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VIRGINIA BEACH / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Navy will ihre Drohnenboote (MUSVs) stärker in Übungen und Zertifizierungen verankern, damit Kommandanten sie zuverlässig in Tailored Mission Packages nutzen. Admiral James Kilby verwies auf einen ersten operativen Einsatz mit der Roosevelt Carrier Strike Group als Beispiel für das Normalisieren unbemannter Assets. Parallel baut die Navy mit dem Robotic and Autonomous Systems Warfighting Development Center eine strukturelle Drehscheibe für das Zusammenspiel mit Robotik- und Autonomie-Systemen. Damit verschiebt sich der Fokus vom reinen Beschaffungstempo hin zu Ausbildung, Governance und einem nachhaltigen Einsatzplan.

US Navy setzt auf mehr MUSV-Einsätze: Training, Zertifizierung und RASWDC
US Navy setzt auf mehr MUSV-Einsätze: Training, Zertifizierung und RASWDC (Foto: IT BOLTWISE)
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Die US Navy treibt den Ausbau unbemannter Fähigkeiten auf See nicht nur über neue Plattformen voran, sondern vor allem über deren Integration in den operativen Alltag. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Medium Unmanned Surface Vessels, kurz MUSVs: Diese mittelgroßen unbemannten Überwasserfahrzeuge sollen in persistierend stationierten Aufgabenbereichen auftauchen und sich zugleich als Baustein in modularen, von Kommandanten zusammengestellten Mission Packages einsetzen lassen. Genau an dieser Schnittstelle, also dem Weg von der Technik zur Routine im Verband, gab Admiral James Kilby in einer Anhörung vor einem vom Kongress autorisierten Gremium neue Einblicke.

Kilby, vice chief of naval operations, machte dabei deutlich, dass die Navy die MUSV-Fähigkeit künftig stärker an den Zertifizierungs- und Trainingspfad der bemannten Einheiten koppeln möchte. In dem von ihm beschriebenen Szenario sollen MUSVs Teil von Proficiency-Tests sein, mit denen Schiffe nachweisen, dass sie für verschiedene Einsätze und Einsatzräume qualifiziert sind. Die Logik dahinter ist konkret: Wer eine Fähigkeit im Gefecht nutzen soll, muss sie zunächst in einer Übungs- und Abnahmeumgebung „greifbar“ demonstrieren, nicht nur theoretisch kennen. Kilby knüpfte das Argument an den jüngst erfolgten Einsatz eines MUSV im Zusammenhang mit der USS Theodore Roosevelt Carrier Strike Group, den er als ersten operativen Einsatz für die Plattform einordnete, und leitete daraus ab, dass unbemannte Assets nach und nach als selbstverständlicher Bestandteil von Operationen gelten sollen.

Während der operativen Normalisierung geht es gleichzeitig um den Aufbau eines belastbaren Programms für Aufbau, Verteilung und Fähigkeitseinsatz. Erwartet wird, dass die Navy bis zum Ende des Fiskaljahres 2027 die ersten formal ausgelieferten 30 MUSVs erhält. Damit wächst die Zahl der einsatzfähigen Einheiten deutlich: Aktuell betreibt die Navy vier MUSVs, die zunächst als Testplattformen entstanden und später an den Dienst übergeben wurden. Schon im vergangenen Monat hatte die Navy zudem drei Unternehmen ausgewählt, um insgesamt 30 dieser Fahrzeuge zu bauen. Zeitlich betrachtet fällt die Beschaffungsdynamik auf den Schritt, den das Programm zuvor gemacht hatte: Nachdem die Navy den MUSV-Ansatz beschleunigt hatte, wurde die Entwicklung gezielt darauf ausgerichtet, die Drohnenboote als integralen Bestandteil des „Golden Fleet“-Konzepts zu behandeln.

Damit Training und Governance nicht hinter der Hardware herlaufen, hat die Navy außerdem eine neue Organisationseinheit geschaffen: das Robotic and Autonomous Systems Warfighting Development Center (RASWDC) am Joint Expeditionary Base Little Creek-Fort Story in Virginia Beach. Kilby ordnete das Zentrum in eine Linie mit dem Navy Fighter Weapons School-Konzept ein, das auch als „Top Gun“ bekannt ist, und formulierte das Ziel, MUSVs als zertifizierbares Element innerhalb des Flotteneinsatzes zu positionieren. Die praktische Umsetzung beschreibt er so, dass das Zentrum die „Tailored Force Package“-Zusammenstellung übernimmt, falls MUSVs mit weiteren robotischen und autonomen Systemen zusammenarbeiten. Für die Navy ist das mehr als ein organisatorischer Name: Es legt fest, wie man Fähigkeiten bewertet, Verantwortlichkeiten zwischen Manning, Training und Einsatzplanung abgrenzt und sicherstellt, dass die erhaltenen Systeme auch tatsächlich in die eigene Einsatzlogik einfließen.

Kilby zeigte dabei auch klar, dass nicht alles „fertig vorbereitet“ sei. Er erklärte, er sei mit dem Stand der Vorbereitungen auf die bald anstehenden MUSVs nicht zufrieden, äußerte aber zugleich Vertrauen, dass die Navy die nötige Governance und Struktur bereitstellen könne. Gerade dieser Punkt wirkt in der Praxis entscheidend: Selbst wenn modulare Nutzlasten verschiedene Rollen ermöglichen – von Aufklärung und Überwachung bis hin zu als steuerbare Waffenplattformen verstandenen Trägermodels – bleibt die Frage, wie Kommandanten die Systeme zuverlässig im Gefechts- und Ausbildungsalltag anfordern, einsetzen und bewerten. Ohne einen nachhaltigen Plan kippt die Fähigkeit häufig in Projektlogik: einzelne Vorführungen funktionieren, aber der Skalierungs- und Routineeffekt bleibt aus.

Aus technischer Sicht ist diese Schwerpunktsetzung nachvollziehbar. Modular gedachte Nutzlasten bedeuten zwar mehr Flexibilität, verlangen jedoch auch ein sauberes Zusammenspiel von Sensorik, Kommunikation, Missionsplanung und Einsatzregeln über die gesamte Kette hinweg. In der Formulierung „force development“ und „employment“ steckt genau diese Ausweitung: Die Navy will über das Konzept-of-operations hinausgehen und den Weg definieren, wie die Fähigkeit dauerhaft verfügbar gemacht wird, wenn sie benötigt wird. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die allgemeine Lage der unbemannten Systeme, dass die Navy zwar beim Training Fortschritte gemacht hat, aber noch „Boden gutmachen“ muss, um die Systeme als integrierten Teil der Flotte zu verankern. Für Unternehmen, die an Komponenten, Software oder Systemintegration arbeiten, heißt das: Die größte Nachfrage entsteht nicht nur bei Bau und Lieferung, sondern bei den Schnittstellen, die ein wiederholbares Training und eine planbare Einsatzfähigkeit ermöglichen.

In Summe verschiebt die US Navy damit den Schwerpunkt vom Beschaffungstempo zur operativen Einbettung. Die Kombination aus erwarteten ersten Auslieferungen bis Ende 2027, dem Ausbau einer eigenen Warfighting-Entwicklungsdrehscheibe am Standort Virginia Beach und dem expliziten Ziel, MUSVs in Zertifizierungsübungen zu integrieren, zeigt eine klare Strategie: Unbemannte Systeme sollen nicht als Nebenstory laufen, sondern als Teil des „Normalbetriebs“ im Verband. Für die nächsten Monate wird daher weniger die Frage im Vordergrund stehen, ob MUSVs technisch funktionieren, sondern ob Governance, Trainingscurricula und Einsatzpakete so skalieren, dass aus einzelnen Einsätzen eine belastbare Betriebskette wird.

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