LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Verteidigungsministerium erweitert die Fitnessanforderungen für Combat-Arms-Berufe um einen separaten Combat-Field-Test. Die Maßnahme ergänzt den regulären Dienst-Fitness-Test und soll in jeder Umgebung mit Kampfausrüstung durchführbar sein. Betroffen sind unter anderem Army-Infanterie und Special Forces, Navy SEALs sowie Marine Raiders und Air-Force-Pararescue-Teams. Ab Frühjahr 2027 könnte bei wiederholtem Scheitern die Einstufung oder sogar der Verbleib im Dienstverhältnis neu bewertet werden.

US-Militär führt neuen Combat-Field-Test für Kampftruppen ein
US-Militär führt neuen Combat-Field-Test für Kampftruppen ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Entscheidung wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Administrativschritt – in der Praxis verschiebt sie jedoch die Messlogik im Alltag von Kampftruppen. Das US-Verteidigungsministerium hat am 31. August eine aktualisierte Physical-Fitness- und Body-Composition-Policy veröffentlicht, die mehr als 80 militärische Tätigkeiten als „Combat arms“ definiert. Für diese Rollen reicht der standardmäßige Dienst-Fitness-Test künftig nicht mehr aus: Zusätzlich muss ein Combat-Field-Test absolviert werden, dessen Standards je nach Teilstreitkraft festgelegt werden. Damit wird Fitness nicht nur als allgemeine Leistungsfähigkeit betrachtet, sondern als überprüfbare Fähigkeit, in realitätsnahen Belastungsprofilen mit Kampfausrüstung zu bestehen.

Technisch betrachtet ist der Kern der Vorgabe weniger das „Ob“, sondern das „Wie messbar“: Die Combat-Field-Tests sollen laut Regelwerk in jeder Umgebung und zu jeder Zeit durchführbar sein – und zwar „mit Kampfausrüstung“. Das bedeutet für die Umsetzung in Ausbildung und Einsatzplanung, dass Testdesign und Materiallogistik zusammen gedacht werden müssen. Denn nur wenn der Parcours, die Lauf- und Kraftstationen sowie die Ausrüstungsbestandteile so operationalisiert sind, dass sie ohne Spezialbedingungen funktionieren, können Einheiten die Ergebnisse vergleichbar trainieren und dokumentieren. Gerade bei heterogenen Job-Familien in Army, Navy und Marine Corps ist das eine Herausforderung, die typischerweise nicht allein durch Trainingspläne gelöst wird, sondern durch standardisierte Testprotokolle und wiederholbare Durchführungsräume.

Die Aufteilung nach Teilstreitkräften zeigt dann, wie stark die Tests an die jeweiligen Einsatzprofile angedockt sind. Die Army listet 23 Combat-Arms-Occupations, darunter Infanterie, Kampfingenieure, Taucher, Feldartillerie, Special Forces, Panzer- und Kavallerie sowie den Bereich Explosive Ordnance Disposal. Für diese Rollen gilt ein Army-eigenes Combat Field Test-Format mit sieben Events im Pass-Fail-Verfahren: zwei One-Mile-Runs, Dead-Stop Pushups, Sandbag-Lifts, ein Water-Can-Carry und Combat-Movement-Drills. Den Ablauf begrenzen die Regeln mit einem Zeitfenster von 30 Minuten. Besonders relevant für den Übergang ab 2027: Ab Frühjahr 2027 können Soldaten, die in ausgewiesenen Kampfpositionen wiederholt scheitern, zur Re-Klassifizierung oder zum Verlassen der Army gezwungen werden.

Auch die Navy setzt auf ein eigenständiges Belastungsprofil, das frühere Ausrollungen für SEALs, Special-Warfare-Combat-Crewmen, Explosive-Ordnance-Disposal-Technicians und Fleet Divers aufgreift. Die Navy-Variante umfasst einen 800-Meter-Schwimmteil, anschließend Pushups, Pullups und einen One-Mile-Run, wobei die späteren Disziplinen mit einem 20-Pfund-Weighted-Vest absolviert werden. So entsteht ein Testmix, der Kraftausdauer, Herz-Kreislauf-Belastung und Koordinationsleistung in einer Reihenfolge prüft, die Trainingsprogramme stärker „sequenziell“ als isoliert gestalten muss. Für die administrative Konsequenz gilt dabei ein klares Schema: Wer Fitnessanforderungen nicht erfüllt, wird in remediale Fitnessprogramme eingegliedert; anhaltendes Scheitern kann zu administrativen Maßnahmen führen, einschließlich Trennung vom Dienst, und auch personalpolitische Folgen wie das Nichtberücksichtigen bei Beförderungen nach sich ziehen.

Der zweite, mindestens ebenso wichtige Strang der Reform betrifft die regulären Dienst-Fitness-Tests – und damit die Frage, wie „sex-neutral“ praktisch umgesetzt wird. Die Policy verlangt für Combat-Arms-Truppen sex-neutrale, vereinfachte age-normed Anforderungen mit männlichem Standard, während Soldaten außerhalb dieser Gruppen weiterhin nach sex- und age-normierten Standards bewertet werden. Entscheidend ist: Die genaue Differenz zwischen „simplified“ und nicht „simplified“ age-normed Anforderungen war zunächst nicht transparent; das Verteidigungsministerium verwies dafür auf die einzelnen Services. Damit bleibt für Organisationen und Führungskräfte vor allem die operative Seite: Welche Messfenster, welche Schwellenwerte und welche Normtabellen konkret gelten, wird erst durch die serviceinternen Umsetzungen greifbar.

Der Hintergrund der Reform hängt eng mit einer breiteren Neuausrichtung der Standards nach dem Öffnen sämtlicher Kampfberufe für Frauen im Jahr 2015 zusammen. Der Impuls geht auf eine September-2025-Direktive von Verteidigungsminister Pete Hegseth zurück, in der die Services aufgefordert wurden, sex-neutral physical standards für Combat-Arms-Truppen zu entwickeln. Hegseth begründete die Änderung damit, dass die neuen Anforderungen dazu führen könnten, dass weniger Frauen für bestimmte Combat-Jobs qualifizieren. Zugleich wird aus der Praxis geschildert, dass Frauen, die bereits in Combat-Arms eingesetzt waren, zuvor an gender-neutralen, job-spezifischen Standards gemessen worden seien und sie Rückschlüsse auf „abgesenkte“ Hürden ablehnten. Für die weitere Debatte ist das insofern zentral, als die Reform nicht nur Training verändert, sondern auch die Interpretation von Fairness und Vergleichbarkeit in der Leistungsmessung.

Für die Industrie- und Betreiberperspektive ergibt sich daraus ein klarer Impuls: Wer künftig Fitness- und Trainingsdaten in der Bundeswehr-nahem Sinne (ausgebildete Kräfte, Zertifizierungsnachweise, Remediation-Workflows) automatisieren oder auswerten will, braucht ein Datenmodell, das zwischen regulären Service-Tests und Combat-Field-Tests sauber unterscheidet. Die Policy fordert zudem, dass die Services Daten bereitstellen, mit denen das Verteidigungsministerium Fitness-Outcomes nach Sex, Age, Race, Ethnicity, Rank und Military Occupation evaluieren kann. Genau an dieser Stelle treffen sich Testdesign und Analytics: Ohne robuste Erfassung der Testresultate, konsistente Zeitstempel, eindeutige Zuordnung zu Job-Familien und standardisierte Dokumentationslogik lässt sich die gewünschte Wirkungsanalyse nicht belastbar durchführen. In Summe ist die Reform damit nicht nur ein neues Workout-Programm, sondern ein struktureller Umbau der Bewertungsstrecke – mit Konsequenzen für Training, Personalplanung und die Art, wie Leistung im Dienst messbar gemacht wird.


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