VERMONT / LONDON (IT BOLTWISE) – Tief im See Memphremagog haben Forschende bei Katzenwelsen ein Melanom mit auffälligen schwarzen Läsionen dokumentiert. Zwischen 2012 und 2013 stießen Angler auf zahlreiche Tiere mit Flecken, die Biologen anschließend untersuchten. Die Daten deuten darauf hin, dass es sich um eine ansteckende Form von Krebs handeln könnte, die über Wasserzellen übertragen wird. Als möglicher Startpunkt wird ein Starkregenereignis nach Hurrikan Irene diskutiert.

Im See Memphremagog, der zwischen Vermont und Québec liegt, ist eine bislang besonders bemerkenswerte Krebsform ins Blickfeld der Forschung geraten: Bei braunen Katzenwelsen (Brown bullhead catfish) wurden Melanom-Läsionen gefunden, die in ihrer Ausbreitung ein ansteckendes Geschehen nahelegen. Die Beobachtung begann nicht im Labor, sondern über Rückmeldungen aus dem Alltag. Zwischen 2012 und 2013 berichteten Angler, im See sehr viele Katzenwelse mit charakteristischen schwarzen Flecken aus dem Wasser gezogen zu haben. Als Biologen die Tiere untersuchten, zeigte sich: Es handelte sich nicht nur um harmlose Verfärbungen, sondern tatsächlich um Melanom als Form von Hautkrebs.
Für die Einordnung ist vor allem die Größenordnung der betroffenen Tiere zentral. In den in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnissen wird beschrieben, dass bei 23% bis 37% der untersuchten Katzenwelse Melanom-Läsionen nachweisbar waren. Solche Prozentwerte sind nicht nur ein Hinweis auf einen hohen Befallsgrad, sie machen auch deutlich, dass die Auffälligkeiten nicht auf wenige Einzeltiere beschränkt waren. Auffällig ist zudem, wo die Spuren auftreten können: Laut den Forschenden sind die Merkmale mitunter an Kiemen, Lippen oder sogar im Bereich der Augen zu finden. Dass Krebsgewebe an exponierten Kontaktflächen sichtbar wird, beeinflusst auch die Frage, wie wahrscheinlich eine Übertragung über das Milieu sein kann.
Technisch betrachtet wird in der Studie ein Mechanismus diskutiert, der das klassische Muster „Tumor entsteht zufällig“ um eine zweite Ebene ergänzt. Die Forschenden gehen davon aus, dass ein anfänglicher Tumor bei einem einzigen Fisch entstanden ist und anschließend Krebszellen ins Wasser abgegeben wurden. Sobald diese Zellen in andere Katzenwelse eindringen, könnte der Prozess sozusagen „angestoßen“ werden und sich innerhalb der Population wiederholen. Damit rückt eine Form von übertragbarem Krebs in den Fokus, die bislang vor allem als seltenes Phänomen aus anderen Tiergruppen bekannt war. Im Text wird außerdem darauf verwiesen, dass bisher vor allem in einer zufälligen Auswahl anderer Arten kontagiöse Tumoren beschrieben wurden, etwa bei Hunden, Tasmanischen Teufeln sowie bei bestimmten Muscheln und weiteren Meerestieren.
Die Umweltkomponente liefert eine weitere, konkret benannte Hypothese: Forschende vermuten, dass das Geschehen mit den starken Überschwemmungen im Jahr 2011 zusammenhängen könnte, ausgelöst durch Hurrikan Irene. Solche Ereignisse verändern nicht nur den Wasserstand, sondern auch die Belastungslage. Durch erhöhte Abflüsse kann es zu mehr Oberflächenabtrag kommen; im Text wird das als reduzierter Wasserzustand infolge von Abschwemmung durch Verschmutzung beschrieben. Für die Krebsentstehung ist das plausibel, weil Umweltstress die Barrierefunktionen betroffener Organismen schwächen kann und gleichzeitig Krankheitserreger sowie organische Partikel die Dynamik im Habitat verändern. Die Studie verknüpft also nicht automatisch Ursache und Wirkung, macht aber deutlich, warum die Forschenden nach einem Startsignal aus der Umwelt suchen.
Die menschliche Perspektive bleibt trotz der dramatischen Tierbeobachtung vorsichtig. Im Artikel wird gleichzeitig eine Position des American Cancer Society zitiert bzw. wiedergegeben: Dort heißt es, Krebsübertragung zwischen Menschen sei nicht möglich und es gebe zudem wenig Forschung, die das Gegenteil nahelegen würde. Diese Abgrenzung ist wichtig, weil „transmissibel“ in der öffentlichen Wahrnehmung häufig zu stark auf Menschen übertragen wird. Genau deshalb berichten die Autoren der Studie über die offene Frage, wie verbreitet übertragbare Krebserkrankungen überhaupt sein könnten – auch über Tierarten hinaus gedacht. Die Forscherin Elizabeth Murchison wird dabei mit folgender Aussage eingeordnet, die im Quelltext wörtlich enthalten ist: „This finding does reinforce the idea that transmissible cancers could emerge anywhere, including in our own species, “ sagte Elizabeth Murchison.
Für die Praxis in Forschung und Umweltmonitoring ergibt sich daraus ein neuer Fokus: Wenn Krebsformen nicht nur individuell entstehen, sondern unter bestimmten Bedingungen populationsweit „weitergegeben“ werden, braucht man angepasste Beobachtungsstrategien. Das betrifft nicht nur die Frage, wie man Läsionen früh erkennt, sondern auch, wie man Proben nimmt und die Wasserchemie parallel dokumentiert, um zeitliche Ketten zu prüfen. Auch die Aussage von Peter Emerson ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich, weil sie das Erscheinungsbild beschreibt: „It looks like black tar on the skin – not very pretty, “ sagte Biologe Peter Emerson. „You can tell it doesn’t help the fish cause they’re inside the mouth, they’re on the fins.“ Für Unternehmen und Behörden, die mit Naturräumen arbeiten oder Umwelt-Daten verantworten, lautet die Konsequenz daher nicht „Alarm für Menschen“, sondern „gezielte Ursachenforschung im Ökosystem“.
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