LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass Veteranen nicht häufiger als die Allgemeinbevölkerung politische Gewalt unterstützen. Trotz ihrer militärischen Ausbildung sind extremistische Einstellungen unter Veteranen selten. Die Untersuchung beleuchtet die Rolle von Militärdienst und Kampferfahrung in Bezug auf politische Gewalt und Extremismus. Die Ergebnisse könnten wichtige Implikationen für Präventionsmaßnahmen haben.

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Injury Epidemiology, untersucht die Verbindung zwischen Militärdienst, Kampferfahrung und der Unterstützung politischer Gewalt. Die Ergebnisse zeigen, dass Veteranen nicht häufiger als die Allgemeinbevölkerung extremistische Ansichten vertreten oder politische Gewalt unterstützen. Dies widerspricht der Annahme, dass militärische Ausbildung und Kampferfahrung automatisch zu einer höheren Anfälligkeit für Extremismus führen.
Die Studie wurde von Elizabeth A. Tomsich, einer Forscherin am Zentrum für Gewaltprävention der UC Davis, geleitet. Sie erklärt, dass die Ereignisse des 6. Januar 2021 in den USA Fragen aufwarfen, ob Personen mit militärischem Hintergrund überproportional an politischer Gewalt beteiligt sind. Obwohl Berichte darauf hindeuteten, dass Veteranen unter den Angeklagten überrepräsentiert waren, fehlte es an umfassender Forschung zu den Zusammenhängen zwischen Militärdienst und der Bereitschaft, sich an politischer Gewalt zu beteiligen.
Einige Experten vermuten, dass psychologische Prozesse, die während der militärischen Ausbildung stattfinden, wie die Desensibilisierung gegenüber Gewalt und eine starke Gruppensolidarität, einige Veteranen anfällig für extremistische Rekrutierung machen könnten. Gleichzeitig könnte der Verlust von Gemeinschaft und Zweck während des Übergangs ins zivile Leben einige Individuen in radikale Organisationen treiben. Frühere Umfragen zur Unterstützung politischer Gewalt unter Veteranen lieferten jedoch gemischte und teils widersprüchliche Ergebnisse.
Die Forscher wollten klären, ob Militärdienst oder Kampferfahrung als weit verbreitete Risikofaktoren für die Unterstützung politischer Gewalt oder extremistischer Organisationen wirken. Sie analysierten Daten aus der Life in America Survey 2022, einer Online-Umfrage mit 12.947 erwachsenen Teilnehmern, darunter 2.255 Personen mit militärischem Hintergrund. Die Ergebnisse zeigten, dass Veteranen in vielen Ansichten mit der Allgemeinbevölkerung übereinstimmen und nicht signifikant häufiger extremistische Ansichten vertreten.
Interessanterweise waren militärische Befragte etwas eher bereit, Gewalt zur Selbstverteidigung zu rechtfertigen oder um andere vor Schaden zu bewahren. Zudem waren sie eher bereit, in hypothetischen Situationen, in denen politische Gewalt als gerechtfertigt angesehen wird, bewaffnet zu sein. Dennoch fanden die Forscher keine Unterschiede in der tatsächlichen Bereitschaft, jemanden mit einer Waffe zu bedrohen oder zu erschießen.
In Bezug auf extremistische Organisationen zeigten militärische Befragte eine leicht höhere Zustimmung zu den Oath Keepers, einer anti-regierungsnahen Organisation, die aktiv aktuelle und ehemalige Militärangehörige rekrutiert. Abgesehen von dieser spezifischen Gruppe fanden die Wissenschaftler keine weiteren Unterschiede in der Zustimmung zu rechtsextremen Bewegungen. Eine ergänzende Analyse ergab zudem, dass Kampferfahrung die Unterstützung politischer Gewalt unter den Militärangehörigen nicht erhöhte.
Die Studie hebt hervor, dass die Bedenken über weit verbreitete extremistische Einstellungen unter Veteranen möglicherweise übertrieben sind. Dennoch könnten diejenigen mit militärischer Erfahrung, die in extremistische Gewalt verwickelt sind, aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung eine besondere Bedrohung darstellen. Dies unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschung, um gefährdete Untergruppen zu identifizieren und gezielte Präventions- und Aufklärungsmaßnahmen zu entwickeln.
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