaceX auf wiederverwendbare Hardware-Planung setzt, statt jede Mission mit vollständig neuen Komponenten zu beginnen.
Für NRO-Einsätze ist die Trägerwahl ebenfalls ein Signal. Die NROL-97-Mission wäre die erste NRO-Mission, die auf einer Falcon Heavy fliegt, während es zuvor sieben nationale Sicherheitsmissionen gab, die auf Falcon 9 gestartet wurden. In der Praxis bedeutet das: Das Mission-Profil wechselt von einem häufig genutzten kleineren Trägersystem hin zu einer Konfiguration, die insbesondere für unterschiedliche Massen- und Bahnprofile ausgelegt ist. Auch aus Industrievergleichssicht ist das bemerkenswert, denn wiederverwendbare Stufen und Booster-Return-Logik erfordern im operativen Betrieb sehr präzise Zeitplanung – gerade dann, wenn am selben Tag bereits eine bemannte Mission ansteht und die Startgelder nicht isoliert, sondern als „Tageslinie“ durchgeplant werden.
Warum das alles gerade jetzt passiert, hängt nach dem Bericht auch mit dem Fokus von SpaceX auf Starship und Super Heavy zusammen. Für die Space Coast wurden die Startaktivitäten reduziert, während die Nähe zur Falcon-Heavy-Startanlage und die Arbeiten am benachbarten Starship-/Super-Heavy-Komplex hochfahren. Bereits zuvor hatte SpaceX die Nutzung der KSC-Pads auf Falcon-Heavy-Missionen beschränkt und Falcon-9-Starts zu Cape Canaveral verlagert. Dazu kommt eine weitere Schwerpunktverschiebung: Künftige Starlink-Flüge von Florida sollen erst mit Starship erfolgen, nachdem SpaceX frühere Planungen angepasst und Starlink-Starts von Falcon 9 aus Florida zurückgefahren hat. Selbst wenn die aktuellen Termine „nur“ die Falcon-Heavy-Kapazität betreffen, prägt die Starship-Vorbereitung den Tagesplan mit.
Als nächster Schritt im weiteren Jahresverlauf steht neben den beiden Falcon-Heavy-Starts noch ein Test der eigenen Zukunftsfähigkeit an: SpaceX plant, die erste Orbital-Launch-Kampagne der Rakete aus dem eigenen Texas-Testgelände Starbase so bald wie möglich nach diesem Montag. Gelingt dieser Flug, könnte das nach dem Fahrplan den Weg ebnen, die erste operative Florida-Mission der Schwerlastrakete früher zu realisieren. Für Unternehmen und Technikteams in der Region heißt das: Der Startkalender wird nicht nur lauter, sondern auch „betrieblich anspruchsvoller“ – weil Infrastruktur, Personalplanung, Bahn-/Recovery-Prozesse und Sicherheitsfenster zugleich mit neuen Trägerroutinen zusammenkommen. Und wer in diesem Umfeld an Software, Telemetrie-Workflows oder Bodenbetriebsketten arbeitet, bekommt einen deutlichen Hinweis darauf, wie stark sich Raumfahrtbetrieb inzwischen an wiederholte, robuste Prozesse statt an Einmalereignisse anlehnt.
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