LONDON (IT BOLTWISE) – Venus sinkt im September jeden Abend tiefer in den Sonnenuntergang hinein und wird bis Ende des Monats deutlich schwieriger zu sehen. Der Abschied kommt allerdings nicht ohne Plan: Am 7. September steht die Venus rund 1¼ Stunden nach Sonnenuntergang am Himmel, am 18. September erreicht sie bei -4,8 ihre größte Helligkeit. Danach wird das Zeitfenster immer kürzer, und Ende September ist Venus bereits nur noch etwa 35 Minuten nach Sonnenuntergang auszumachen. Rechtzeitig umschalten lohnt sich: Mit der zweiten Oktoberhälfte kommt die Zeit für Venus am Morgenhimmel zurück.

Venus verschwindet am Abendhimmel: So sehen Sie sie bis Ende September
Venus verschwindet am Abendhimmel: So sehen Sie sie bis Ende September (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer gerade den „Abendstern“ als festen Bestandteil seiner Himmelsbeobachtung etabliert hat, bekommt im September eine harte, aber gut kalkulierbare Umstellung. Venus rutscht nach und nach tiefer in den Glutbereich des Sonnenuntergangs und wechselt damit schrittweise ihren Auftritt: Vom auffälligen Abendobjekt wird sie zur kommenden Saison wieder zum Morgenstern. Für viele lohnt sich dennoch ein letzter Kontrollblick, denn die auffällige Phase ist nicht einfach „weg“, sondern wird jeden Abend durch zwei konkrete Faktoren enger: den sinkenden Winkel über dem Horizont und die verkürzte Zeitspanne nach Sonnenuntergang.

Der Rhythmus dahinter wirkt auf den ersten Blick fast mystisch, ist aber dynamisch sehr regelmäßig. Venus umrundet die Sonne auf einer Bahn, die aus unserer Perspektive eine wiederkehrende Schleifenbewegung am Himmel zeichnet. Laut Beschreibung des aktuellen Zyklus ergibt sich daraus über acht Erdenjahre ein Muster von fünf großen Schleifen, weil Venus in dieser Zeit 13 Umläufe absolviert. Für Himmelsbeobachter ist das seit jeher ein wiedererkennbares „Venus-Jahr“; auch antike Kulturen wie die Azteken und Mayaner sollen diese Regelmäßigkeit genutzt haben. Auffällig ist außerdem, dass das aktuelle Muster 2026 dem von 2018 sehr nahekommt – mit einer Abweichung von lediglich etwa zwei Tagen.

In der Praxis entscheidet im September vor allem die Helligkeit im Verhältnis zum Restlicht des Himmels. Venus bleibt zwar den ganzen Monat präsent, „wandert“ aber konsequent tiefer Richtung Südwesthorizont. Wenn die Horizontlinie frei ist und das Wetter mitspielt, lassen sich die besten Chancen an wenigen Abenden besonders gut festmachen: Am 7. September geht Venus rund 1¼ Stunden nach Sonnenuntergang unter (bezogen auf den Beobachtungstag). Am 14. September lohnt sich ein Blick tief im West-Südwest: In einem Zeitfenster von 30 bis 45 Minuten nach Sonnenuntergang steht dort auch ein zunehmender Sichelmond, etwa 5½ Grad links von Venus. Am 18. September erreicht Venus ihre größte Leuchtkraft, angegeben mit der Größenklasse -4,8, nahe am Horizont. Gegen Ende des Monats ist die Sache jedoch deutlich weniger komfortabel: Venus setzt dann nur noch etwa 35 Minuten nach Sonnenuntergang.

Dass die Ausblicke dieses Jahr trotzdem „gedämpft“ wirken, liegt an der Verschiebung des idealen Beobachtungszeitraums. Üblicherweise gelten die Wochen zwischen dem Zeitpunkt größter Elongation und der größten Helligkeit als Premiumphase, weil Venus dann nicht nur hell ist, sondern auch klar genug über dem Dämmerlicht steht. Für diese Opposition wird aber beschrieben, dass Venus für Abendbeobachter deutlich länger niedrig im Restglühen bleibt, anstatt in eine dominante Position aufzusteigen. Ein konkreter Vergleich aus der Beobachtungsperspektive: Die besten Ansichten wurden im Juni erzielt, als Venus teilweise bis etwa 23 Uhr sichtbar blieb; danach kommt sie jeweils früher aus dem Dämmerlicht heraus. Schon um den 15. August herum – zur Abendphase der größten scheinbaren Entfernung östlich von der Sonne – zeigt sich Venus nicht mehr lange, bevor das abendliche Zwielicht wieder dominiert.

Für Menschen in mittleren nördlichen Breiten wirkt das finale „Abtauchen“ besonders spürbar. Um etwa 40 Grad nördlicher Breite beträgt der Höhenwinkel der Venus zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs Ende September nur rund 5½ Grad über dem Südwesthorizont. Umgerechnet ist das in der Bildsprache mehr oder weniger „knapp über der Handfläche“: ungefähr halb so breit wie die Faust, die man mit ausgestrecktem Arm hält. Gleichzeitig ist das ein ästhetisches, aber empfindliches Ziel. Wer mit dem Auge arbeitet, muss mit Zittern durch Turbulenzen und mit dem flächigen Restlicht der Dämmerung leben; wer mit Fernglas oder Teleskop schaut, sieht dafür eine besonders charakteristische Phase.

Im Teleskop zeigt Venus in dieser Zeit eine immer schmaler werdende Sichel. Das liegt daran, dass die beleuchtete Seite aus unserer Sicht weniger Fläche zeigt, während die Grenze zwischen Tag- und Nachtseite sichtbar „zusammenschnurrt“. Die scheinbare Sichel wird damit dünner und länger, und aus dem runden „Planetenlicht“ wird ein zarter, gebogener Lichtbogen. Mit sehr stabiler Hand oder einem sorgfältig justierten Fernglas kann man in den kommenden Wochen sogar die Form erahnen, allerdings wird die geringe Höhe über dem Horizont das Bild regelmäßig flimmern und weichzeichnen. Genau hier zahlt sich Ausdauer aus: Ein paar Minuten Beobachtungszeit bei ruhiger Luft bringen oft mehr als ein hektischer Blick, weil Venus dann in kurzen Momenten klarer „steht“.

Ab der ersten Oktoberwoche ist dann der Wechsel komplett: Bis zum Ende der ersten Woche verschwindet Venus aus dem Abendhimmel. Der nächste „Knotenpunkt“ ist die sogenannte untere Konjunktion am 24. Oktober, bei der Venus etwa 6 Grad südlich der Sonne vorbeizieht. In der direkten Folge ist sie weder am Abend noch am Morgen leicht zu greifen, weil die Nähe zur Sonnenscheibe die Beobachtung stark erschwert. Doch die gute Nachricht lautet: Venus bleibt nicht lange weg. Bereits im November reappears vor Tagesbeginn als neues Morgen-Setup; zur Winterzeit steigt sie dann wieder deutlich hoch im Osten auf – als „Christmas Star“, der mehr als zwei Stunden vor Tagesanbruch aufgeht und sogar bis zu fast vier Stunden vor der Sonne sichtbar sein kann. Joe Rao, der als Dozent und Gastvortragender am Hayden Planetarium in New York tätig ist, beschreibt diese saisonale Rückkehr als passenden Übergang von der Abend- zur Morgenphase – und genau dieses Timing macht die Beobachtung im Alltag planbar.


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