BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und steigender Kosten stehen viele Kirchengemeinden vor der Herausforderung, ihre Immobilien neu zu denken. Eine neue Praxishandreichung bietet nun einen strukturierten Fahrplan für die Transformation von Sakralbauten, um gesellschaftliches Engagement und wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu vereinen.

Die Zukunft der kirchlichen Immobilien in Deutschland steht vor einem Wendepunkt. Mit rund 160.000 kirchlichen Gebäuden, von denen 44.469 Sakralbauten eine besondere Herausforderung darstellen, sind Gemeinden gezwungen, neue Wege zu finden, um diese historischen Strukturen zu erhalten und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Eine kürzlich veröffentlichte Praxishandreichung mit dem Titel „Kirche im Prozess“ bietet einen umfassenden Leitfaden, um diesen Wandel zu unterstützen.
Die Dringlichkeit dieser Transformation wird durch die Tatsache unterstrichen, dass nur 13.871 der Sakralbauten als wirtschaftlich unterhaltbar gelten. Da etwa 89 % dieser Gebäude unter Denkmalschutz stehen, sind traditionelle Sanierungskonzepte oft nicht anwendbar. Die neue Initiative, die vom Evangelischen Immobilienverband Deutschland (eid) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Corporate Governance (ICG) und anderen Partnern entwickelt wurde, zielt darauf ab, den gesellschaftlichen Wert kirchlicher Räume messbar zu machen und neue Partnerschaften mit der Immobilienwirtschaft zu fördern.
Der Handlungsleitfaden strukturiert den komplexen Wandel in vier Phasen: Zunächst erfolgt eine umfassende Ermittlung der baulichen Besonderheiten und Stammdaten. Darauf folgt die Erfassung immaterieller Werte und die Entwicklung realistischer Zukunftsszenarien. In der dritten Phase wird eine detaillierte Ankaufsprüfung und Nutzungsplanung aus Sicht von Projektentwicklern durchgeführt. Schließlich werden beide Welten zusammengeführt, um eine tragfähige Entscheidung zu treffen. Diese strukturierte Herangehensweise soll auch Nicht-Fachleuten in den Gemeinden die Sicherheit geben, den Transformationsprozess aktiv zu gestalten.
Jannika Lange, Geschäftsführerin des eid, betont, dass die Transformation kirchlicher Immobilien nicht nur eine bauliche oder wirtschaftliche Aufgabe ist, sondern vor allem ein gesellschaftlicher Prozess. Es bedarf klarer Strukturen und transparenter Entscheidungswege, um Lösungen zu entwickeln, die sowohl den kirchlichen Werten als auch den Anforderungen der Immobilienwirtschaft gerecht werden. Mit innovativen Instrumenten wie einem „Trauerfahrplan“ zur Begleitung emotionaler Abschiede und multikriteriellen Bewertungsverfahren unterstützt die Initiative die Gemeinden dabei, ihre Sakralbauten als Chance für eine lebendige Quartiersentwicklung zu begreifen.
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