HAWAII / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Navy hat ihre Global Autonomous Reconnaissance Craft (GARC) erstmals in einem Live-Feuertraining eingesetzt. Im Rahmen eines SINKEX während RIMPAC ließ die Marine zwei ehemalige Kriegsschiffe vor Hawaii versenken und zeigte dabei den Einsatz des USV. Sarah Weinstein, Kommandantin der Unmanned Surface Vessel Division 32, ordnet die Ausführung der eigenen Division zu. Damit rückt die nächste Stufe von Sea-Drones als praxisrelevante Sensor- und Missionsplattform näher an den Regelbetrieb heran.

Die US Navy beschleunigt erkennbar den Weg von unbemannten Seeplattformen aus der Testumgebung hin zu operativ nutzbaren Einsatzszenarien. Kurz nachdem die US Central Command drei unbemannte Oberflächenfahrzeuge des Typs Corsair für einen Angriff auf ein U-Boot sowie eine Instandhaltungsanlage am Marinestützpunkt Bandar Abbas eingesetzt hatte, bestätigte die Navy nun ihr erstes Live-Feuertraining mit der Global Autonomous Reconnaissance Craft (GARC). Für die Entwicklung unbemannter Marinefähigkeiten ist genau diese Lücke entscheidend: Nicht nur ein „Mission-Running“ im Hafen oder auf einem begrenzten Trainingsfeld, sondern ein abgesicherter Ablauf unter realitätsnahen Bedingungen, bei dem Plattform, Sensorik und Handhabung gemeinsam funktionieren müssen.
Als konkreten Rahmen wählte die Marine das bienniale Rim of the Pacific Exercise (RIMPAC) und darin eine SINKEX-Übung, bei der Schiffe gezielt versenkt werden. Zwei ehemalige US-Schiffe wurden dafür vor der Küste von Hawaii unter Wasser gebracht: der amphibische Angriffsschiff-Typ USS Peleliu sowie der Kreuzer USS Mobile Bay. Die zeitliche Einordnung ist dabei besonders relevant für das Verständnis der Erprobung: Am 17. Juli fand das Versenken statt, am 24. Juli veröffentlichte die Navy zusätzlich ein Video, das den Moment zeigt, in dem das USV das Wrack der USS Peleliu ansteuert. Damit wird die GARC nicht lediglich als „mitgeführte Plattform“ betrachtet, sondern als aktiver Bestandteil des Ziel- und Missionsablaufs in der Übungskette.
Die personelle und organisatorische Einordnung kommt von Sarah Weinstein, einer Surface-Warfare-Officer, die als erste Kommandantin die Unmanned Surface Vessel Division 32 führt. Weinstein bestätigte, dass USVDIV-32 hinter der Ausführung des ersten GARC-Live-Feuers steht. Ihr Hinweis, das Team habe „mit Präzision“ umgesetzt, und sie hätten dabei Perspektiven auf die ehemalige USS Peleliu geliefert, die im SINKEX-Kontext sonst oft nicht dokumentiert würden, unterstreicht vor allem den operationalen Charakter der Übung: Das USV liefert eine neue Beobachterrolle um den Zielbereich herum, statt nur im Hintergrund zu bleiben. Für Unternehmen und Entwickler in der KI- und Robotik-Lieferkette ist das eine indirekte Nachricht, denn solche Abläufe testen neben Hardware und Funk auch die Übungsfähigkeit der Entscheidungslogik und der Betriebspraxis.
Technisch wird die GARC von BlackSea Technologies aus Baltimore entwickelt. Die Firma beschreibt das System als „most proven tactical sUSV on the water“ und nennt als Eckdaten eine Nutzlastkapazität von bis zu 1.000 Pfund sowie eine Reichweite von 700 nautischen Meilen bei einer Geschwindigkeit von 22 Knoten. Auffällig ist außerdem das Architekturversprechen: Die Plattform soll modulare Payload-Flexibilität mit fortgeschrittener Autonomie und „rugged endurance“ verbinden. In der Praxis bedeutet das, dass die Marine nicht nur eine einzelne Mission ausführt, sondern eine Konfigurationsfamilie betreibt, bei der Sensoren und Funk-/Missionsmodule je nach Lage austauschbar oder erweiterbar sind. Auch für KI-Entwicklung ist das relevant, weil autonome Navigation und zielbezogene Verhaltensweisen häufig stark an die verfügbaren Sensorquellen gekoppelt sind.
Hinzu kommt das Betriebsmodell: Laut Beschreibung können Operatoren die Fahrzeuge einzeln steuern oder als Schwarm einsetzen. Die Ansteuerung kann manuell erfolgen, alternativ soll das System auf ein Ziel, dem es folgen soll, über Radarunterstützung reagieren können. Genau an dieser Stelle wird verständlich, warum die Navy die GARC gerade in einem Versenkungs-Szenario „stressfest“ prüft: Radarbasierte Verfolgung und die Abstimmung mehrerer Einheiten erfordern konsistente Datenverarbeitung, robuste Funk-/Link-Strategien und stabile Entscheidungsabläufe. Historisch betrachtet sind unbemannte Oberflächenfahrzeuge seit Jahren Teil von Demonstrationen, aber die Nachhaltigkeit im realen Betrieb scheitert oft weniger an der reinen Bewegungsfähigkeit als an der Integration von Zielverhalten, Sensorik, Betriebsregeln und Sicherheitslogik – und genau diese Punkte werden bei einem Live-Training sichtbarer.
Die Navy hat die GARC nicht erst seit dem Juli-Versuch auf dem Radar, sondern ordnete das System bereits früher in die Entwicklungsplanung ein. Im August 2025 kündigte die Marine an, sie experimentiere mit der Global Autonomous Reconnaissance Craft, um Marineoperationen zu unterstützen. Erst im letzten Monat nutzte USVDIV-32 die Plattform außerdem im Rahmen von Exercise BALTOPS 2026, einem der wichtigsten maritimen Trainingsformate der NATO. In Kombination mit Weinstein’s Aussage aus dem Juni, man befinde sich „am Anfang“ und wisse noch nicht, wohin die Entwicklung als Nächstes genau führt, ergibt sich ein klarer Eindruck: Die Fähigkeit wird schrittweise von begrenzteren Rollen hin zu breiteren Missionen erweitert – von Begleitschutz und Überwachung bis hin zu Aufklärung und Maritime-Domain-Awareness. Dass das System dabei bereits in einer einzigen Plattform den Handlungsspielraum ausweiten soll, zeigt, wie eng Fähigkeitsentwicklung und KI-gestützte Entscheidungsunterstützung inzwischen miteinander verknüpft sind.
Mit der dokumentierten Beteiligung am SINKEX der USS Peleliu überschreitet die GARC nach dem bestätigten Live-Feuertraining einen wichtigen Meilenstein ihrer Erprobung. Der nächste Schritt Richtung operativer Einsatz bedeutet in der Regel nicht, dass „alles auf einmal“ freigeschaltet wird, sondern dass die Navy die Betriebsverfahren festzieht: vom taktischen Einsatzprofil über die Trainingslast bis zur Frage, wie sich Autonomie- und Schwarmfunktionen im Zusammenspiel mit bemannten Einheiten bewähren. Für die Branche ist das zugleich eine Chance: Wer KI- und Robotik-Komponenten für Marineumgebungen liefert, bekommt mit solchen Übungen reale Anforderungen an Robustheit, Datenqualität und Integrationsfähigkeit gespiegelt. Bis zur breiteren Einsatzreife bleibt aber entscheidend, wie konsistent die GARC unter unterschiedlichen See- und Stressbedingungen arbeitet – und wie gut sich das System in konkrete Einsatzketten integrieren lässt.
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