GERMERING / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Startup-School-Cup startet mit rund 3600 Schülern aus 144 Klassen in das Schuljahr 2026/27. Das Projekt begann 2022 in Germering und ist inzwischen in fünf Regierungsbezirken präsent. Schüler der neunten und zehnten Klasse entwickeln dabei in Teams eigene Geschäftsideen und Businesspläne. Jede Klasse wird von einem ehrenamtlichen Coach aus der regionalen Wirtschaft begleitet.

Der Startup-School-Cup hat sich von einem lokalen Bildungsprojekt in Germering zu einem landesweit ausbaubaren Format entwickelt: Für das Schuljahr 2026/27 gehen rund 3600 Schüler aus 144 Klassen an 35 weiterführenden Schulen in die nächste Runde. Damit wächst das Programm nicht nur in der Fläche, sondern auch in der organisatorischen Tiefe, denn jede Klasse erhält einen eigenen ehrenamtlichen Coach, meist aus dem Umfeld von Unternehmern und Führungskräften. Für Schulen bedeutet das vor allem eines: Unterricht wird punktuell um eine realitätsnahe Arbeitsform ergänzt, in der Teamarbeit, Budgetdenken und Präsentationskompetenz zusammenkommen.
Bemerkenswert ist die Wachstumsdynamik seit dem Start 2022. In der Darstellung der beteiligten Stiftung wird betont, dass sich die Zahl der teilnehmenden Schulen jedes Jahr verdoppelt hat. Gleichzeitig bleibt das Ziel klar umrissen: langfristig sollen 300 der rund 450 bayerischen Gymnasien in den Wettbewerb einbezogen werden. Pädagogisch lässt sich diese Zielsetzung als Skalierungslogik interpretieren, bei der ein wiederholbares Vorgehensmodell etabliert wird – mit standardisierten Strukturen für Coach-Begleitung, Pitch-Formate und Juryrunden, die auf Klassen-, Schul- und Regionalebene stattfinden.
Technisch betrachtet steht im Kern weniger eine einzelne Methode als vielmehr eine durchgängige Lernpipeline über mehrere Phasen hinweg. Schüler der neunten und zehnten Klasse arbeiten in kleinen Teams an eigenen Geschäftsideen, entwickeln daraus Geschäftsmodelle und verdichten diese in Businesspläne. Erst danach folgt die Außenprüfung im Pitch-Kontext: Die Präsentationen werden durch Jurys aus der Wirtschaft bewertet, wodurch das Format eine zweite Feedbackschicht liefert – nach dem internen Überarbeiten in den Teams. Dass der Wettbewerb auf direkten Kontakt zur Wirtschaft setzt, zielt dabei auf ein praxisnahes Verständnis von Annahmen und Risiken: Jugendliche sollen Konzepte nicht nur erfinden, sondern sie kritisch prüfen, kalkulieren und so aufbereiten, dass eine überzeugende Argumentation entsteht.
Hinter dem Konzept steckt zudem eine konkrete Organisationsstruktur. Getragen wird der Startup-School-Cup heute vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Germering, von der IHK und von der Stiftung Digitale Bildung. Die Organisation erfolgt weitgehend ehrenamtlich und wird von Schulen sowie Unternehmen unterstützt. Damit ähnelt das Modell in seiner Funktionsweise anderen erfolgreichen Ökosystem-Programmen: Es verteilt Aufwand auf viele Schultern, nutzt Multiplikatoren vor Ort und bindet die regionalen Akteure so ein, dass nicht jede Schule das Rad neu erfinden muss. Im Unterschied zu rein digitalen Kursangeboten wirkt der Wettbewerb vor allem dort, wo persönliche Mentoring-Zeit und gemeinsames Entwickeln möglich sind.
Die Stiftung Digitale Bildung ordnet das Vorhaben in ihren Zielrahmen ein, junge Menschen auf die Herausforderungen einer zunehmend digitalisierten und globalisierten Welt vorzubereiten. 2019 gegründet, will sie insbesondere technisch-digitale Kompetenzen fördern und den Lehr- und Lernerfolg an öffentlichen Schulen verbessern. Beim Startup-School-Cup wird dieser Anspruch jedoch auf eine unternehmerische Praxis übersetzt: Das Format belässt es nicht bei der Ideengenerierung, sondern zwingt Teams zu einer systematischen Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Annahmen. Genau dadurch entsteht eine Lernwirkung, die weit über Entrepreneurship-Theorie hinausgeht, weil Schülerinnen und Schüler in der Rolle von Gründerteams argumentieren, Annahmen quantifizieren und ihre Entscheidungen im Pitch begründen.
Inzwischen ist das Wettbewerbskonzept neben Oberbayern auch in Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie Schwaben vertreten – und damit in mehreren Landesteilen gleichzeitig. Für die nächste Wachstumsphase wird in der Darstellung auch eine klare Richtung ausgegeben: Der Startup-School-Cup soll langfristig deutlich wachsen und perspektivisch einen großen Teil der Gymnasien im Freistaat erreichen. Aus Branchensicht zeigt sich hier ein typischer Weg, Bildung in ein skalierbares Veranstaltungs- und Mentoring-Design zu überführen: Man baut zunächst in einer Region ein tragfähiges Netzwerk auf, standardisiert dann die Umsetzung und erweitert schließlich die regionale Coach- und Jury-Landschaft. Für die involvierten Unternehmen ist das zugleich ein frühes Signal der Nachwuchsförderung – nicht als abstrakte „Talentpipeline“, sondern als konkrete Begegnung mit Denk- und Präsentationsfähigkeiten.
Für Schulleitungen und Lehrkräfte stellt sich damit die Frage, wie sich die Teilnahme in den Schulalltag integrieren lässt, ohne Projekte zu „Add-ons“ zu machen. Die Beschreibung des Startup-School-Cups legt nahe, dass die Umsetzung durch das Teamformat und die ehrenamtliche Coach-Begleitung strukturell unterstützt wird: Jede Klasse arbeitet kontinuierlich an der Geschäftsidee, bekommt regelmäßige Rückkopplung und landet am Ende bei klaren Präsentationsanlässen. Wenn das Ziel von 300 Gymnasien tatsächlich erreicht werden soll, wird die Qualität vor allem von zwei Faktoren abhängen: der Verfügbarkeit passender Coaches in jeder Region und der Fähigkeit, Business- und Pitch-Anforderungen so zu moderieren, dass unterschiedliche Leistungsniveaus profitieren. Kurz gesagt: Der Wettbewerb verbindet unternehmerisches Denken mit einem wiederholbaren Organisationsprinzip – und genau darin liegt die Chance, dass aus lokalen Startpunkten eine nachhaltige Bildungsbewegung wird.
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