Ein Stablecoin soll langweilig sein. Ein Token, ein Dollar, an jedem einzelnen Tag. Genau diese Langeweile ist inzwischen rund 313 Milliarden US-Dollar schwer. Zwei Coins teilen sich davon 82 Prozent: Tether (USDT) und USD Coin (USDC). Auf Stablecoins in Euro entfallen gerade einmal 0,29 Prozent.
Wir haben die Tageskurse der wichtigsten Stablecoins aus den vergangenen zwölf Monaten ausgewertet und nachgerechnet, wie gut das Versprechen „1 zu 1“ tatsächlich hält. Und warum ausgerechnet KI-Agenten und Krypto-Plattformen darauf setzen.
Was ist ein Stablecoin?
Ein Stablecoin ist ein Krypto-Token, dessen Wert an eine stabile Größe gekoppelt ist. Fast immer ist das der US-Dollar, seltener der Euro oder Gold. Anders als bei Bitcoin bildet sich der Preis nicht frei am Markt. Ein Mechanismus im Hintergrund sorgt dafür, dass ein Token möglichst genau einen Dollar wert bleibt.
Drei Modelle haben sich herausgebildet:
- Fiat-gedeckt: Für jeden Token liegt ein Dollar oder Euro beim Emittenten, meist als Bankguthaben und kurzlaufende US-Staatsanleihen. So funktionieren USDT, USDC, EURC und PayPal USD.
- Krypto-gedeckt: Der Token ist mit anderen Kryptowerten überbesichert. Wer DAI im Wert von 100 Dollar erzeugen will, muss deutlich mehr als 100 Dollar in Ether oder anderen Assets hinterlegen. DAI und sein Nachfolger USDS gehören in diese Gruppe, ebenso USDe von Ethena mit einer eigenen Variante aus abgesicherten Derivatepositionen.
- Algorithmisch: Hier soll allein Code den Kurs halten, meist mit Hilfe eines zweiten Tokens. Seit dem Zusammenbruch von TerraUSD im Mai 2022 gilt dieses Modell als gescheitert.
Die wichtigsten Stablecoins im Vergleich
Die folgende Tabelle zeigt die größten Dollar-Stablecoins und den wichtigsten Euro-Stablecoin, Stand Ende September 2026. Die Umlaufmengen stammen von DefiLlama, der Marktanteil bezieht sich auf alle Stablecoins zusammen.
| Stablecoin | Emittent | Deckung | Umlauf (Sept. 2026) | Marktanteil | Status in der EU (MiCA) |
| USDT | Tether | Fiat-Reserven | 183,7 Mrd. $ | 58,4 % | nicht zugelassen |
| USDC | Circle | Fiat-Reserven | 75,2 Mrd. $ | 23,9 % | zugelassen (Frankreich) |
| USDS | Sky | Krypto | 6,7 Mrd. $ | 2,1 % | nicht zugelassen |
| USDe | Ethena | Krypto und Derivate | 4,9 Mrd. $ | 1,6 % | nicht zugelassen |
| DAI | Sky | Krypto | 4,8 Mrd. $ | 1,5 % | nicht zugelassen |
| PYUSD | Paxos für PayPal | Fiat-Reserven | 2,7 Mrd. $ | 0,9 % | nicht zugelassen |
| EURC | Circle | Fiat-Reserven (Euro) | 0,45 Mrd. € | 0,2 % | zugelassen (Frankreich) |
Für die Praxis zählt oft weniger der Name als das Netzwerk, auf dem ein Coin liegt. Gut die Hälfte aller USDT (50,3 Prozent) läuft über Tron, knapp 40 Prozent über Ethereum. Bei USDC ist es umgekehrt: 61,8 Prozent liegen auf Ethereum, der Rest verteilt sich vor allem auf Hyperliquid, Solana und Base.
Der Grund für die Tron-Vorliebe von USDT ist banal. Überweisungen dort sind in der Regel deutlich günstiger als auf Ethereum. Ein Krypto-Casino wie BetFury nimmt USDT deshalb gleich in mehreren Netzwerken an. Wer einzahlt, sollte vor allem prüfen, dass Sende- und Empfangsnetz übereinstimmen, denn eine Überweisung ins falsche Netz ist im schlimmsten Fall verloren.
Wie stabil sind Stablecoins wirklich? Unsere Auswertung
Für diese Analyse haben wir die Tageskurse von fünf Dollar-Stablecoins zwischen dem 28. September 2025 und dem 28. September 2026 ausgewertet. Gemessen wurden der tiefste und der höchste Tageskurs, die durchschnittliche Abweichung vom Zielwert 1,00 Dollar und die Zahl der Tage, an denen der Kurs um mehr als 0,5 Prozent danebenlag.
| Stablecoin | Tiefster Tageskurs | Höchster Tageskurs | Ø Abweichung von 1,00 $ | Tage mit mehr als 0,5 % Abweichung |
| USDT | 0,9979 $ (04.02.2026) | 1,0035 $ (10.10.2025) | 0,054 % | 0 |
| USDC | 0,9988 $ (10.12.2025) | 1,0011 $ (16.01.2026) | 0,019 % | 0 |
| DAI | 0,9976 $ (10.04.2026) | 1,0025 $ (12.04.2026) | 0,037 % | 0 |
| USDS | 0,9979 $ (20.01.2026) | 1,0012 $ (10.10.2025) | 0,028 % | 0 |
| USDe | 0,9838 $ (01.02.2026) | 1,0041 $ (03.12.2025) | 0,078 % | 2 |
USDC war im Beobachtungszeitraum der ruhigste Coin. Die durchschnittliche Abweichung von 0,019 Prozent entspricht bei 1.000 Dollar weniger als 20 Cent. USDT lag im Schnitt fast dreimal so weit vom Zielwert entfernt, bewegt sich damit aber immer noch im Promillebereich. Sein höchster Kurs von 1,0035 Dollar fällt auf den 10. Oktober 2025, den Tag der großen Liquidationswelle am Kryptomarkt, als Händler kurzfristig massenhaft in Stablecoins flüchteten.
Auffällig ist USDe. Als einziger Coin im Vergleich lag er an zwei Tagen um mehr als 0,5 Prozent daneben, das Tief von 0,9838 Dollar vom 1. Februar 2026 fällt in dieselbe Woche wie der stärkste Bitcoin-Einbruch des Jahres. Das passt zum Modell: Wer seine Stabilität aus Derivatepositionen bezieht, spürt Marktstress früher als ein Coin, hinter dem schlicht Staatsanleihen liegen.
Dass ein Stablecoin auch richtig ins Rutschen kommen kann, zeigt die Geschichte. TerraUSD brach im Mai 2022 binnen Tagen fast auf null ein. USDC fiel im März 2023 kurzzeitig auf rund 0,87 Dollar, weil ein Teil der Reserven bei der zusammengebrochenen Silicon Valley Bank lag. Nach wenigen Tagen war der Kurs wieder bei einem Dollar, als klar wurde, dass die Einlagen gesichert sind.
Stablecoin gegen Bitcoin: Was ein Tag Kursbewegung kostet
Wie groß der Unterschied zu einer normalen Kryptowährung ist, zeigt derselbe Zeitraum für Bitcoin. Im Schnitt bewegte sich der Kurs um 1,63 Prozent pro Tag. An 56 von 364 Tagen waren es mehr als drei Prozent, an 15 Tagen mehr als fünf. Der schlechteste Tag, der 21. November 2025, kostete 10,6 Prozent. Vom Rekordhoch bei 124.554 Dollar am 7. Oktober 2025 bis zum Tief am 1. Juli 2026 verlor Bitcoin 53 Prozent.
Übersetzt in einen Alltagsbetrag heißt das: Wer 100 Dollar in Bitcoin parkt und eine Woche nicht hinsieht, findet in gut jeder dritten Woche mehr als fünf Dollar Unterschied vor, nach oben oder nach unten. In USDT hätte dieselbe Summe im ganzen Jahr nie mehr als 21 Cent eingebüßt.
Genau deshalb nutzen Trader Stablecoins als Parkplatz zwischen zwei Positionen, und deshalb rechnen viele Krypto-Anwendungen intern in Dollar-Token. Ein gutes Beispiel ist Glücksspiel mit Kryptowährungen. Wer bei BetFury spielt, kann direkt in USDT einzahlen. Ob ein Einsatz gewinnt, entscheidet dann das Spiel und nicht die Frage, wo der Bitcoin-Kurs zwischen Einzahlung und Auszahlung steht. Dazu kommt eine zweite Kontrollebene: BetFury lässt jede Runde im Nachhinein über einen Hash-Wert überprüfen („Provably Fair“), und zwar bei allen Spielen.
Ähnlich funktioniert es bei Überweisungen ins Ausland oder bei Freelancern, die sich in USDC bezahlen lassen. Der Betrag, der verschickt wird, ist auch der Betrag, der ankommt.
MiCA: Warum USDT von EU-Börsen verschwindet
In der EU gilt seit dem 30. Juni 2024 die Kryptoverordnung MiCA für Stablecoins, seit dem 30. Dezember 2024 vollständig. Stablecoins, die an eine einzelne Währung gebunden sind, gelten darin als E-Geld-Token. Ihr Emittent braucht eine Zulassung als E-Geld-Institut oder Bank in einem EU-Staat. Wie die Aufsicht das in Deutschland umsetzt, fasst die MiCAR-Übersicht der BaFin zusammen.
Circle hat diese Zulassung über seine französische Tochter seit dem 1. Juli 2024, sie deckt USDC und EURC ab. Tether hat keinen Antrag gestellt. Die Folge: Coinbase nahm USDT für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum schon im Dezember 2024 aus dem Angebot, Binance und Kraken folgten. Seit dem Ende der Übergangsfrist am 1. Juli 2026 brauchen alle Kryptodienstleister in der EU eine eigene MiCA-Lizenz, und für lizenzierte Anbieter ist USDT tabu.
Verboten ist USDT damit nicht. Wer Tether besitzt, darf ihn behalten, verschicken und auf eigene Faust tauschen. Nur der Weg über regulierte europäische Börsen ist verschlossen.
Euro-Stablecoins: klein, aber mit deutscher Beteiligung
Der Euro spielt im Stablecoin-Markt bislang kaum eine Rolle. Alle Euro-Stablecoins zusammen kommen auf rund 0,8 Milliarden Euro, also etwa 0,9 Milliarden Dollar. Das ist weniger als ein Zweihundertstel des Tether-Umlaufs. Größter Vertreter ist EURC von Circle mit etwa 450 Millionen Euro, gefolgt von EURCV der Société Générale mit rund 190 Millionen.
Aus Deutschland kommt EURAU. Hinter dem Emittenten AllUnity stehen die Deutsche-Bank-Tochter DWS, Flow Traders und Galaxy Digital. Die BaFin erteilte am 1. Juli 2025 die E-Geld-Lizenz, der Token richtet sich allerdings an Unternehmen und nicht an Privatkunden. Größer gedacht ist Qivalis, ein Konsortium europäischer Banken unter Aufsicht der niederländischen Zentralbank, zu dem unter anderem DZ Bank, DekaBank, ING, BNP Paribas und UniCredit gehören. Im Mai 2026 kamen 25 weitere Banken hinzu, der Start eines gemeinsamen Euro-Stablecoins ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant.
KI-Agenten zahlen mit Stablecoins
Eine neue Nutzergruppe hat mit Menschen wenig zu tun. KI-Agenten, also Programme, die selbstständig Aufgaben erledigen, müssen immer öfter für Dinge bezahlen: einen API-Aufruf, einen Datensatz, ein paar Sekunden Rechenzeit. Kreditkarten sind dafür zu teuer und zu langsam, ein Formular kann ein Agent nicht sinnvoll ausfüllen.
Coinbase hat dafür im Mai 2025 das Protokoll x402 vorgestellt. Der Name spielt auf den HTTP-Statuscode 402 „Payment Required“ an, der seit 1997 reserviert war und nie genutzt wurde. Verlangt ein Server Geld, antwortet er mit 402, der Agent zahlt in Stablecoins und bekommt die Ressource. Bis zum 21. April 2026 liefen laut Coinbase 165 Millionen Transaktionen über x402, mit einem Volumen von rund 50 Millionen Dollar und etwa 69.000 aktiven Agenten. Der Durchschnittsbetrag lag bei rund 30 Cent, bezahlt wurde überwiegend in USDC auf dem Netzwerk Base.
Die Zahlen sollte man nicht überbewerten. Unabhängige Auswertungen schätzen, dass etwa die Hälfte der frühen Transaktionen Tests und Bot-Aktivität waren. Die Richtung ist trotzdem klar: Das Protokoll liegt inzwischen bei der Linux Foundation, und auch Googles Zahlungsstandard AP2 für Agenten unterstützt Stablecoins. Für eine Maschine ist ein Dollar-Token schlicht die einfachste Währung, weil sie in festen Beträgen planen kann und niemand auf Banköffnungszeiten warten muss.
Risiken, die bleiben
Stabil heißt nicht risikofrei. Bei fiat-gedeckten Coins hängt alles am Emittenten und an der Frage, ob die Reserven wirklich vollständig und jederzeit verfügbar sind. Tether veröffentlicht dazu regelmäßige Bestätigungen einer Prüfungsgesellschaft, eine vollständige Jahresabschlussprüfung im klassischen Sinn ist das aber nicht.
Hinzu kommt die Kontrolle. Tether und Circle können einzelne Adressen sperren und die Guthaben darauf einfrieren, was bei Betrugsfällen hilft, im Einzelfall aber auch Unbeteiligte treffen kann. Krypto-gedeckte Modelle umgehen dieses Problem, holen sich dafür aber das Risiko der hinterlegten Kryptowerte ins Haus. Und schließlich die Regulierung: Wie der Fall USDT in der EU zeigt, kann ein Coin von heute auf morgen von großen Plattformen verschwinden, ohne dass sich an seinem Kurs etwas ändert.
So haben wir gerechnet
Grundlage der Auswertung sind die täglichen Kurs- und Umlaufdaten von DefiLlama, abgerufen am 28. September 2026. Für die Stablecoins haben wir den Zeitraum vom 28. September 2025 bis zum 28. September 2026 betrachtet (365 Tageswerte je Coin), für Bitcoin die täglichen Schlusskurse im selben Zeitraum. Die durchschnittliche Abweichung ist der Mittelwert der absoluten Differenz zum Zielwert 1,00 Dollar. EURC haben wir in der Stabilitätsauswertung bewusst weggelassen: Der Referenzkurs der EZB wird zu einer anderen Uhrzeit festgestellt als der Tageskurs des Tokens, der Vergleich würde Schwankungen des Wechselkurses fälschlich dem Coin zuschreiben.
Häufige Fragen
Welche Stablecoins gibt es?
Die größten sind USDT (Tether) und USDC (Circle), gefolgt von USDS, USDe, DAI und PayPal USD. In Euro gibt es unter anderem EURC, EURCV und EURAU. Auf DefiLlama sind mehrere hundert Stablecoins gelistet, die meisten davon sind aber sehr klein.
Ist Bitcoin ein Stablecoin?
Nein. Bitcoin hat keinen festen Gegenwert und keinen Mechanismus, der den Kurs stabil hält. In den vergangenen zwölf Monaten schwankte er zwischen rund 58.500 und 124.500 Dollar.
Was ist der beste Stablecoin?
Das hängt vom Zweck ab. In unserer Auswertung war USDC der ruhigste Coin und ist in der EU zugelassen. USDT hat die größte Verbreitung, vor allem im Tron-Netzwerk. Wer in Euro rechnen will, landet derzeit meist bei EURC.
Sind Stablecoins in Deutschland erlaubt?
Ja. Besitz und Nutzung sind erlaubt. Regulierte Anbieter in der EU dürfen aber nur Stablecoins anbieten, deren Emittent eine Zulassung nach MiCA hat. USDT gehört derzeit nicht dazu.
Muss man Stablecoins versteuern?
Stablecoins werden in Deutschland steuerlich wie andere Kryptowerte behandelt. Relevant wird es vor allem beim Tausch: Wer etwa Bitcoin innerhalb eines Jahres nach dem Kauf in USDT tauscht, realisiert einen möglichen Gewinn. Für private Veräußerungsgeschäfte gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr. Im Einzelfall hilft nur ein Steuerberater.
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