WASHINGTON, D.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – US-Präsident Trump kündigt Exekutivverfügungen an, die den Umgang mit Kundendaten in der Finanzbranche neu ausrichten. Während die geplante Pflicht zur Erhebung von Nachweisen zur Staatsbürgerschaft zunächst zurückgenommen wurde, sollen Treasury und Regulierer die Vorgaben zu AML und Customer Identification Programs (CIP) gezielt nachschärfen. Zugleich sollen Fintechs leichteren Zugang zu den Zahlungs-„Rails“ der US-Notenbank erhalten, um Pay­ment-Services schneller und skalierbarer zu machen. Der Schritt beeinflusst damit sowohl Compliance-Aufwände als auch die Produktentwicklung bei Banken und Zahlungsanbietern.

US-Exekutivverfügungen lockern Citiz­enship-Pflichten und treiben Fintech-Zugang zu Fed-Zahlungswegen
US-Exekutivverfügungen lockern Citiz­enship-Pflichten und treiben Fintech-Zugang zu Fed-Zahlungswegen (Foto: IT BOLTWISE)
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US-Präsident Trump will am Dienstag mit zwei Exekutivverfügungen die US-Finanzinfrastruktur in zweifacher Hinsicht neu ordnen: Zum einen soll die Zahlungs- und Kontozugänglichkeit für bestimmte Fintech-Akteure steigen, zum anderen sollen die Auflagen im Umgang mit Kundenrisiken im Kontext von nicht dokumentierten Personen klarer werden. Berichten zufolge reagiert die Regierung damit auf einen Konflikt, der im Vorfeld vor allem in der Bankenbranche hohe Wellen schlug: Eine zunächst erwogene Weisung hätte Banken zur Erhebung von Nachweisen zur Staatsbürgerschaft ihrer Kunden verpflichten sollen. Nun wird dieser Teil offenbar abgeschwächt, ohne dass das Thema Compliance vom Tisch ist.

Technisch betrachtet ist das vor allem eine Frage, wie „Customer Due Diligence“ in der Praxis operationalisiert wird und welche Datenflüsse zwischen Kunden, Banken und Regulatoren entstehen. Im ersten Schritt wird die direkte, staatsbürgerschaftsbezogene Erhebung als verbindliche Kundennachweispflicht zurückgenommen. Stattdessen soll der Finanzminister (Treasury) finanzielle Institutionen beraten, wie nicht dokumentierte Personen Konten eröffnen oder Kredite erhalten können. Parallel sollen Treasury und Bundesaufsichtsbehörden Änderungen an den Bank Secrecy Act-Regelwerken prüfen, um „CIP“-Anforderungen und die Möglichkeit zur Einholung zusätzlicher Informationen zu stärken, wenn dies risikobasiert erforderlich erscheint.

Diese Logik ist nicht neu, aber sie verschiebt die Kostenstelle. Historisch haben die USA mit dem Bank Secrecy Act und nachfolgenden AML-Regimen versucht, Identitäts- und Transaktionsrisiken zu adressieren, ohne dabei den Marktzugang zu stark zu blockieren. In den letzten Jahren ist die Praxis jedoch zunehmend in Richtung datenintensiver Workflows gewandert: Banken validieren Identität über mehr als nur ein Dokument, prüfen Inkonsistenzen und steuern Risiken über regulatorische Schwellen. Der vorgeschlagene Ansatz setzt stärker auf risikoadaptive Nachforderung statt auf eine pauschale „Citizenship-First“-Abfrage, was die Datenmodellierung und die Compliance-Logik in den Instituten verändert.

Marktseitig ist die zweite Exekutivverfügung besonders für den Wettbewerb relevant: Fintechs sollen laut Ankündigung mehr Zugang zu den Zahlungs-„Rails“ der US-Notenbank erhalten. Das ist für Unternehmen wie etwa Zahlungsdienstleister und digitale Banken strategisch, weil es die Geschwindigkeit bestimmt, mit der neue Zahlungs- und Wallet-Use-Cases in den Markt kommen, und weil es die Abhängigkeit von proprietären Netzwerken reduziert. Konkret tritt hier ein Spannungsfeld auf, das auch im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen sichtbar ist: Während europäische Akteure häufig stark über regulatorische Rahmen wie PSD2 und strenge Sorgfaltsprozesse konkurrieren, kann ein erleichterter Zugang zu zentralen Zahlungswegen in den USA die Skalierungsgeschwindigkeit erhöhen.

Aus Branchensicht lassen sich daraus mehrere Umsetzungsimpulse ableiten. Erstens: Wenn Treasury den Finanzinstituten Empfehlungen zur Konteneröffnung und Kreditvergabe in diesen Fällen gibt, werden Banken ihre internen Richtlinien und Entscheidungssysteme aktualisieren müssen, inklusive Workflows für Dokumentenprüfung, Risikoscores und Eskalationspfade. Zweitens: Die geplanten Anpassungen an den BSA- und CIP-Anforderungen zielen darauf, dass Institute im Zweifel zusätzliche Kundendaten anfordern dürfen. Das verschärft die Anforderungen an Datenqualität, Auditierbarkeit und maschinenlesbare Compliance-Regeln, weil „richtig“ dokumentierte Begründungen entscheidend sind, falls Aufsichtsbehörden nachträglich Eingriffe bewerten.

Regulatorisch greift die Regierung außerdem an anderer Stelle in die Risikoperspektive ein. Trump soll die Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) dazu auffordern, Änderungen an bestehenden Regeln zu prüfen, bei denen Abschiebung sowie Lohnverluste als Faktoren berücksichtigt werden könnten, die die Fähigkeit von Kunden zur Rückzahlung von Krediten beeinflussen. Zusätzlich wird erwartet, dass Regulierer Leitlinien herausgeben, wie Kreditrisiken im Zusammenhang mit nicht dokumentierten Personen zu managen sind. Damit steigt der Druck auf Kreditmodelle, die bisher möglicherweise stärker auf klassische Bonitätsindikatoren gesetzt haben; zugleich wächst das Risiko für Bias-Diskussionen, falls Modelle sensible Merkmale indirekt erfassen oder verstärken.

Ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist deshalb, wie schnell Unternehmen ihre KI-gestützten Prüf- und Entscheidungsprozesse regulatorisch „interpretierbar“ machen. Moderne Kredit- und KYC-Systeme basieren zwar häufig auf statistischen Modellen, benötigen jedoch transparente Begründungen im Sinne von Compliance. Berichten zufolge rechnen Analysten damit, dass die Institute in den nächsten Monaten mehr in Governance, Modellmonitoring und Dokumentationsautomatisierung investieren werden, um spätere Prüfungen effizient zu bestehen. Im Vergleich zu vielen „Daten-Freeze“-Strategien in traditionellen Banken könnte sich damit eine stärkere Divergenz ergeben: Fintechs, die Zahlungsketten und Entscheidungslogik modular bauen, könnten schneller iterieren als Institute mit monolithischen Systemen.

Für die Zukunft ist entscheidend, wie die angekündigten Änderungen konkret in Verordnungen, Leitfäden und technische Standards gegossen werden. Die nächste Phase dürfte weniger eine generelle Freigabe sein, sondern ein fein abgestimmtes Set an Regeln zur zulässigen Datenerhebung, zur risikobasierten Nachforderung und zu den Grenzen der Modellanwendung im Kreditgeschäft. Unternehmen sollten diese Unklarheit strategisch nutzen, indem sie ihre Compliance-Pipeline so umbauen, dass neue CIP/BSA-Anforderungen mit minimalem Reibungsverlust integriert werden können—etwa über flexible Regelwerke, versionierbare Datenpunkte und ergebnisorientierte Audits. Insgesamt deutet der Kurs darauf hin, dass der Marktzugang für digitale Zahlungsakteure wachsen kann, während Banken gleichzeitig stärker nachweisen müssen, wie sie Risiken und Datenzugriffe verantworten.


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