CHEYENNE / LONDON (IT BOLTWISE) – Colonel Jonathan Esses koordiniert als Air-Force-Liaison die enge Verzahnung zwischen dem Militär und den Cheyenne Frontier Days. In seiner Rolle als Verbindungsglied ermöglicht er, dass Fahrzeuge, Uniformregeln und Auftritte beider Seiten bei Fort D.A. Russell Days und der CFD zusammenlaufen. Besonders sichtbar werden die Traditionen: vom Abschuss historischer Geschütze bis zum gemeinsamen Engagement beim Dunk-Tank. Der Beitrag zeigt, wie viel Abstimmung hinter einem scheinbar „spielerischen“ Rahmenprogramm steckt.

Wenn ein Event nicht nur groß klingt, sondern auch mehrere Organisationen gleichzeitig abbilden soll, entscheidet sich die Qualität der Umsetzung selten an einer einzelnen Szene. Bei den Cheyenne Frontier Days (CFD) in Cheyenne steht genau diese Fähigkeit im Mittelpunkt: Militärische Einbindung und Zivilprogramm greifen ineinander, ohne ihre jeweilige Eigenlogik zu verlieren. Colonel Jonathan Esses, der als Air-Force Liaison die Militärgemeinschaft im Rahmen der CFD vertritt, beschreibt seine Aufgabe dabei bewusst nicht als klassisches „Entscheiden“, sondern als Koordinieren. Aus der Perspektive eines Außenstehenden wirkt das wie eine Nebenrolle; in der Praxis bedeutet es aber, dass Menschen, Ausrüstung und Abläufe so abgestimmt werden müssen, dass sich beide Welten gegenseitig unterstützen und gleichzeitig Sicherheits- und Prozessanforderungen respektieren. Dass solche Übergänge nicht zufällig funktionieren, zeigt sich unter anderem an der wiederkehrenden Nutzung militärischer Fahrzeuge und an der konkreten Abstimmung rund um Programmpunkte wie Color Guards oder Bands.
Technisch betrachtet beginnt die Arbeit für eine Liaison-Funktion dort, wo viele Details gleichzeitig „zusammengesetzt“ werden müssen: Planung von Zeitfenstern, Bereitstellung von Ressourcen, Abstimmung von Übergaben und eine konsistente Kommunikation zwischen Veranstalterseite und der Basis. Dass Esses dabei selbst als C-130-Pilot mit dem Callsign „T.U.T.“ startet, passt in das Rollenbild, denn in der Luftfahrt wird Erfahrung häufig in Strukturen übersetzt: klare Verantwortlichkeiten, saubere Prozeduren und belastbare Funktionsketten. Bei der CFD übersetzt sich das in einen Transfer von operativer Kultur in ein Festivalumfeld. Sein Bild vom „connective tissue“ zwischen den enormen Mengen an Base-Personal und dem großen Event macht deutlich, worauf es ankommt: nicht die große Geste, sondern das kontinuierliche Herstellen von Anschlussfähigkeit. Laut seiner Darstellung entsteht daraus auch ein praktischer Nutzen, weil das Militär und die CFD in vielen Punkten nicht nur „nebeneinander“ stehen, sondern Kosten und Aufwand teilen können – von benötigtem Material bis zu bestimmten Darbietungen, die bei beiden Formaten eine Rolle spielen.
Ein konkretes Beispiel für diese Verzahnung ist die Rolle von Fort D.A. Russell Days, das jährlich die frühen Tage der Basis F.E. Warren aufleben lässt. Dass in diesem Rahmen viele der gleichen militärischen Fahrzeuge zum Einsatz kommen, die auch bei der Eröffnung der CFD und in den Paraden auftauchen, ist mehr als eine freundliche Wiederverwendung: Es reduziert Schnittstellenrisiken und erleichtert eine gleichbleibende Erwartungshaltung bei Publikum und Beteiligten. Gleichzeitig erhöht es die Wahrscheinlichkeit, dass Traditionen nicht als isolierte Kulisse funktionieren, sondern als durchgängige Erzählung von Kontinuität. Genau diese Kontinuität findet man bei Esses’ Beschreibung des historischen Geschützes wieder: Das Ereignis habe seinen Ursprung in einer Cannon vom Fort D.A. Russell, während man in den neueren Jahren zwar auf eine Howitzer aus der Basis zurückgreift, die Tradition aber als Linie bestehen bleibt. Damit wird aus Technik im engeren Sinn – ein Geschütz, eine Bedienkomponente, eine Sicherheitsroutine – ein symbolischer Knotenpunkt, der die historische Verbindung zwischen Basis und Event sichtbar macht.
Im organisatorischen Alltag greift Esses außerdem in jene Programmfelder ein, in denen sich „Militär“ und „Bühne“ oft gegenseitig ergänzen müssen. Er habe, so seine Beschreibung, einen hands-on Anteil und helfe dabei, Anwendungen für Elemente wie Color Guards und Bands zu prüfen. Besonders anschaulich wird das an der Produktion für Auftritte: Brooks and Dunn würden beispielsweise darum bitten, dass militärische Mitglieder in Uniform auf der Bühne stehen. Für einen Außenstehenden klingt das wie eine reine Bildästhetik, doch in der Praxis erfordert es die Koordination von Uniformstandards, Timing und Rollenverteilungen zwischen den Akteuren. Dass Esses dabei zur Basis geht, um die Abstimmung mit Guard und Beteiligten zu koordinieren, zeigt die Arbeitsweise: Er übersetzt Anforderungen aus dem Entertainment-Kontext in umsetzbare Rahmenbedingungen innerhalb der Basiswelt. Auch das Ausstellen von Buckles – ebenfalls als Teil des „Support from the military side“ – wirkt wie eine kleine, aber wiederkehrende Komponente: Sie schafft Wertschätzung, ohne die Rolle der Liaison zu überschreiten.
Die Perspektive von Cheyenne wird bei diesem Thema zudem durch den Blick von Shelby Esses erweitert, die als Ehepartnerin ebenfalls regelmäßig die zahlreichen Veranstaltungen begleitet. Sie beschreibt die Erfahrung als Lernen einer „tight-knit community“, die man von außen zunächst erst verstehen müsse. Interessant ist dabei, dass diese Einordnung nicht auf eine einzelne Attraktion reduziert wird, sondern auf den Fortschritt innerhalb der zwei Jahre, in denen Colonel Esses vor Ort tätig war. Aus ihrer Darstellung entsteht eine Art soziotechnisches Bild: Eine mobile Militärlaufbahn trifft auf einen festen lokalen Kern, und genau dort entsteht Vertrautheit – in Form von vertrauten Gesichtern im Publikum, aber auch durch die sichtbare Bereitschaft von Freiwilligen, sich gegenseitig zu unterstützen. Für ein Eventmanagement ist das relevant, weil nachhaltige Freiwilligenstrukturen nicht nur „Stimmung“ erzeugen, sondern auch die operative Stabilität erhöhen: Wer weiß, wie man Aufgaben anpackt, kann schneller reagieren, wenn es im Tagesgeschäft zu Verzögerungen oder kurzfristigen Umstellungen kommt.
Dass die CFD-Atmosphäre diese Gemeinschaftslogik sichtbar macht, zeigen auch die Traditionen rund um Dunk Tanks. Colonel Esses erklärt, dass die „Heels“ senior Volunteers sind, die Expertenstatus in ihren jeweiligen Komitees repräsentieren; nur eine begrenzte Anzahl werde pro Jahr nominiert und in diese Gruppe gewählt. Die Heels sind damit nicht bloß ein organisatorisches Label, sondern Teil eines Rituals, das ehren soll, wie Freiwilligenarbeit über Zeit getragen wird. Er beschreibt außerdem, dass jede neue Heels-Klasse beim Erhalt ihres Heels-Badges einem Dunking unterzogen wird. Zudem gebe es als Tradition beim Ausscheiden eines Leitungsmitglieds einen finalen Rundlauf in der Parade, gefolgt von einem eigenen Dunk. Diese Abfolge ist inhaltlich „spielerisch“, erfüllt aber eine anspruchsvolle Funktion: Sie markiert Übergänge in Verantwortlichkeit sichtbar für alle und macht abstrakte Rollenwechsel emotional greifbar. Wenn man das aus Sicht von Prozessführung betrachtet, reduziert so ein Ritual die Gefahr, dass Wissen und Verantwortung beim Wechsel zwischen Personen „versanden“.
Am Ende ordnet Colonel Esses sein Wirken noch einmal klar ein: Er habe die Fähigkeit, zwischen Air Force und CFD zu koordinieren, könne aber nicht nach Belieben festlegen, was auf der zivilen Showseite tatsächlich stattfindet. Besonders deutlich wird das bei seiner Aussage zum Thema „Thunderbirds“: Er könne Anforderungen stellen, aber nicht „machen“, dass eine bestimmte Flugstaffel auftritt. Gleichzeitig beschreibt er, dass es in diesem Jahr möglich war, einen Flyover anzufordern, den die Besucher sehen konnten. Das unterstreicht ein Muster, das für große öffentliche Events typisch ist: Selbst bei enger Abstimmung bleiben gewisse Entscheidungen abhängig von übergeordneten Kapazitäten, Zeitfenstern und operativen Rahmenbedingungen. Damit zeigt sich zugleich, warum solche Liaison-Rollen in der Praxis so wertvoll sind: Sie schaffen einen Mechanismus, mit dem Anfragen strukturiert in beide Richtungen fließen – ohne dass die Verantwortung für die eigentliche Entscheidung verwischt. Für den Technik- und Organisationsblick bedeutet das: Nicht jede Beteiligung ist „nur Kulisse“, sondern jedes verbindende Element reduziert Reibungsverluste zwischen Systemen, Menschen und Abläufen.
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