LONDON (IT BOLTWISE) – Strive hat zwischen dem 17. und 21. August 1.110 Bitcoin für rund 81,5 Millionen US-Dollar gekauft. Das entspricht einem Plus von 5,5% beim Bitcoin-Bestand, aber der von der Firma definierte Wert pro assumed diluted share steigt nur um 1,3% auf 22.976 Satoshis. Der Grund liegt weniger im Timing als in der Finanzierung: Strive erhöht parallel die Basis aus Stamm- und Vorzugsaktien. Damit bleibt offen, ob die Treasury-Strategie für Stammaktionäre wirklich Wert schafft.

Strive, Inc. hat seine Bitcoin-Treasury während einer kurzen Kaufphase sichtbar ausgebaut: Zwischen dem 17. und 21. August erwarb das Unternehmen 1.110 Bitcoin für insgesamt etwa 81,5 Millionen US-Dollar. Der berichtete Durchschnittspreis lag bei 73.409 US-Dollar pro Coin, inklusive Gebühren und Ausgaben. In der Bilanzwirkung ist das vorerst ein klares Zeichen von Kursdisziplin: Der Bitcoin-Bestand stieg von 20.246 Bitcoin auf 21.356, also um 5,5%. Gleichzeitig zeigt die zweite Kennzahl, warum sich hinter jeder solchen Akquisition die Finanzierungsseite nicht ausblenden lässt.
Der scheinbar kleine Zuwachs bei der pro-Aktie-Kennzahl ist der zentrale Punkt der Meldung: Strive erhöhte Bitcoin pro assumed diluted share von rund 22.671 Satoshis auf 22.976 Satoshis, entsprechend 1,3%. Der Begriff „assumed diluted share“ ist dabei unternehmensdefiniert und macht deutlich, dass die Bewertung nicht nur auf dem aktuellen Aktienstand basiert, sondern auf einer angenäherten verwässerten Basis. Parallel dazu wuchs diese Basis von etwa 89,3 Millionen auf 92,9 Millionen assumed fully diluted shares. Dabei werden 26,6 Millionen Aktien, die aus traditionellen Warrants resultieren, im Nenner zunächst nicht berücksichtigt. Genau diese Methodik beeinflusst, wie der Markt die Wertschaffung interpretiert.
Technisch betrachtet hängt der Effekt aus Sicht der Stammaktionäre an zwei Fragen: Wieviel Bitcoin wurde netto hinzugekauft – und wie stark hat die Kapitalaufnahme diese Bewertung „überlagert“. Strive ordnet den Kaufzeitpunkt über die Differenz zwischen eigener Durchschnittskostenbasis und Marktpreis ein: Die neu erworbenen Coins wurden laut Angaben zu einem Preis unter dem späteren Markt, während Bitcoin in US-Spot-Märkten Ende August nahe 78.900 US-Dollar gehandelt wurde. Das liegt etwa 7,5% über dem durchschnittlichen Kaufpreis von 73.409 US-Dollar. Rechnet man nur diese Spanne, liegt ein Wertzuwachs auf der neu hinzugekommenen Position nahe. Aber die Rechnung für Stammaktionäre ist komplexer, sobald gleichzeitig neues Kapital in Form von Aktien entsteht.
Das Unternehmen berichtet zudem, dass die Liquidität trotz der Bitcoin-Transaktion stieg: Am 21. August verfügte Strive über 171,9 Millionen US-Dollar an Cash und Cash Equivalents, etwa 17,1 Millionen US-Dollar mehr als eine Woche zuvor. Diese Erhöhung trotz Abschluss des Bitcoin-Kaufs deutet darauf hin, dass parallel entweder operatives Cash-Management oder weitere Kapitalzuflüsse zur Verfügung standen. Der Bericht nennt auch Emissionen von Cash-äquivalent-nahem Kapital (common sowie preferred stock). Für die operative Fortführung ist das wichtig, weil es die Option eröffnet, weitere Akquisitionen zu tätigen oder die laufenden Unternehmensausgaben zu decken, ohne direkt gezwungen zu sein, bei ungünstigen Marktbewegungen zu verkaufen.
Der „Bear Case“ adressiert aber genau das Spannungsfeld: Ein Teil des Schlagworts „mehr Bitcoin“ verschwindet rechnerisch in einer größeren Kapitalbasis. Strive erhöhte die Class-A-Anzahl um 3.646.300 Stück (4,8%) auf rund 79,9 Millionen. Zusätzlich wurden 441.313 SATA-perpetual-preferred-shares ausgegeben; diese Vorzugsserie wuchs um 5,6%. Für die wirtschaftliche Last ist dabei besonders relevant, dass diese neuen Vorzugsaktien mindestens 44,1 Millionen US-Dollar an zusätzlicher Senior-Liquidation-Preference und bei einem aktuellen 13%-Satz rund 5,7 Millionen US-Dollar jährlicher Dividenden repräsentieren. In der unternehmensdefinierten assumed diluted share Logik sind diese Vorzugsanteile im Nenner nicht enthalten, was die Kennzahlen für Stammaktionäre kurzfristig unterschiedlich darstellen kann.
Für Anleger folgt daraus eine einfache, aber oft unterschätzte Wertungsfrage: Entscheidend ist nicht nur, ob das Asset steigt, sondern ob die Finanzierungskosten und die Kapitalverteilung die Effekte überwiegen. Strive selbst formuliert den Gedanken sinngemäß: Es reicht nicht, die Gesamtmenge an Bitcoin zu erhöhen; Wert entsteht für gemeinsame Aktionäre erst dann, wenn die erworbenen Assets und das verbleibende Kapital die Effekte aus common dilution, den Vorzugsansprüchen, Verbindlichkeiten und Finanzierungskosten übertreffen. In der aktuellen Konstellation sieht man genau das Missverhältnis zwischen 5,5% mehr Bitcoin-Bestand und lediglich 1,3% Wachstum pro assumed diluted share. Das ist kein automatisches „Fehlverhalten“ des Treasury-Ansatzes – aber ein Signal, dass die Kapitalstrukturänderungen den pro-Aktie-Überschuss stark dämpfen.
Auch der Hinweis auf traditionelle Warrants macht den Bewertungsrahmen noch dynamischer: Diese Warrants werden im angenommenen verwässerten Nenner ausgeschlossen, obwohl eine spätere Ausübung die Zahl der Common Shares erhöhen würde, die sich den Bitcoin-Treasury-Anteil teilen. Damit kann die Kennzahl „Bitcoin pro assumed diluted share“ in späteren Verwässerungsrunden weiter unter Druck geraten, selbst wenn das Treasury langfristig wächst. Für den Markt zählt deshalb weniger die absolute Kaufzahl als die Kombination aus Kauftempo, Kapitalzufluss, Anteilsklassen und Laufzeit der Finanzierung. Die nächste entscheidende Beobachtung wird sein, ob Strive weitere Bitcoin-Aufstockungen gelingt, ohne dass sich die Bewertungslogik der pro-Aktie-Kennzahlen dauerhaft so stark verschiebt, dass der Nutzen für Stammaktionäre jeweils nur begrenzt sichtbar wird.
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