DEUTSCHLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Der TÜV meldet steigende Mängelquoten bei Reise- und Linienbussen: 19,2 Prozent der geprüften Fahrzeuge hatten 2024/2025 erhebliche oder gefährliche Mängel. Besonders auffällig ist der Trend auch bei jüngeren Bussen, denn bereits ein Jahr nach der Neuzulassung fällt jeder zehnte Bus in der HU durch. Branchenvertreter widersprechen der Wartungs-Kritik: Während der TÜV wirtschaftlichen Druck vermutet, verweist der Branchenverband auf höhere Herstellungs- und Systemanforderungen. Der Beitrag ordnet ein, welche technischen Ursachen in der Praxis typischerweise dominieren und was Unternehmen jetzt operational tun sollten.

TÜV-Busreport: Hohe HU-Ausfallquote steigt, auch bei jüngeren Fahrzeugen
TÜV-Busreport: Hohe HU-Ausfallquote steigt, auch bei jüngeren Fahrzeugen (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Busverkehr gilt in Deutschland als eines der vergleichsweise sicheren Segmente des öffentlichen Personenverkehrs, doch der aktuelle Busreport setzt dort einen harten Kontrapunkt. Wie aus den vom TÜV-Verband berichteten Ergebnissen hervorgeht, waren 2024 und 2025 fast 20 Prozent der geprüften Reise- oder Linienbusse von erheblichen oder gefährlichen Mängeln betroffen. Das ist ein Anstieg um 5,1 Prozentpunkte gegenüber den beiden Jahren davor. Noch deutlicher wird die Brisanz, wenn man nicht nur die Gesamtquote betrachtet, sondern die Dynamik: Die Mängelraten steigen zum zweiten Mal in Folge, was eher auf strukturelle als auf reine „Ausreißer“-Effekte hindeutet.

Technisch gesehen ist die Hauptuntersuchung (HU) mehr als eine formale Hürde: Sie ist ein systematischer Abgleich zwischen dem realen Zustand eines Fahrzeugs und den geltenden Sicherheitsanforderungen. Bei den gemeldeten Mängeln tauchen typische Fehlerbilder auf, die sich durch Alterung und Verschleiß erklären lassen—etwa Ölverlust, schadhafte Beleuchtung hinten sowie Rost, Risse und gebrochene Bauteile. Gleichzeitig ist aber gerade der Hinweis entscheidend, dass „nicht nur alte Fahrzeuge“ schlechter abschneiden. Bereits ein Jahr nach der Neuzulassung fällt demnach jeder zehnte Bus durch die HU, und auch bei etwa fünf Jahre alten Fahrzeugen verschlechtert sich die Lage deutlich. Das deutet auf Schwächen in frühen Qualitätszyklen hin, nicht nur auf mangelnde Pflege im Betrieb.

Vergleicht man die vergangenen Zeiträume, wird der Zusammenhang noch greifbarer. In 2020 und 2021 lag die Quote erheblicher oder gefährlicher Mängel bei 11,7 Prozent; Corona könnte damals dämpfende Effekte auf Prüf- und Wartungsrhythmen gehabt haben. Dennoch bleibt der aktuelle Sprung auffällig, weil er nicht einfach „zurück in die Normalität“ wirkt, sondern in eine neue Richtung zeigt. Einen ähnlichen Blickwinkel liefern in der Praxis auch andere Prüforganisationen wie DEKRA, die seit Jahren ähnliche Mangelklassen beobachten—wenn auch je nach Methodik und Stichprobe in der Verteilung. Entscheidend ist: Der Befund ist nicht nur ein Statistikwert, sondern ein Signal, dass Fehlerketten entlang von Produktion, Inbetriebnahme, Nutzung und Instandhaltung offenbar anfälliger geworden sind.

Genau hier prallen zwei Perspektiven aufeinander. Der TÜV-Verband betont, die Mängelquote steige kräftig, und verknüpft das mit wirtschaftlichem Druck in der Personenbeförderung: Wenn Unternehmen Wartung und Pflege weniger Aufmerksamkeit schenken, wirkt sich das „über kurz oder lang“ auf die Verkehrssicherheit aus. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) weist diese Deutung zurück und argumentiert, Sicherheit habe Priorität. Stattdessen nennt der Verband einen systemischen Grund: Wenn selbst ein relevanter Anteil neuer Busse nach einem Jahr durch die HU fällt, kann das nicht allein an kurzfristigen Wartungslücken liegen. Aus Verbandssicht werden die Anforderungen durch komplexere Fahrzeugtechnik und höhere Qualitätsansprüche an Hersteller und Komponentenhersteller zunehmend spürbar.

Für den Markt bedeutet diese Debatte vor allem eins: Die Verantwortungsketten werden neu austariert, und damit steigt der Druck auf alle Beteiligten in der Wertschöpfung. Busunternehmen müssen ihre Instandhaltungsprozesse stärker daten- und risikobasiert gestalten—nicht nur im Sinne von „mehr Wartung“, sondern mit klaren Prüfintervallen, die zu den konkreten Fehlerbildern passen. Gleichzeitig werden Hersteller und Zulieferer unter Beobachtung stehen, wenn sich frühe Mängel wie Beleuchtung, Dichtsysteme oder tragende und sicherheitsrelevante Bauteile überproportional häufig zeigen. In der Praxis verschiebt sich dadurch auch die Gewichtung von Abnahme- und Gewährleistungsthemen: Modelleinführungen, Software-/Subsystem-Konfigurationen sowie Qualitätskontrollen im Produktions- und Lieferprozess rücken stärker in den Fokus, weil die HU als „Endpunkt“ zunehmend Störungen aus frühen Phasen offenlegt.

Aus Regulierungs- und Compliance-Sicht ist die Botschaft ebenfalls eindeutig: HU und technische Überwachung sind Teil der staatlichen Sicherheitsarchitektur im Straßenverkehr. Auch wenn bei der aktuellen Meldung keine datenschutzrechtlichen Themen adressiert werden, berührt die Entwicklung unmittelbar die Pflichten aus dem rechtlichen Rahmen für Fahrzeugbetrieb und Verkehrssicherheit. Versicherer und Aufsichtsstellen können solche Muster als Grundlage nehmen, um Schwerpunkte bei Prüfungen und Audits zu setzen—etwa bei Wartungsnachweisen, Betreiberpflichten oder der Dokumentation von Instandhaltungsmaßnahmen. Das ist relevant, weil die Quote der Busse ohne Beanstandungen 2024/2025 nur bei 69,8 Prozent lag und damit spürbar unter dem Niveau der Vorjahre. Für Unternehmen heißt das: Wer Sicherheitsmanagement als kontinuierlichen Prozess versteht, statt als punktuelle Pflichtübung, senkt potenziell nicht nur Risiko, sondern auch operative Ausfallkosten.

Der Blick nach vorn hängt dabei an zwei technischen Hebeln. Erstens dürfte die Branche künftig stärker zwischen „verschleißbedingten“ und „qualitätsbedingten“ Mängeln trennen müssen, um Ursachen sauber zu identifizieren. Wenn ein relevanter Teil der Ausfälle bereits im ersten Betriebsjahr sichtbar wird, braucht es verstärkte Rückkopplungsschleifen zwischen Betriebsmeldungen, Inspektionsdaten und Herstellerrückläufen. Zweitens wird die Wartungsplanung wahrscheinlich stärker in Richtung vorbeugender, zustandsbasierter Strategien wandern—also Prüfungen dort zu verdichten, wo Muster wiederkehren, statt starr nach Kalenderintervallen vorzugehen. Experten aus dem Umfeld der technischen Überwachung erwarten zudem, dass Prüforganisationen ihre Schwerpunkte zeitnah an solche Trends anpassen, damit die HU noch besser als Frühwarnsystem wirkt.

Unterm Strich ist der Report weniger eine punktuelle Kritik an einzelnen Akteuren als ein Indikator für eine Branche im Spannungsfeld: Personal- und Kostendruck bei Betreibern, steigende Komplexität bei Fahrzeugtechnik und Komponentenqualität, sowie der zunehmende Anspruch an gleichbleibende Sicherheitsniveaus. Wenn die Ausfallquote erneut steigt, entstehen für alle Beteiligten echte Anreize, Prozesse messbarer zu machen. Für Entwickler und IT-nahe Dienstleister in der Instandhaltung bietet das Chancen: Tools zur Wartungs- und Inspektionsdokumentation, zur Fehlerbildanalyse und zur Auswertung von Prüfdaten können helfen, Muster schneller zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu priorisieren. Gleichzeitig sollte die nächste Entwicklung zeigen, ob Herstellerrisiken durch bessere Qualitätssicherung und Betreiberpraktiken durch wirksamere Wartungsstrategien tatsächlich gegensteuern—oder ob sich die Trendlinie fortsetzt.


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