LONDON (IT BOLTWISE) – Präsident Trump will den Begriff „Artificial Intelligence“ künftig in „allen relevanten Dokumenten“ durch „Super Intelligence“ ersetzen. Damit setzt er seine Linie fort, die er bereits per Executive Order im September für die US-Regierung angestoßen hat. Zusätzlich kündigte er eine „Super Intelligence Force“ an, die die staatliche Koordination rund um diesen neuen Begriff übernehmen soll. Für Unternehmen und Entwickler wird damit vor allem die sprachliche und dokumentarische Konsistenz zu einem praktischen Thema.

Präsident Trump verschiebt die Debatte über Künstliche Intelligenz nicht über neue technische Leistungswerte, sondern über Sprache: Er hat angekündigt, den Begriff „Artificial Intelligence“ in „allen relevanten Dokumenten“ offiziell zu verbieten und stattdessen „Super Intelligence“ zu verwenden. Der Schritt zielt dabei weniger auf den Inhalt dessen, was gemeint ist, sondern auf die Benennung, die in Behördenpapieren, internen Richtlinien und offenbar auch in der öffentlichen Kommunikation auftauchen soll. In der Praxis trifft das vor allem Teams, die entlang staatlicher Schnittstellen arbeiten – etwa in Beschaffungsprozessen, in regulatorischen Stellungnahmen oder bei Kooperationen mit Bundesbehörden.
Bemerkenswert ist, dass Trump damit an eine frühere Anordnung anknüpft: Im September hatte er per Executive Order das US-Executive-Branch-Umfeld angewiesen, statt „AI“ die Bezeichnung „SI“ (Super Intelligence) zu nutzen. Bereits zuvor hatte er in Beiträgen auf Truth Social die Verwendung des etablierten Begriffs als „inaccurate“ kritisiert und die Bezeichnung „SI“ als „highly accepted“ beziehungsweise „more accurate“ dargestellt. Diese argumentative Linie verbindet zwei Ebenen: Zum einen geht es um die Wortwahl („artificial“ werde als irreführend empfunden), zum anderen um die politische Steuerung der Agenda, indem ein alternativer Begriff als Standardsprache festgelegt wird.
Technisch ist der Effekt auf das eigentliche KI-Engineering zunächst indirekt. Modelle, Datenpipelines und Trainingsverfahren funktionieren unabhängig davon, wie ein Dokument eine Technologie bezeichnet. Doch Sprache bestimmt im Enterprise-Alltag häufig Prozessdetails: Wenn ein Aktenvermerk, ein Pflichtenheft oder eine Vertragsanlage explizit „Super Intelligence“ statt „Künstliche Intelligenz“ fordert, müssen Dokumentvorlagen, Suchbegriffe in Wissensdatenbanken und Formulierungen in Compliance-Workflows angepasst werden. Besonders relevant wird das dort, wo Abhängigkeiten an Textbausteine gekoppelt sind – etwa bei automatisierter Klassifizierung von Angeboten, bei Audit-Logs oder bei der Auswertung von Dokumenten in Archiven.
Die Ankündigung geht über eine reine Terminologieänderung hinaus: Trump hat die Einrichtung einer „Super Intelligence Force“ angekündigt. Als federführende Leitung nennt er den Director of National Intelligence Jay Clayton. Laut seiner Darstellung soll das Gremium die Koordination innerhalb der Bundesverwaltung sicherstellen, damit die USA bei „Super Intelligence“ führend bleiben. Außerdem richtet sich die Aufgabe ausdrücklich auf die Abstimmung mit mehreren Stakeholder-Gruppen, darunter „engagement with Consumers“, Public-Interest-Gruppen, religiöse Organisationen, Critical-Infrastructure-Provider sowie „Super Intelligence Companies“.
Damit wird die Begriffspolitik in eine Organisationsform übersetzt, die perspektivisch auch die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor beeinflussen kann. Unternehmen, die als „Super Intelligence Companies“ adressiert werden sollen, könnten kurzfristig unter Druck geraten, ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit, Produktdokumentation und sogar interne Trainingsunterlagen an die neue Begriffswelt anzupassen. Gleichzeitig bleibt für Entwicklerteams die eigentliche Herausforderung praktisch: Entscheidend ist nicht, ob ein Modell „KI“ oder „SI“ genannt wird, sondern wie genau Schnittstellen, Datenklassifikationen und Projektanträge in den neuen Sprachrahmen passen. Gerade bei öffentlich relevanten Systemen – zum Beispiel dort, wo kritische Infrastrukturbetreiber involviert sind – kann selbst eine semantische Umstellung in der Dokumentation den Aufwand für Abstimmungen erhöhen.
Auch die internationale Dimension deutet der Präsident an. Er verweist darauf, dass er die Umbenennung bereits bei der United Nations General Assembly thematisiert habe, inklusive der Ablehnung eines „globality scheme“ zur Kontrolle dessen, was er als „super intelligence“ beschreibt. Für die Markt- und Branchenwirkung heißt das: Während sich viele Organisationen weiterhin an der gängigen KI-Terminologie ausrichten, könnte in den USA eine parallele Begriffsschicht entstehen, die in internen und externen Dokumenten zu Inkonsistenzen führt. Solche Inkonsistenzen sind selten spektakulär, aber sie wirken im operativen Betrieb oft wie eine zusätzliche Übersetzungsebene – mit entsprechenden Kosten in Zeit und Abstimmung.
Für die nächsten Monate dürfte die wichtigste Frage weniger technischer Natur sein, sondern organisatorisch: Wird „Super Intelligence“ zum verbindlichen Standard in Behördenunterlagen, Vergabebedingungen und Projektformularen, oder bleibt es vor allem eine kommunikative Leitplanke? Klar ist jedenfalls, dass die Ankündigung einen konkreten Umsetzungsrahmen vorgibt: Executive Order, die Umstellung auf SI in Dokumenten sowie die neue „Super Intelligence Force“. Wer als Anbieter, Forschungspartner oder Integrator mit staatlichen Schnittstellen arbeitet, sollte seine Dokumentvorlagen und Such-/Kategorisierungssysteme zeitnah darauf prüfen, ob „Künstliche Intelligenz“ und „Super Intelligence“ aktuell als gleichwertige Begriffe behandelt werden – oder ob künftig zusätzliche Anpassungen nötig werden.
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