LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Forschungen zeigen, dass längere Aufenthalte im Weltraum das Gehirn von Astronauten erheblich beeinflussen können. Diese Veränderungen könnten bei zukünftigen Langzeitmissionen von Bedeutung sein, insbesondere da die Raumfahrt über professionelle Astronauten hinausgeht.

Die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper sind seit langem ein Thema der Forschung, doch eine neue Studie hat nun spezifische Veränderungen im Gehirn von Astronauten nach Raumflügen aufgedeckt. Diese Veränderungen betreffen die Position des Gehirns im Schädel, das sich nach einem Aufenthalt im Weltraum nach oben und hinten verschiebt. Interessanterweise sind diese Verschiebungen umso ausgeprägter, je länger der Aufenthalt im All dauert.
Auf der Erde sorgt die Schwerkraft dafür, dass Flüssigkeiten im Körper, einschließlich des Gehirns, nach unten gezogen werden. Im Weltraum fehlt diese Kraft, was dazu führt, dass sich Körperflüssigkeiten, einschließlich der Gehirnflüssigkeit, in Richtung Kopf verlagern. Dies kann zu einem geschwollenen Gesicht bei Astronauten führen. Unter normalen Bedingungen auf der Erde erreichen das Gehirn, die Gehirnflüssigkeit und die umliegenden Gewebe ein stabiles Gleichgewicht. In der Mikrogravitation des Weltraums verändert sich dieses Gleichgewicht jedoch erheblich.
Die Forscher analysierten MRT-Scans von 26 Astronauten, die unterschiedlich lange im Weltraum verbracht hatten, von wenigen Wochen bis über ein Jahr. Durch den Vergleich von Scans vor und nach dem Raumflug konnten sie die Verschiebung des Gehirns relativ zum Schädel messen. Anstatt das Gehirn als ein einziges Objekt zu betrachten, wurde es in über 100 Regionen unterteilt, um die Verschiebungen in den einzelnen Bereichen zu verfolgen. Diese Methode ermöglichte es, Muster zu erkennen, die bei der Betrachtung des gesamten Gehirns übersehen wurden.
Die Ergebnisse zeigten, dass das Gehirn nach einem Raumflug konsistent nach oben und hinten verschoben war. Besonders auffällig war, dass bei Astronauten, die etwa ein Jahr auf der Internationalen Raumstation verbracht hatten, einige Bereiche des Gehirns um mehr als 2 Millimeter nach oben verschoben waren. Diese Distanz mag gering erscheinen, ist jedoch im engen Raum des Schädels von Bedeutung. Die meisten dieser Verschiebungen normalisierten sich innerhalb von sechs Monaten nach der Rückkehr zur Erde, wobei die rückwärtige Verschiebung weniger Erholung zeigte.
Die Erkenntnisse dieser Studie sind besonders relevant im Hinblick auf die zukünftigen Pläne der NASA, längere Missionen im Weltraum durchzuführen. Während die Veränderungen im Gehirn keine unmittelbaren Gesundheitsrisiken darstellen, sind sie ein wichtiger Faktor für die Planung sicherer Raumfahrtmissionen. Die Forschung hilft dabei, die langfristigen Risiken besser einzuschätzen und mögliche Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
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