NEW ORLEANS / LONDON (IT BOLTWISE) – Tulane startet mit dem Founder Lab in sein zweites Programmjahr, um universitäre Forschung gezielt in Startup-Pläne zu überführen. Das Format kombiniert EIRs mit erfahrenen Unternehmern mit passenden Professor-Technologien statt klassisch bei fertigen Startups anzusetzen. In der aktuellen Runde wird laut Bericht eine zweistufige Bewertung mit etwa 18 Patentfamilien durchgeführt, bevor nur wenige Kandidaten in den Abschlussprozess gehen. Unterstützt wird das Ganze durch ein 6-Millionen-US-Dollar-NSF-Grant und einen 10-Millionen-US-Dollar-Fonds für frühe Louisiana-Startups.

Was in vielen Universitäten als „Technologietransfer“ im Hintergrund läuft, wird bei Tulane University nun spürbar stärker als unternehmerischer Prozess organisiert: Das Founder Lab, angesiedelt im Innovation Institute, richtet sich explizit darauf, Forschung nicht nur zu lizenzieren, sondern bis zu belastbaren Unternehmensplänen weiterzuentwickeln. Laut Bericht befindet sich das Programm gerade erst im zweiten Jahr, nachdem es in seiner Startphase noch an klaren Pfaden gearbeitet hatte. Dabei steht auch eine neue Rollenlogik im Zentrum: Statt bereits existierende Startups in einen Accelerator zu übernehmen, bringt Founder Lab Tulane-Assets mit externen Unternehmern-in-Residence (EIRs) zusammen, die die Projekte von Anfang an auf Marktreife und Umsetzbarkeit prüfen.
Technisch beginnt die Arbeit nicht bei einer Idee, sondern bei der Auswahl und Priorisierung dessen, was aus Patenten und Forschungsergebnissen überhaupt produktfähig werden kann. Im Bericht wird beschrieben, dass Tulane im ersten Programmjahr Feedback erhielt, wonach EIRs „mehr aus dem Portfolio“ erkunden wollten, bevor sie sich festlegen. Daraus entstand eine zusätzliche Evaluationsstufe: In der aktuellen Runde arbeiten Curley und Bralower als Duo innerhalb einer größeren EIR-Gruppe, die rund 18 Patente oder Patentgruppen einzeln bewertet, um ihr Potenzial als tragfähige Produkte oder Unternehmen zu ranken. Erst wenn die Gruppe das Feld einengt, schauen Curley und Bralower zwei Technologien genauer an, bevor am Ende eine für die letzte Phase ausgewählt wird.
Der entscheidende Schritt ist damit weniger „Pitch-Event“, sondern eine systematische Markt- und Risikoprüfung, die man auch als Brücke zwischen Laborwissen und Go-to-Market-Logik verstehen kann. Christian, als Executive Director für Commercialization im Innovation Institute genannt, beschreibt das Programm zudem als Matching ergänzender Fähigkeiten: Forschende sind exzellent auf der technischen Seite, werden aber nicht automatisch zu Gründern. Genau diese Lücke füllen EIRs, indem sie potenzielle Kunden identifizieren und befragen, Gespräche mit Investoren und Industrieexperten führen und auf dieser Basis eine Strategie entwickeln, wie die Technologie tatsächlich in den Markt gelangt. Curley nennt das Endprodukt „mini business plan“ und rahmt es als eine Art Playbook, das Optionen für die Unternehmensgründung transparent macht.
Für die Startup-Realität ist besonders relevant, dass der Abschluss nicht zwingend eine Neugründung bedeutet. Das Playbook ist im beschriebenen Modell auch dann wertvoll, wenn der EIR, der es erarbeitet, nicht selbst launcht oder nicht die Rolle der operativen Führung übernimmt. Dann kann Tulane das Konzept an einen anderen Unternehmer weitergeben, statt bei Null zu starten. Laut Bericht erwartet Tulane pro Founder-Lab-Kohorte grob zwei bis fünf Technologien, die mit Geschäftsplan und „Bereitschaft zur Verfolgung als neue Unternehmen“ in die nächste Phase gehen. Inhaltlich wurden als Beispiele zwei Kandidaten genannt, die beide bereits zu einem späteren Punkt im aktuellen Prozess vorgerückt sind: Zum einen ein antimikrobielles Peptid, das laut Forschenden helfen soll, das Problem resistenter Bakterien zu adressieren. Zum anderen ein diagnostisches Werkzeug, das vorhersagen soll, ob bestimmte solide Tumoren auf eine Behandlung ansprechen.
Damit trifft Founder Lab einen historisch gewachsenen Engpass im akademischen Innovationssystem: Viele Universitäten schaffen es, Erfindungen zu dokumentieren oder zu patentieren, aber scheitern später an einer sauberen Marktadressierung und an fehlenden unternehmerischen Schleifen. Der Bericht ordnet diese Lücke über eine persönliche Perspektive ein: Lowry Curley habe vor mehr als einem Jahrzehnt selbst den Weg von Tulane-Forschung in ein Biotech-Startup mitgeprägt, damals jedoch ohne die heute vorhandenen formalen Programme. Das Founder Lab zielt genau darauf, diese „Mehrarbeit“ zu institutionalisieren. Zusätzlich stützt Tulane die Initiative finanziell und strukturell: Der Text nennt einen vierjährigen National Science Foundation-Grant in Höhe von 6 Millionen US-Dollar sowie einen 10 Millionen US-Dollar-Fonds (Tulane Ventures), der in frühe Louisiana-Startups investiert.
Für den Standort bedeutet das auch, dass regionale Innovationsketten nicht bei der Laborausgründung enden müssen. Bralower schildert den Effekt aus seiner eigenen Laufbahn: Er hatte Tulane vor sechs Jahren verlassen, um in Kalifornien Biotech-Chancen zu suchen, und sieht heute in Louisiana wieder Jobs und junge Unternehmen entstehen, die es zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben habe. Aus Markt- und Ökosystem-Sicht ist das ein wichtiger Unterschied zu vielen „Transfer“-Programmen, die zwar Technologiebewegung versprechen, aber selten so konkret bis in die Startup-Planung hineinführen. Gleichzeitig bleibt die Auswahl bewusst selektiv: Tulane versuche laut Curley nicht, „jede vielversprechende Technologie“ in ein Startup zu pressen, sondern arbeite eher die Kandidaten heraus, bei denen sowohl wissenschaftlicher Wert als auch kommerzieller Fit zusammenkommen.
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