HOUSTON, TEXAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der europäische Startup The Exploration Company nutzt Software aus dem Siemens-Xcelerator-Portfolio, um wiederverwendbare Raumfahrzeuge schneller zu entwickeln. Das Unternehmen will damit Konstruktionskomplexität reduzieren und die Abstimmung zwischen Ingenieurteams in einem gemeinsamen Engineering-Umfeld verbessern. Laut Firmenangaben ging die Mission Bikini von der ersten Idee bis zum Flug-Hardware-Stand in nur neun Monaten. Im Mittelpunkt steht ein integrierter Toolchain-Ansatz mit mechanischer Konstruktion, Simulation und Produktlebenszyklus-Management.

Wiederverwendbare Raumfahrt ist längst nicht mehr nur ein Thema für Triebwerksforscher und Start-up-Pitchdecks, sondern vor allem für Teams, die Engineering-Zyklen verkürzen müssen. Genau an dieser Stelle setzt The Exploration Company an: Der europäische Anbieter mit Fokus auf launcher-agnostische Raumfahrzeuge hat nach eigenen Angaben Software aus dem Siemens-Xcelerator-Portfolio ausgewählt, um die Entwicklung seiner Systeme zu beschleunigen und gleichzeitig die Design-Komplexität zu verringern. Das Ziel ist dabei nicht bloß „schneller zeichnen“, sondern weniger Schleifen im Entwicklungsprozess durch bessere Zusammenarbeit und frühere Validierung.
Technisch betrachtet basiert der Ansatz auf einem integrierten Zusammenspiel mehrerer Disziplinen: mechanisches Design, Simulationsarbeiten sowie elektrische Architektur und deren Durchgängigkeit bis hin zum Produktlebenszyklus. Für die mechanische Auslegung kommt Designcenter zum Einsatz, während Simcenter für fortgeschrittene Engineering-Simulation genutzt wird. Für die elektrischen Systeme nennt das Unternehmen Capital zur Erstellung und Validierung von elektrischen Architekturen über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg. Diese elektrische Ebene ist besonders relevant, weil Fehler in Schnittstellen, Verdrahtungslogik oder Interface-Definitionen später oft nicht nur Kosten treiben, sondern auch die Testplanung und Integration zeitlich verschieben.
Im gleichen Atemzug spielt Teamcenter als Rückgrat für Daten und Zusammenarbeit eine zentrale Rolle. Laut Beschreibung entsteht damit ein „connected engineering environment“, in dem mechanische, elektrische und Simulations-Workflows enger gekoppelt sind, statt als getrennte Silos zu laufen. Das wird auch beim Thema Digital Twin deutlich: Durch die integrierte Toolchain soll eine umfassende digitale Abbildung bereits früher in der Entwicklung Validierung ermöglichen. Für ein Unternehmen, das wiederverwendbare Systeme entwickelt, ist dieser Schritt nicht akademisch, denn je früher sich Architektur-Entscheidungen gegen Anforderungen und Annahmen testen lassen, desto kleiner wird die Wahrscheinlichkeit, dass spätere Änderungen nur noch mit hohem Aufwand in Hardware überführt werden können.
Die Aussage zur Geschwindigkeit ist dabei besonders konkret. Daniel Prudente Martins, principal engineer für elektrische Verdrahtungs- und Interface-Systeme bei den Nyx-Avionics, beschreibt den Nutzen einer skalierbaren Engineering-Umgebung. In seinen Worten geht es darum, Prozesse zu verbinden, Nacharbeiten zu reduzieren und die Entwicklung zu beschleunigen; außerdem habe sich die Fertigung beim Hochlauf „streamlinen“ lassen. Für die Mission Bikini, eine orbital demonstrator capsule, nennt Martins eine Zeitspanne: Von der initialen Konzeptphase bis zur Flughardware seien es neun Monate gewesen. Auch wenn Zeitpläne im Raumfahrtumfeld typischerweise stark von Testumfang, Zulieferstrukturen und Iterationsgrad abhängen, verweist die Zahl auf die gewünschte Wirkung des integrierten Toolchains-Ansatzes.
Daneben adressiert Siemens mit seinem Digital-Twin-Argument vor allem die Frage, wie eine „connected digital enterprise“ die Anforderungen künftiger Raumfahrtprogramme besser bedienen kann. Edwin Severijn, senior vice president und general manager für Europe, Middle East und Africa bei Siemens Digital Industries Software, ordnet die Zusammenarbeit als Beispiel ein: Xcelerator und der digitale Zwilling sollen Kunden dabei helfen, Entwicklungen schneller voranzutreiben und gleichzeitig den strengen Bedingungen von Next-Generation-Programmen zu begegnen. Für Stakeholder in Unternehmen bedeutet das übersetzt: Es geht nicht nur um Tools, sondern um die Frage, wie Datenkonsistenz, Modellkopplung und Freigabeprozesse so organisiert werden, dass Teams ohne Medienbrüche arbeiten können.
Für die Markt- und Branchenlogik ist zudem wichtig, dass die Lösungskomponenten die typischen Stationen einer Luft- und Raumfahrt-Entwicklung abdecken. Das betrifft mechanische Konstruktion, Simulation, elektrische Architektur und das Lifecycle-Management. Siemens verweist außerdem darauf, dass der Ansatz Zertifizierungsanforderungen unterstützen kann, die für Programme der Luftfahrtbranche üblich sind. Genau diese Kombination ist für ein Startup entscheidend, das nicht nur ein einzelnes Demonstrator-Programm plant, sondern eine wiederverwendbare Plattform aufbauen möchte, die später skalierbar und wiederholbar entwickelt werden kann. The Exploration Company ist nach eigenen Angaben in mehreren europäischen Ländern präsent, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, sowie in Houston, Texas; diese geografische Streuung erhöht erfahrungsgemäß den Bedarf an klaren Datenflüssen und konsistenten Engineering-Definitionen.
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