LONDON (IT BOLTWISE) – TSMC hat im dritten Quartal Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und den Analystenkonsens klar übertroffen. Trotzdem rutschen Chipaktien in Asien zweistellig ab, vor allem bei Speicherherstellern. Anleger zweifeln zunehmend, ob sich die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur langfristig rechnen. Im Markt rücken damit Renditefragen, Bewertungen und Konkurrenzdruck aus China stärker in den Fokus als kurzfristige Quartalszahlen.

TSMC liefert Rekord, doch Chipaktien rauschen ab: KI-Investitionen im Zweifel
TSMC liefert Rekord, doch Chipaktien rauschen ab: KI-Investitionen im Zweifel (Foto: IT BOLTWISE)
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TSMC liefert Zahlen, die fundamental nach Aufwind aussehen: Im dritten Quartal stieg der Nettogewinn im Jahresvergleich um 68,7 Prozent auf 763,06 Milliarden Taiwan-Dollar. Damit markierte der taiwanische Auftragsfertiger das sechste Rekordquartal in Folge und übertraf den Analystenkonsens von 746,3 Milliarden TWD deutlich. Der Umsatz legte um 50,9 Prozent auf 1,49 Billionen TWD zu; in US-Dollar entspricht das 46,72 Milliarden und lag über der Prognosespanne von 44,6 bis 45,8 Milliarden, die das Unternehmen bereits im Juli kommuniziert hatte. Interessant ist dabei nicht nur das Wachstum, sondern auch die anhaltend hohe Profitabilität: Die Bruttomarge erreichte 66,4 Prozent, die operative Marge 58,7 Prozent und die Nettogewinnmarge 51,1 Prozent.

Trotz dieser Kennzahlen dämpfte der Markt die Stimmung sichtbar. In Asien führten die Kursverluste am Donnerstag die Branche insgesamt stärker an als der operative Erfolg von TSMC selbst. Das Muster wirkt wie ein Stimmungsumbruch: Anleger interpretieren Rekordumsätze zwar als Bestätigung der Nachfrage, stellen aber gleichzeitig die Frage, ob die nachgelagerten Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur mit dem Tempo der Produktions- und Capex-Zyklen tatsächlich mitwachsen. Dazu kommen zusätzliche Belastungen durch die Erwartung steigender US-Zinsen, die gerade Technologieaktien häufig über die Kapitalkosten und Bewertungsmultiplikatoren unter Druck setzen. So können positive Unternehmensberichte kurzfristig nicht verhindern, dass Portfolio-Manager Risiko abbauen, wenn das Marktumfeld gleichzeitig „re-priced“ wird.

Am deutlichsten trifft die Verkaufswelle offenbar die Speicherbranche. Während TSMC selbst mit -2,01 Prozent auf 2.440 TWD noch moderat nachgab, rutschten andere Hersteller deutlich stärker ab: SK hynix verlor in Seoul 10,85 Prozent auf 1.265.000 KRW, Samsung Electronics fiel um 9,48 Prozent auf 210.000 KRW, und Kioxia beendete den Handel 13,27 Prozent tiefer bei 12.740 JPY. In Taiwan setzte sich der Abgabedruck teils fort, und als Treiber wurden Sorgen über zunehmende chinesische Konkurrenz genannt. Konkret stand ein Fortschritt von ChangXin Memory Technologies (CXMT) bei einem DRAM-Design mit höherer Speicherdichte im Mittelpunkt, der mehr Daten pro Chip ermöglichen soll. Für den Markt ist das ein Signal: Wenn Innovation in der Fertigung schneller skaliert oder Dichtevorsprünge in neue Volumen übergehen, verschärft das den Preisdruck im Speichermarkt – und senkt die Visibilität für Renditen.

Die Skepsis richtet sich damit nicht nur auf einzelne Segmente, sondern auf die allgemeine Erzählung des KI-Booms. In den Handelstagen nach den Quartalsmeldungen wuchs die Frage, ob die hohen Ausgaben für KI-Infrastruktur langfristig ausreichend Erträge abwerfen. Als ein Warnsignal im Marktumfeld wurde dabei die Einschätzung des Broadcom-Chefs Hock Tan genannt, manche KI-Investoren spielten faktisch. Solche Aussagen wirken nicht wie eine Bilanzkennzahl, aber sie verändern die Erwartungen: Wenn Investoren das Risiko eingehen, dass sich ein Teil der Nachfrage als „überfinanziert“ herausstellt, sinkt oft die Bereitschaft, hohe Multiples zu bezahlen – selbst dann, wenn die realen Kapazitäten für KI-Workloads weiter zunehmen.

Wie empfindlich der Markt auf Zweifel an der Rendite sein kann, zeigte sich unter anderem an CoreWeave. Die Aktie des auf KI-Infrastruktur spezialisierten Unternehmens fiel am Mittwoch an der NASDAQ um 15,46 Prozent auf 65,78 US-Dollar. Auch bei der 2032 fälligen Anleihe sank der Kurs auf unter 78 Cent je US-Dollar Nennwert; zuvor hatte sie bei der Emission vor rund vier Monaten noch bei pari gelegen. Das ist ein typisches Bild, wenn Aktieninvestoren Risikoprämien neu kalibrieren und gleichzeitig die Finanzierungskosten für Wachstumsunternehmen stärker in den Blick rücken. Zusätzlich lieferte Anthropic zwar operative Fortschritte: Im dritten Quartal meldete das Unternehmen einen Umsatz von 16,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal, und berichtete eine bereinigte Profitabilität. Der Markt blieb dennoch zurückhaltend, weil der Umsatz hinter Erwartungen mancher Investoren zurückblieb.

Für TSMC verschiebt sich dadurch der Fokus von „Wachstum bestätigt“ hin zu „Wachstum muss auch kapital- und margengetrieben überzeugen“. Das Unternehmen rückt Investitionspläne in den Mittelpunkt: Im Juli hatte TSMC sein Budget für das Gesamtjahr auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar angehoben. Solche Größenordnungen sind mehr als nur eine Zahl im Newsflow, weil sie direkt mit der Fähigkeit zusammenhängen, neue Fertigungs-Generationen zuverlässig in Volumen zu bringen und gleichzeitig die Ausbeute (Yield) zu stabilisieren. Technologisch gewinnen dabei die modernsten Prozesse an Gewicht: Der Anteil der 3-Nanometer-Technologie am Waferumsatz erreichte 33 Prozent, und auf die neue 2-Nanometer-Technologie entfielen bereits 8 Prozent gegenüber 3 Prozent im Vorquartal. Dass die Bruttomargen im Quartalsvergleich dennoch leicht zurückgingen (von 67,7 auf 66,4 Prozent), zeigt den strukturellen Spagat zwischen Skalierung und Kostenkontrolle.

Damit stellt sich im Markt auch die Frage nach den nächsten Prognoseschritten. Morgan Stanley hatte vor der Veröffentlichung erwartet, dass TSMC seine Wachstumsprognose für 2026 auf den niedrigen bis mittleren 40-Prozent-Bereich anheben würde. Ob das reicht, um die Aktienkurse zu stabilisieren, hängt in der Wahrnehmung vieler Investoren daran, ob TSMC die hohen Erwartungen an künftiges Wachstum und an die Rentabilität der Investitionen erfüllt. Für Unternehmen, die KI-Workloads planen, bedeutet das zugleich: Die Beschaffung von Rechenleistung ist zunehmend an ein komplexes Gleichgewicht gekoppelt – aus Fertigungskapazitäten, Speicherpreisen, Finanzierungskonditionen und der Frage, ob sich KI-Infrastruktur wirtschaftlich nachhaltig darstellen lässt. Kurzfristig liefert TSMC die operative Bestätigung; mittelfristig entscheidet aber, ob die gesamte Wertschöpfungskette die Renditeerwartungen am Ende nicht nur „mitlaufen“, sondern auch wirklich erreichen kann.


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