WOLFSBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen rechnet für 2026 mit deutlich weniger operativem Gewinn als bisher. Das Unternehmen nennt unter anderem eine milliardenschwere Abschreibung im Umfeld von Porsche sowie schwächere Geschäfte in China. Zusätzlich wirken weitere Kosten aus dem Konzernumbau und Anpassungen bei Personalplanungen. Im Markt verschärft sich damit die Debatte, wie schnell sich die Profitabilität trotz schnellerer E-Auto-Verschiebung wieder stabilisieren lässt.

VW senkt Gewinnprognose: Porsche-Abschreibung und China belasten 2026
VW senkt Gewinnprognose: Porsche-Abschreibung und China belasten 2026 (Foto: IT BOLTWISE)
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Volkswagen senkt die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 spürbar: Statt wie bisher einer operativen Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent erwartet der Konzern nun nur noch höchstens 1 Prozent. Der Hintergrund ist eine Kombination aus Ergebnisbelastungen und operativen Gegenwinden, die sich laut den veröffentlichten Angaben vor allem im Umfeld von Porsche, in China sowie bei zusätzlichen Kosten für den Konzernumbau verdichten. Entsprechend reagierten die Aktien kurzfristig vor Handelsschluss und schlossen am Freitag mit einem Minus von 5,6 Prozent, während Porsche-Anteile um 3,3 Prozent nachgaben.

Technisch und betriebswirtschaftlich liegt der Kern der Enttäuschung nicht nur in der Höhe einzelner Sonderposten, sondern in der Mechanik, wie sich Margen in der Automobilproduktion über Zeit glätten oder eben nicht: Mit der Verschiebung der Nachfrage in Richtung E-Autos verdient VW derzeit nach eigener Darstellung weniger Geld als mit Verbrennern. In einer Phase, in der zugleich die Entwicklung hinter ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt, trifft das auf ein Marktumfeld, das vor allem in China weiter schwächelt. Für die operativen Planwerte bedeutet das: Schon kleine Abweichungen bei Absatzmix und Kostenstruktur schlagen unmittelbar auf die Umsatzrendite durch, weil Fixkosten und Abschreibungen in der Kalkulation kurzfristig nur begrenzt gegensteuerbar sind.

Besonders stark belastet eine Wertberichtigung auf den Firmenwert der Stuttgarter Sportwagentochter Porsche: Sie beläuft sich demnach auf rund 6 Milliarden Euro. Wichtig für die Einordnung ist der Charakter der Maßnahme: Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam und drückt dennoch den operativen Gewinn im dritten Quartal. Die Ursache wird in den niedrigeren Erwartungen an die künftige Entwicklung von Porsche verortet, eine Marke, die als „Gewinnperle“ des Konzerns lange als stabil galt, nun aber laut Bericht seit einiger Zeit unter Druck steht. Als weitere Bremsfaktoren werden Absatzeinbruch in China, US-Zollpolitik sowie Kurskorrekturen bei der Elektro-Strategie genannt.

Neben der Porsche-Abschreibung erwartet Volkswagen insgesamt Sonderkosten in Milliardenhöhe: Für das laufende Jahr nennt der Konzern eine Belastung von rund 10 Milliarden Euro, wobei im ersten Halbjahr bereits rund 900 Millionen Euro berichtet wurden. Auch andere Maßnahmen schlagen in die Ergebnisrechnung, darunter zusätzliche Vorruhestandsregelungen, die im Rahmen der Einigung mit den Arbeitnehmern Ende 2024 angestoßen wurden. Bis 2030 plant VW den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland, davon 35.000 bei der Kernmarke und der Rest bei Töchtern; mehr als 37.000 Beschäftigte hätten bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Weitere Vorstandspläne für den Abbau von weiteren 50.000 Stellen weltweit sind in diesen Vereinbarungen noch nicht enthalten und müssen zunächst verhandelt werden.

Operativ gibt es zudem weitere Punkte, die sich eher wie „Einmal-Effekte“ als wie strukturelle Investitionsprogramme lesen: Dazu zählt der angestrebte Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen, die den Standort auf Rüstung trimmen wollen. Ebenso wirken nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen bei Gesellschaften in China. In Summe erwartet VW, dass die drei Effekte das zweite Halbjahr voraussichtlich mit rund 2 Milliarden Euro belasten; der Konzern geht außerdem davon aus, dass ein Großteil der zusätzlichen Sondereffekte im dritten Quartal erfolgswirksam erfasst wird. Ohne diese Sondereffekte läge die operative Umsatzrendite 2026 den Angaben zufolge bei rund 4,0 Prozent.

Auch die Umsatzseite wird nach unten korrigiert, allerdings weniger stark als die Gewinnkennziffer. Für 2026 rechnet Volkswagen mit einem Umsatz von rund 315 Milliarden Euro, womit der Konzern in der Mitte der bisherigen Bandbreite bleibt. Das ändert aber nichts daran, dass die Richtung klar ist: Der Konzern hatte seine Erwartungen bereits im Juli gekappt und statt eines Umsatzplus von bis zu 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr im besten Fall nur noch eine stabile Entwicklung in Aussicht gestellt; alternativ seien auch bis zu 3 Prozent weniger Erlöse möglich. Bei den Zielen für den Geldzufluss und die Netto-Liquidität im Automobilbereich hält VW fest, dass die Prognose unter der Annahme gilt, dass die derzeitige Zollsituation im internationalen Handel bestehen bleibt; mögliche Folgen einer weiteren Eskalation im Nahen Osten werden nicht berücksichtigt.

Für die Marktteilnehmer ist damit vor allem relevant, wie schnell der Konzern den Ergebnishebel wieder findet: Die Zahlen zeigen, dass es nicht reicht, den Absatz in neue Antriebstechnologien zu verlagern, solange die Margen im E-Auto-Geschäft noch hinter dem Niveau des Verbrenners zurückbleiben. Für Audi und die Pkw-Marken im VW-Umfeld wird zudem explizit genannt, dass die Entwicklung hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt. Gleichzeitig macht die Auswirkung der nicht zahlungswirksamen Abschreibung auf die operative Gewinnrechnung deutlich, dass sich Investoren künftig stärker am „bereinigten“ Bild orientieren müssen, um operative Trendwende und Einmalbelastungen sauber zu trennen.


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