LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass Frauen in den USA mit engen weiblichen Freundinnen deutlich seltener über Sex sprechen, als sie es sich wünschen. Obwohl die Gespräche als hilfreich gelten, erwarten viele negative Reaktionen wie Unbehagen oder Bewertung. Besonders häufig werden Themen zu sexueller Gesundheit zwar besprochen, spezifische Handlungen bleiben dagegen oft tabu. Die Daten liefern konkrete Hinweise darauf, wie soziale Normen und Scham das Gesprächsverhalten in Freundschaften formen.

Dass Sexualität ein persönliches Thema ist, überrascht wenig. Neu ist jedoch der genaue Blick darauf, wie stark soziale Regeln in Freundschaften wirken: Eine Studie, publiziert im The Journal of Sex Research, untersucht die Kommunikation von Frauen mit engen weiblichen Freundinnen in den USA und zeigt eine deutliche Lücke zwischen dem, was sich Frauen wünschen, und dem, was tatsächlich stattfindet. Konkret berichtet ein großer Teil der Befragten, dass sie über viele sexbezogene Themen mit ihren Freundinnen nur selten sprechen – selbst wenn diese Gespräche grundsätzlich als unterstützend gelten.
Im Zentrum steht der Begriff „Peer sexual communication“: Gespräche im Freundeskreis über sexualitätsbezogene Fragen, von Verhütung und sexuell übertragbaren Infektionen bis hin zu Fantasien, Beziehungsschwierigkeiten und dem, was man als angenehm empfindet. Für viele Frauen sind enge Freundinnen ein zentraler Gesprächspartner, weil die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass eine Unterhaltung als romantische Abweisung erlebt wird. Gleichzeitig funktionieren solche Gespräche nicht im luftleeren Raum. Laut Studie werden sie durch nicht schriftlich festgelegte soziale Normen gesteuert – also durch Erwartungen, welche Themen akzeptiert sind und welche man besser meidet. Dabei zeigt sich ein besonders widersprüchlicher Erwartungsmix: Sexualität wird einerseits als Handlungsspielraum wahrgenommen, andererseits aber bleibt Offenheit für Frauen oft mit dem Risiko von Stigmatisierung verbunden.
Die Forschung erklärt diese Spannung auch technisch über die Unterscheidung von wahrgenommenen und tatsächlich geteilten Normen. Wahrgenommene Normen beschreiben, was eine Person über das Verhalten „in der breiten Gruppe“ glaubt; kollektive Normen beziehen sich dagegen auf die realen Muster innerhalb eines konkreten sozialen Kreises. Für den Alltag ist das entscheidend: Wenn Frauen davon ausgehen, dass „die anderen“ negative Reaktionen zeigen, wird die eigene Gesprächsbereitschaft schon im Vorfeld begrenzt – unabhängig davon, ob Freundinnen tatsächlich so reagieren würden. Die Studie rahmt diese Mechanik zusätzlich über erwartete soziale Sanktionen (also negative Reaktionen, die man bei Regelverletzung befürchtet) und über „rationales“ Begründungssysteme, warum Gruppen bestimmte Grenzen ziehen. So entsteht ein geschlossenes Regelwerk: Normen werden nicht nur erwartet, sondern auch moralisch oder pragmatisch begründet – und genau diese Logik prägt, welche Themen in der Freundschaft als „zu viel“ gelten.
Methodisch sind die Ergebnisse besonders interessant, weil die Autorinnen und Autoren ihre Messinstrumente vorher angepasst haben. Es gab zwei Pilotstudien über die Online-Plattform Prolific, in denen zunächst typische akzeptierte und tabuierte Themen gesammelt und anschließend in skalierte Fragen überführt wurden. Danach folgte eine größere Hauptstudie: Sie war vorab registriert und untersuchte in November 2025 Frauen in den USA ab 18 Jahren, die mindestens wöchentlich mit mindestens einer weiblichen Freundin sprechen. Aus 625 rekrutierten Teilnehmerinnen wurden Fälle ausgeschlossen, die etwa Aufmerksamkeitstests nicht bestanden, sehr früh fertig waren oder Spam-Links einfügten; übrig blieben 608 Frauen im Alter von 20 bis 77 Jahren (Durchschnitt 45,09). Damit deckt die Erhebung ein breites Spektrum ab – und sie quantifiziert nicht nur „ob“ gesprochen wird, sondern auch Frequenzen, gewünschte Veränderungen sowie erwartete Sanktionen.
Die Messung umfasste 17 sexbezogene Themen, die Frauen sowohl hinsichtlich aktueller Gesprächshäufigkeit als auch hinsichtlich gewünschter Häufigkeit bewerteten. Insgesamt lagen die tatsächlichen Werte deutlich niedriger: Der übergreifende Mittelwert für die aktuelle Kommunikation betrug 1,82 auf einer Skala von 1 bis 4. Gleichzeitig lag der Wunschwert bei 2,77. Besonders häufig wurden nach den Angaben Verhütungsfragen (von 65,7 % genannt) sowie Themen wie „wie oft sie Sex haben“ (67,5 %) und „Sex, der gut war“ (65,5 %) besprochen. Am unteren Ende der Rangliste standen dagegen analer Sex (26,6 %), Pornografie (31,0 %), Masturbation (33,0 %) und sexuell übertragbare Infektionen (35,3 %). Auffällig ist dabei weniger ein generelles Schweigen, sondern die Verschiebung: Viele Gespräche bleiben bei gesundheitlichen und emotional beruhigenden Aspekten, während konkrete Handlungen, explizite Details oder Inhalte, die schnell als „zu intim“ gelesen werden könnten, seltener Thema sind.
Warum hält diese Zurückhaltung an? Die Studie liefert dafür harte Prozentwerte zu erwarteten Konsequenzen: 78,6 % der Teilnehmerinnen erwarteten mindestens eine negative Reaktion ihrer Freundinnen, wenn sie einen sexuellen Themenbereich ansprechen würden, der bisher gemieden wurde. Nur 21,4 % rechneten demnach nicht mit Sanktionen. Am häufigsten wurde genannt, dass sich die Freundin unwohl fühlen würde (60,2 %), gefolgt von der Befürchtung, bewertet zu werden (29,9 %) oder „komisch“ bzw. „eklig“ zu wirken. Auf einer Skala für Begründungen für negative Reaktionen lagen zentrale Muster bei Ekel und expliziter Darstellung, wobei selbst diese Bewertungen eher um den neutralen Punkt herum liegen – was dennoch wichtig ist, weil es zeigt, wie leicht selbst moderate Erwartungen zu einem konsequenten Vermeidungsverhalten führen können. Die Autorinnen und Autoren argumentieren in diesem Kontext mit einem psychologischen Verstärkungseffekt: Wenn ein Thema gemieden wird, bleibt es „viszeral“ unangenehm, weil keine wiederholte Gewöhnung stattfindet.
Auch die qualitativen Antworten deuten auf wiederkehrende Deutungsmuster hin. In einer Inhaltsanalyse der offenen Antworten wurden sechs Themenfelder identifiziert: Tabuisierung, Ekel und Unmoral, Grenzen der Privatsphäre, Angst vor Bewertung, internalisierte Scham sowie Religion und Kultur. Bemerkenswert ist dabei, dass die Studie keine realen früheren Vorfälle von Zurückweisung untersucht, sondern vor allem erwartete Reaktionen. Trotzdem entsteht ein klares Bild: Viele Teilnehmerinnen beschreiben eher Kreislauf-Erklärungen („Sex wird nicht darüber gesprochen, weil es nicht gesagt werden soll“) oder verweisen auf den Schutz der Partnersphäre, etwa wenn die Freundinnen den jeweiligen Partner gut kennen. Gleichzeitig berichten die Daten nicht von konkretem Erleben, sondern von Antizipation – das schafft eine wichtige Handlungslogik für Interventionsansätze, weil Kommunikation hier weniger an tatsächlichen Konflikten zu scheitern scheint, sondern an inneren Modellen darüber, was andere tun könnten.
Ein weiterer Befund betrifft die Rolle von Alter, Religiosität und internalisierter Scham. In den explorativen Analysen lagen die erkennbaren Zusammenhänge insgesamt eher im kleinen bis moderaten Bereich; keine Korrelation überschritt.32. Jüngere Frauen und Frauen, die sich nicht als heterosexuell identifizierten, zeigten kleine bis moderate Assoziationen mit häufigerem Sprechen – sowohl tatsächlich als auch im Wunsch. Religiosität stand zwar schwach mit dem Wunsch nach mehr Kommunikation in Verbindung, aber auch mit stärkerer Zustimmung zu Begründungen, warum Sanktionen gegen Sex-Ansprache plausibel sein könnten. Internalisiertes sexuelles Schamgefühl war dagegen moderat mit der Erwartung von mehr Sanktionen und mit der Unterstützung entsprechender rationaler Begründungen verknüpft. Wichtig ist der methodische Hinweis am Ende der Studie: Weil Befragte ihre Antizipation einschätzten, kann nicht geklärt werden, ob Freundinnen tatsächlich so sanktionieren oder ob Frauen das Risiko überschätzen. Ebenso lässt sich aus Querschnittsdaten nicht sicher ableiten, welche Richtung die Kausalität hat – ob Scham Erwartungen formt oder umgekehrt.
Für Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Beratungsangebote mit Digital- und Kommunikationsexpertise steckt darin eine praktische Botschaft: „Mehr reden“ ist nicht automatisch „besser reden“. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Gesprächsqualität entscheidend bleibt und offene, nicht wertende Kommunikation notwendig ist, um Scham und Stereotype nicht weiter zu verstärken. Gleichzeitig lohnt sich die genaue Zielrichtung: Wenn Gespräche besonders bei spezifischeren oder expliziteren Themen ausbleiben, könnten Formate ansetzen, die erstens die Tabugrenzen reflektieren (Meta-Gespräche) und zweitens modellieren, wie man Zustimmung, Neugier und Grenzen gleichzeitig ausdrücken kann. Der Datensatz begrenzt die Übertragbarkeit auf bestimmte Konstellationen – etwa Freundschaften mit Männern, nicht-binären Peers oder andere kulturelle Kontexte – doch er liefert eine solide Grundlage dafür, soziale Normen als messbaren Faktor von Kommunikation ernst zu nehmen.
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie: Warum Frauen mit engen Freundinnen selten über Sex sprechen" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie: Warum Frauen mit engen Freundinnen selten über Sex sprechen" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie: Warum Frauen mit engen Freundinnen selten über Sex sprechen« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!