WACO, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Tesla hat den zweiten Roadster vorgestellt und ihn technisch eng mit SpaceX-Triebwerkselementen verknüpft. Bei der Präsentation zeigte das Fahrzeug, wie es mit Fans und Triebwerken auf eine Rampe steigt, sich dreht und anschließend auf der Straße landet. Zusätzlich hebt es sich während der Fahrt über andere Tesla-Modelle und beschleunigt 0 auf 60 miles per hour in einer Sekunde. Tesla will den lang verzögerten Wagen 2028 bauen, bleibt aber beim Preis außerhalb der Reservierungsoptionen vage.

Tesla hat den zweiten Roadster nicht nur als Design-Update inszeniert, sondern als demonstratives Testfeld für einen Antrieb, der sich eher nach Luft- und Raumfahrttechnik anfühlt als nach klassischer Sportwagen-Mechanik. Die Präsentation fand bei einem Event außerhalb von Waco in Texas statt. Im Mittelpunkt stand eine Sequenz aus Aufsetzen, Drehen und kontrolliertem Absetzen vom Boden: Das Auto nutzt dabei eine Kombination aus hochleistungsfähigen Fans und Triebwerken, um sich über eine invertierte Rampe zu bewegen und anschließend wieder auf dem Asphalt zu landen. Genau diese Übergänge sind mehr als Show: Sie verdeutlichen, dass die Triebwerkslogik nicht nur für kurze Impulse gedacht ist, sondern für wiederholbare Manöver im Fahrzustand.
Technisch liefert Tesla eine klare Architekturidee: Je nach Ausstattung arbeitet das Fahrzeug mit Kaltgas-Triebwerken, die über einen Druckluftspeicher versorgt werden. Tesla-Engineering-Vize Lars Moravy nannte 10 Triebwerke, die an 600 Liter komprimierte Luft gekoppelt sind, um den Roadster in der Luft zu heben und drehen zu lassen. Die Luft soll sich laut den Angaben des Unternehmens erneut nachladen lassen. Ein weiterer Baustein sind die verbauten Druckbehälter: Tesla verweist auf Carbon Fiber Overwrapped Pressure Vessels (COPVs) und behauptet, dass „every usable void“ im Fahrzeug mit diesen Behältern gefüllt sei. Das ist insofern relevant, als COPVs in der Raumfahrt- und Triebwerkstechnik für hohe Energiedichten stehen, in der Praxis aber auch besondere Anforderungen an Fertigung, Qualitätssicherung und Integrität stellen.
Die Einordnung für den Markt fällt eindeutig auf: Tesla positioniert den Roadster als Halo-Fahrzeug, also als sichtbarstes Aushängeschild, das weniger durch Stückzahlen als durch Aufmerksamkeit wirkt. Elon Musk stellte in diesem Kontext selbst die Frage, ob das Modell „massively“ etwas an der Umsatzwirkung ändert, und gleichzeitig wurde betont, dass die Entwicklung nicht primär unter dem Leitmotiv „Sicherheit“ stehe. Gleichzeitig liefert Tesla konkrete Leistungsversprechen, die über die reine Reichweitenangabe hinausgehen: Alle drei Varianten sollen 300 miles Reichweite bieten und Geschwindigkeiten von mehr als 230 miles per hour erreichen können. Bei der Performance-Variante nennt Tesla 0 bis 60 miles per hour in einer Sekunde und spricht zudem von aktiver Aerodynamik sowie einem „multi-mode suction system“ für Performance „on and off the track“; die Thrust-Variante setzt auf rückseitig montierte Cold-Gas-Triebwerke und wird als „race ready“ beschrieben, während die Rocket-Variante als „air ready“ mit 10 Cold-Gas-Triebwerken um das Fahrzeug herum beworben wird.
Bemerkenswert ist, dass Tesla die drei Trims nicht als reine Marketingstufen behandelt, sondern sie funktional an unterschiedliche Einsatzzwecke koppelt. Performance (zwei Sitze, „road ready“) zielt auf straßentaugliche Performance mit aktiver Aerodynamik ab. Thrust (ebenfalls zwei Sitze, „race ready“) fokussiert auf sehr schnelle Beschleunigung und nennt eine Unter-1-Sekunden-0-zu-60-Forderung, während Rocket (ein Sitz, „air ready“) den stärkeren Luftbetrieb betont. Diese Aufteilung erklärt auch, warum Tesla im Reservierungskontext mit klaren Preissignalen arbeitet: Für die Performance-Variante nimmt Tesla 50.000 US-Dollar nur für die Reservierung; Thrust liegt bei 250.000 US-Dollar, und Rocket wird als „invite only“ bezeichnet. Damit werden Käufer früh in einen sehr spezifischen Erwartungskorridor gedrängt, während Tesla Preisbildung und konkrete Produktkosten noch weitgehend offen lässt.
Der lange Entwicklungs- und Verschiebungsweg bildet wiederum den zweiten Teil der Story. Laut den Angaben des Unternehmens und den begleitenden Aussagen von Musk wurde der zweite Roadster ursprünglich deutlich früher erwartet, später aber wiederholt nach hinten verschoben. Musk sprach zuletzt davon, die Enthüllung weiter nach vorn zu verlagern, und brachte das Thema mehrfach mit taktischen Eventdaten in Verbindung. Auch die Historie des ersten Roadster und die damalige Positionierung als Neuauflage sind in Teslas Kommunikation präsent: Der zweite Roadster wurde im Umfeld anderer Enthüllungen früherer Tesla-Modelle angekündigt und zog dabei eine erste Welle von Reservierungen nach sich, darunter auch Founders Series-Varianten. Für die aktuelle Vermarktung bleibt entscheidend, dass Tesla erst jetzt die Triebwerksmechanik als „road-ready“ und „air-ready“ operationalisiert zeigt und damit die spätere Serienlogik zumindest in Teilen plausibilisiert.
Aus Industriepraxis betrachtet wird damit ein Spannungsfeld sichtbar, das viele Hersteller bei Extremfahrzeugen kennen: Auf der einen Seite geht es um die Demonstration von Machbarkeit, also um reproduzierbare Manöver und die Fähigkeit, sich ohne externe Hilfsmittel in definierte Zustände zu bringen. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie sich die Triebwerksversorgung, die Druckluft- und COPV-Integration sowie die strukturellen Lastpfade über die Lebensdauer und unter realen Straßenbedingungen verhalten. Teslas Roadster-Team versucht diese Lücke über ein ausgefeiltes Systemdesign zu schließen, aber bis zum Produktionsstart 2028 bleibt die Bewertung vor allem indirekt. Gerade deshalb wird die Reservierungsphase für Tesla nicht nur Vertrieb, sondern auch eine Art Signal: Sie zeigt, ob es genügend Nachfrage nach einem Fahrzeug gibt, das sich eher wie ein „hybrides Raumfahrzeug auf Rädern“ inszeniert.
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