WASHINGTON, D.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – Die U.S. Army macht ihren digitalen Marketplace zur schnellen Beschaffung von Counter-UAS-Fähigkeiten internationaler. Bei der AUSA-Veranstaltung unterzeichneten Vertreter aus mehreren Ländern eine Absichtserklärung, dem Unmanned Aircraft Systems (UAS) Marketplace beizutreten. Damit steigt die Zahl beteiligter Nationen auf 33. Laut Army-Manager läuft das System bereits im Live-Betrieb und hat seit dem Start Transaktionen im Umfang von 800 Millionen US-Dollar verarbeitet.

Die U.S. Army skaliert ihren Weg von einzelnen Beschaffungsprojekten hin zu einem wiederverwendbaren Beschaffungs- und Bewertungsrahmen für unbemannte Systeme. Im Kern geht es um den Unmanned Aircraft Systems (UAS) Marketplace, der laut den Verantwortlichen nicht als Pilot gedacht ist, sondern bereits „live“ läuft. Bei der jährlichen AUSA-Tagung in Washington, D.C., unterzeichneten Vertreter aus Kanada, Kroatien, Ägypten, Japan, Kuwait, Marokko, Albanien und Panama eine Absichtserklärung zur Teilnahme. Damit klettert die Zahl der beteiligten Nationen auf 33 – ein Signal, dass die Army den Beschaffungsprozess für Counter-UAS-Fähigkeiten zunehmend als gemeinsamen Marktplatz mit Partnern versteht.
Der Blick auf den technischen Nutzen liegt dabei nicht nur in der schnelleren Auswahl von Systemen, sondern auch in der Art, wie die Plattform Validierung und Entscheidungsfindung zusammenführt. Laut Aussage von Robert Brown, Präsident und CEO der AUSA, bringt die Unterzeichnung die Teilnehmerzahl auf 33. Die Plattform war im März 2026 mit neun europäischen Unterzeichnern gestartet und wächst seitdem über regionale Verbündete und Partner weiter. Genau an dieser „Skalierung“ knüpfen die Argumente der Army an: Wenn neue Drohnenbedrohungen schneller auftreten als klassische Vergabezyklen, braucht es einen Prozess, der Systemleistungen vergleichbar macht und Rückmeldungen von Anwendern strukturiert zurückschleust.
In diesem Zusammenhang nennt Brent Ingraham, Assistant Secretary of the Army für Acquisition, Logistics and Technology, den Marketplace als globales Instrument. Er betont, dass „With today’s signing, the marketplace is now truly a global effort“ und dass es sich dabei „It’s not a concept or a pilot program… It is live.“ handelt. Zahlen unterstreichen die Einordnung: Seit der Inbetriebnahme habe die Plattform Transaktionen in Höhe von 800 Millionen US-Dollar verarbeitet. Darüber hinaus vergab die Army nach Ingrahams Angaben über die Plattform Counter-UAS-Vertragsfahrzeuge im Gesamtwert von 7 Milliarden US-Dollar. Solche Volumina deuten darauf hin, dass sich der Marketplace bereits zu einem zentralen Kanal entwickelt, über den Technologie nicht nur bewertet, sondern konkret in Beschaffung überführt wird.
Technisch adressiert die Initiative eine reale Dynamik: Der Threat Landscape für unbemannte Systeme verschiebt sich hin zu günstigeren Drohnen, die wiederum teurere Abfang- oder Präzisionslösungen wirtschaftlich unter Druck setzen. Ingraham ordnet das Problem als Wechselwirkung ein, in der „inexpensive drones“ auf „expensive missiles“ treffen und U.S.- sowie verbündete Streitkräfte darauf mit mehrschichtiger Verteidigung reagieren müssen. Ein „silver bullet“ gebe es nicht, sagt er ausdrücklich („There is no silver bullet… None of us can do it alone.“). Entscheidend ist damit nicht nur die einzelne Komponente – Sensorik, elektronischer Kampf, Abfangsysteme oder Software –, sondern die Gesamtsystem-Architektur, die mehrere Effekte in einer integrierten Kette zusammenführt.
Genau deshalb beschreibt der Ansatz eine „layered“ Counter-Drone-Strategie: von Sensoren über Command-and-Control bis hin zu Electronic Warfare, Interceptoren und auch Directed Energy sowie einer schnellen Anpassungsfähigkeit. Damit verschiebt sich die Erwartung an Beschaffung von einem statischen Produktkauf hin zu einem kontinuierlichen Lern- und Integrationsprozess. Laut Artikel sollen Soldaten Systeme anhand konkreter taktischer Bedürfnisse durchsuchen und kaufen können, zudem sollen Systemleistungsdaten ausgewertet und Rückmeldungen von Operatoren geliefert werden. Die Plattform soll dabei als government-to-government Rahmen funktionieren und für den Foreign Military Sales-Mechanismus eine Art „fast lane“ bereitstellen – mit bereits vorgeprüften Kriterien bei Cybersecurity und Exportfähigkeit. Ergänzend betreibt die Army laut Quelle auch ein C-UAS Marketplace-Ökosystem, das vom Joint Interagency Task Force 401 (JIATF 401) entwickelt und betrieben wird, um digital Systeme für die Gegen-Drohnen-Verteidigung zu beschaffen.
Aus Sicht der Umsetzung ist bemerkenswert, wie stark der Prozess auf Bürokratieabbau und Herstelleranbindung zielt. Acting Secretary of the Army Adam Telle, der bei der Unterzeichnungszeremonie anwesend war, erklärte, der Marketplace „connecting soldiers directly with builders“ und „removing the bureaucratic middlemen“. Seine Einordnung knüpft an eine breitere Debatte um Streamlining in der militärischen Beschaffung an: Nicht jede Verbesserung erfordert neue Technik, häufig reichen bessere Schnittstellen zwischen Bedarfsträgern, Bewertung und Beschaffung. Daneben setzt die Initiative auf offene Architektur („open architecture systems“). Telle hebt hervor, dass diese „beyond the tactical systems“ bis auf die strategische Ebene gehoben werden müsse, und beschreibt den globalen Marketplace als „a great step forward“ beim Teilen von Taktiken, Verfahren (TTPs) und Ausrüstung mit Partnern.
Für Unternehmen in der KI-, Sensor- und Systemintegrationslandschaft ergibt sich daraus ein klarer Handlungsimpuls: Wer Counter-UAS-Komponenten liefert, braucht nicht nur Leistungswerte, sondern nachvollziehbare Daten für Validierung, eine klare Integrationsfähigkeit in bestehende Command-and-Control-Umgebungen und belastbare Nachweise zur Cybersecurity sowie zu Exportanforderungen. Der Marketplace kann dabei zu einem Beschleuniger werden, weil er Bewertungsergebnisse und Rückmeldungen aus dem Feld mit einer digitalen Beschaffungsschicht verknüpft. Gleichzeitig verschärft die wachsende Anzahl teilnehmender Nationen die Anforderungen an Interoperabilität und Datenkonsistenz, weil Systeme in unterschiedlichen operativen Kontexten bestehen müssen. In Summe zeigt die Ausweitung auf 33 Staaten: Counter-UAS wird zunehmend als Plattformproblem verstanden – mit einem digitalisierten Marktplatz als gemeinsamer Einstieg, nicht als Nebenweg.
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