FORT POLK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Armee macht Drohnen nicht mehr nur zum Einsatzmittel, sondern zum Trainingsstandard. In einem Lage-Szenario soll eine Einheit mit einem „Mother Ship“ und mehreren Einweg-Angriffsdröhnen eine befestigte Stellung aus der Bewegung heraus angreifen. Gleichzeitig entstehen neue Abläufe: Soldaten bauen und testen Systeme auf Übungsarealen, teils mit 3D-Druck direkt vor Ort. Entscheidender Engpass bleibt die Frage, wie sich ausreichend viele „consumable“ Drohnen wirtschaftlich bereitstellen lassen.

US-Militär lernt für KI-gestützte Robotik: Drohnen-Training wird massenhaft
US-Militär lernt für KI-gestützte Robotik: Drohnen-Training wird massenhaft (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer die moderne Gefechtslage in der Ukraine oder im Nahen Osten betrachtet, erkennt einen Trend: Drohnen wirken nicht nur als Aufklärungs- oder Unterstützungswerkzeug, sondern verändern die Art, wie Einheiten Risiken planen. Die US-Armee greift diese Erfahrung gezielt in der Ausbildung auf und verlagert den Schwerpunkt weg von seltenen, besonders teuren Vorführsystemen hin zu einer „Munitionslogik“ für Robotik. In einem Kräftemessen als War Game ließ ein Kommandeur der 101st Airborne Division seinen Hauptverantwortlichen anweisen, eine befestigte Schützengrabenlinie mit robotischen Mitteln zu durchbrechen. Der praktische Kern: Erst wird die elektronische Kampfumgebung gestört, dann werden Zielpunkte mit einer großen Zahl kleiner Einweg-Drohnen angegriffen – inklusive Folgeaufgaben wie Rauchschleier und das Räumen erkannter Gefahrenzonen.

Technisch beschreibt die Einheit dabei ein Vorgehen, das mehrere Rollen in einem Systemverbund abbildet. Der Ausgangspunkt war ein als „Mother Ship“ umgebautes unbemanntes Trägersystem, das größere Funktionsblöcke mit kleineren Drohnen kombiniert und diese gezielt absetzt. In der Übung wurden laut Bericht 25 Einweg-Angriffsdröhnen eingesetzt, um Bunker und Maschinengewehrstellungen zu treffen; parallel kam eine Drohne zum Einsatz, um einen Rauchschirm zu erzeugen. Zusätzlich wurde ein unbemanntes Fahrzeug zum Detonieren von Landminen verwendet. Insgesamt kam die beteiligte Komponente auf etwa 35 Drohnen und eine kleine Menge an Sprengstoff, der in dieser Schilderung mit „etwas über 100 Pfund“ einer C4-ähnlichen Ladung angegeben wird. Damit verschiebt sich die Perspektive: Nicht die einzelne Plattform steht im Mittelpunkt, sondern die Beherrschbarkeit eines ganzen Ablaufs unter realistischen Störbedingungen.

Damit Training in dieser Form funktioniert, muss die Beschaffung und der Betrieb mitspielen. Das Problem ist aus Sicht der US-Seite nicht die grundsätzliche technologische Führungsrolle, sondern die Fähigkeit, sehr viele vergleichsweise günstige Systeme dauerhaft verfügbar zu machen. Für Einsätze in den vergangenen Jahren habe man zwar an Drohnentechnik gearbeitet, doch die Beschaffungsprozesse tendierten eher zu „exquisiten“ und damit teuren Lösungen. Als Gegenmaßnahme floss laut Bericht im Jahr 2025 rund 1 Milliarde US-Dollar in eine „Drone Dominance Initiative“, deren Ziel es ist, bis 2027 mehr als 200.000 kleine, kostengünstige „consumable“ Drohnen zu kaufen. Zur Einordnung wird zugleich ein Vergleich genannt, wie viele kleine Angriffsdrohnen pro Monat in einem anderen Konfliktumfeld gefertigt werden – das verdeutlicht, dass Stückzahlen, Nachschub und Austauschrate für das Training genauso entscheidend sind wie Sensorik oder Funkreichweite.

Gleichzeitig wirkt sich Sicherheits- und Regulatorik-Realität direkt auf die Hardwarekette aus. Laut Bericht haben Bedenken hinsichtlich möglicher Spionage dazu geführt, dass die US-Seite billige Komponenten aus China untersagt, obwohl viele Hersteller diese nutzen, um Kosten niedrig zu halten. Genau dieser Punkt ist doppelt relevant: Er erhöht zwar die Kontrolle über Lieferketten und vermeidet bestimmte Risikoprofile, treibt aber auch die Preise für Anbieter und damit für die Beschaffung in die Höhe. Auch im Trainingsbetrieb gibt es reale Grenzen. So hat die US-Luftfahrtbehörde für einen Bereich um Fort Hancock in Texas zeitweise einen Flugstopp aus „besonderen Sicherheitsgründen“ erlassen; das betroffene Gebiet lag laut Beschreibung rund 50 Meilen von Fort Bliss entfernt. Diese Mischung aus Cyber- und Funkrisiken einerseits sowie Luftraumvorgaben andererseits sorgt dafür, dass „realitätsnahe“ Übungen zwar möglich sind, aber eine präzise Abstimmung brauchen.

In den Abläufen selbst wird außerdem sichtbar, wie stark KI-gestützte Planung an praktische Grenzen stößt. Die Einheit fütterte Trainings- und Doktrindokumente sowie zehntausende Berichte aus Drohnensensorik in KI-Systeme, um sich ein Bild der Lage zu generieren. Das Ergebnis war ernüchternd: Die KI habe den dreidimensionalen Raum nicht „wirklich“ verstanden und sei deshalb nicht zuverlässig für die Missionplanung gewesen. Trotzdem habe KI eine Rolle im „red teaming“ gespielt, also beim gezielten Simulieren von Gegnern, um blinde Zonen zu finden und Trainingslücken aufzudecken. Zusätzlich wird der physische Betrieb anspruchsvoll: Drohnen sind anfällig für Funkstörungen, brauchen laufendes Laden, und selbst Signaturen wie thermische Emissionen oder elektromagnetische Signale können Rückschlüsse auf Standorte erlauben. Deshalb setzten die Teams auf mobile Leitstellen aus mehreren Geländefahrzeugen und Tarnmaßnahmen, wechselten Standorte in kurzen Intervallen und verzichteten nach der Darstellung explizit auf Wi‑Fi, um die Funkspur so klein wie möglich zu halten.

Für die nächste Stufe der Skalierung ist auch die „Industrialisierung“ der Drohne entscheidend. In der Übung kam ein kleines System namens A101 zum Einsatz, dessen Herstellungskosten in der Schilderung mit etwa 750 US-Dollar angegeben werden; zentrale Bauteile wie Rahmen, Sprengsatz und Zünder sollen demnach vor Ort per 3D-Druck gefertigt worden sein. Ein weiterer Punkt zeigt, dass auch der Weg vom Prototyp zur Standardkomponente bürokratisch ist: Nachdem eine ausländische Prozessoreinheit erkannt wurde, befindet sich das Modell laut Bericht inzwischen auf einer freigegebenen Liste des US-Verteidigungsministeriums. Der praktische Satz, der daraus folgt, lautet: Transformation passiert nicht nur im Labor, sondern im Feld – dort, wo Treiber, Energieversorgung, Tarnung und Nachschub zusammenkommen. Für Unternehmen, die an Drohnenkomponenten, KI-gestützter Auswertung, Print-fähiger Mechanik oder robusten Kommunikations- und Störschutzmechanismen arbeiten, bedeutet das vor allem eins: Produkte werden nicht nur nach Leistungsdaten bewertet, sondern nach ihrer Alltagstauglichkeit in einer Ausbildungs- und Einsatzkette, die schnell, austauschbar und in hohen Stückzahlen funktionieren muss.


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