BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Audio- und audiovisuellen Medienumsätze in Deutschland sollen 2026 auf 16,3 Milliarden Euro steigen. Laut VAUNET wächst das Geschäft um 1,8 Prozent gegenüber 2025, getragen allein von steigenden Video- und Audio-Streamingerlösen. Streaming erreicht 2026 erstmals mehr als die klassischen Mediengattungen und überschreitet zugleich die 50-Prozent-Marke beim Anteil am Werbemarkt. Gleichzeitig verlieren TV- und Radiowerbung weiter an Volumen, während ein wachsender Teil der Streaming-Werbeumsätze bei großen globalen Plattformen landet.

Die private Medienbranche in Deutschland verschiebt ihr Erlösmodell spürbar weg von linearen Formaten: In der VAUNET-Prognose für 2026 heißt es, dass die Audio- und audiovisuellen Medienumsätze auf 16,3 Milliarden Euro wachsen sollen. Das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent gegenüber 2025 (16,0 Milliarden Euro) und ist in den Zahlen klar getrennt nach Erlösarten. VAUNET rechnet für 2026 dabei mit rund 7,8 Milliarden Euro aus Nutzungsentgelten für Bezahlangebote, 6,4 Milliarden Euro aus Werbeumsätzen sowie 2,2 Milliarden Euro aus Teleshopping. Entscheidend ist aber weniger die Gesamtsumme als die Verteilung: Das prognostizierte Wachstum kommt laut Statistik ausschließlich aus Video- und Audio-Streamingerlösen.
Besonders sichtbar wird die Zäsur beim Blick auf die Erlöse, die 2026 erstmals die klassischen Mediengattungen übertreffen. VAUNET beziffert den Anteil der Streamingerlöse aus Nutzungsentgelten und Werbung auf 52 Prozent – damit liegen diese Streamingerlöse bei 8,6 Milliarden Euro. 2019 lag ihr Anteil erst bei 26 Prozent, was die Beschleunigung der Transformation über die Jahre hinweg unterstreicht. Damit ändert sich nicht nur, wo Unternehmen Geld verdienen, sondern auch, wie sich Wertschöpfungsketten organisieren: Wer früher stärker über lineare Reichweitenmodelle kalkulierte, muss heute zwischen Abo-Erlösen, werbefinanzierten Streaming-Angeboten und hybriden Formaten balancieren.
Auch beim Werbemarkt zeigt die Prognose eine klare Dynamik. Der Gesamtwert der Werbeumsätze aus Audio- und Bewegtbildangeboten soll 2026 auf 6,4 Milliarden Euro steigen – um 1,8 Prozent gegenüber 2025 (6,3 Milliarden Euro). Gleichzeitig verschiebt sich der Mix deutlich: Der Streaming-Werbemarkt wächst auf 2,7 Milliarden Euro (2025: 2,4 Milliarden Euro) und erreicht damit rund 42 Prozent Anteil. Für die Audio-Schiene erwartet VAUNET netto rückläufige Umsätze in Höhe von insgesamt minus 3,4 Prozent auf etwa 783 Millionen Euro. Innerhalb dieses Segments sinkt Radiowerbung um 6 Prozent auf rund 636 Millionen Euro, während Streaming-Audiowerbung zweistellig um 10 Prozent auf 147 Millionen Euro zulegt; dadurch steigt der Streaming-Anteil an der Audiowerbung auf 19 Prozent (2025: 16 Prozent).
Im Bewegtbildbereich wird der Trend noch deutlicher: VAUNET rechnet für 2026 mit einem Anstieg der Netto-Umsätze im Segment Bewegtbildwerbung um 2,5 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro. Fernsehwerbung soll dabei um 6 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zurückgehen, während Streaming-Videowerbung zweistellig um 15 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro wächst. Der Streaming-Anteil an der Bewegtbildwerbung erreicht damit 45 Prozent (2025: 41 Prozent). Besonders aufmerksam macht in der Prognose die Verteilung innerhalb des Streaming-Werbegeschäfts: 72 Prozent der Streaming-Werbeumsätze mit insgesamt 2,5 Milliarden Euro entfallen auf vier globale Big-Tech-Plattformen – mit steigender Tendenz. Diese Konzentration der Werbeerlöse verschärft die Verhandlungslage für private Anbieter, weil Budgets immer stärker dort landen, wo Plattformökosysteme Reichweite, Messung und Zielgruppenansprache bündeln.
Parallel steigen auch die Umsätze mit entgeltpflichtigen Inhalten: Laut VAUNET-Prognose sollen die Erlöse 2026 um 2,3 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro wachsen, während Pay-TV um 4 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurückgeht. Für bezahlte Video-Abrufinhalte (Paid Video on Demand) wird ein weiteres Plus um 4,5 Prozent auf rund 3,7 Milliarden Euro erwartet. Auf der Audio-Seite nennt VAUNET für Paid Audio ein Wachstum um 5 Prozent auf etwa 2,2 Milliarden Euro; der Streaming-Anteil im Bereich der entgeltpflichtigen Audio- und Bewegtbildangebote liegt bei 75 Prozent (2025: 74 Prozent). Teleshopping bleibt derweil mit 2,2 Milliarden Euro stabil auf Vorjahresniveau – ein Hinweis darauf, dass nicht jede Nutzungsform gleich stark vom Streaming-Sog erfasst wird, sondern dass das Publikum selektiv zwischen Formaten wechselt.
Für Unternehmen und Entscheider in der Medien- und Tech-Umgebung folgt daraus eine pragmatische Schlussfolgerung: Wer monetarisieren will, muss die technischen Grundlagen für Streaming-Qualität, Reporting und Abrechnung zunehmend als strategische Kompetenz behandeln. Denn wenn Streaming sowohl bei Nutzungsentgelten als auch bei Werbung den Takt vorgibt, verschiebt sich der Fokus bei Plattform-Integration, Abonnement-Logik, Daten- und Messmodellen sowie bei der Fähigkeit, Kampagnen in veränderten Umsatzströmen zuzuordnen. Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit wächst damit gleichzeitig der politische Handlungsdruck: VAUNET argumentiert, dass Wachstum im Medienmarkt nicht automatisch Vielfalt und demokratische Öffentlichkeit stärkt, wenn sich die Wertschöpfung bei globalen Plattformen konzentriert. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Reichweite, Datenzugriff und Erlösverteilung entscheidet sich, wie robust der digitale Wandel für private Medienanbieter ausfällt.
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