MEXIKO-STADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Mexiko plant eine umfassende Regulierung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz. Der mexikanische Senat diskutiert über ein neues Gesetz, das den Einfluss von Algorithmen auf Arbeitnehmer einschränken soll. Ziel ist es, die Überwachung zu reduzieren und menschliche Kontrolle bei wichtigen Entscheidungen sicherzustellen.

Mexiko steht vor einer bedeutenden Reform im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz. Der mexikanische Senat berät derzeit über ein Gesetzespaket, das den Einsatz von KI in Unternehmen grundlegend neu definieren soll. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel Einfluss Algorithmen auf Arbeitnehmer haben dürfen. Die geplanten Reformen zielen darauf ab, die Überwachung durch KI einzuschränken, menschliche Kontrolle bei Entscheidungen zu erzwingen und Massenentlassungen durch Automatisierung zu verhindern.
Ein zentraler Aspekt der Gesetzesinitiative ist die Pflicht zur menschlichen Aufsicht bei wichtigen Personalentscheidungen. Kein Algorithmus soll mehr allein über Einstellungen, Beförderungen oder Kündigungen entscheiden dürfen. Senator Pablo Angulo, der die Initiative eingebracht hat, betont die Notwendigkeit sozialer Gegengewichte zur technologischen Innovation. Parallel dazu sollen strenge Grenzen für die Mitarbeiterüberwachung gezogen werden, um die Transparenz über den Einsatz von KI-gestützten Tools zu erhöhen.
Das geplante „Nationale Gesetz zur Regulierung Künstlicher Intelligenz“ orientiert sich strukturell am EU AI Act und kategorisiert KI-Systeme in drei Risikostufen. Systeme mit inakzeptablem Risiko, wie solche, die ohne menschliche Kontrolle in tödlichen Anwendungen eingesetzt werden, sind strikt verboten. Hochrisikosysteme, die für Personalauswahl oder kritische Infrastruktur genutzt werden, müssen vor dem Markteintritt streng geprüft werden. Niedriges Risiko betrifft Standard-Anwendungen, die lediglich Transparenz und Datenschutzkonformität erfordern.
Besonders weit fortgeschritten ist der Schutz der Kreativwirtschaft. Bereits im April verabschiedete die Abgeordnetenkammer einen Gesetzesartikel, der KI-generierte Synchronisation von Filmen verbietet. Diese Regelungen bauen auf Reformen aus dem Jahr 2024 auf, die Gig-Workern Sozialversicherungsansprüche und Transparenz bei algorithmischer Steuerung zusicherten. Die aktuellen Vorschläge weiten diesen Schutz nun auf den gesamten formellen Arbeitsmarkt aus.
Präsidentin Claudia Sheinbaum hat zudem eine eigene Gesetzesinitiative eingebracht, die speziell die Schnittstelle von KI mit kreativen Berufen adressiert. Der Fokus liegt auf dem Schutz von Synchronsprechern und Darstellern vor der unautorisierten Nutzung ihrer Stimmen oder Abbilder durch generative KI. Ein spezialisierter Senatsausschuss arbeitet zudem an einem bundesweiten Rahmenwerk, um eine nationale KI-Strategie mit einem Zertifizierungssystem für technische und ethische Konformität zu entwickeln.
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