LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Wärmepumpe setzt auf dezentrale Hardware, damit Etagenwohnungen ohne großen Umbau des Heizungskellers umsteigen können. Das System von Heatpump23 bündelt Speicher und Regeltechnik in einer kompakten Inneneinheit, die typischerweise an die Stelle einer Gastherme passt. Eine Monoblock-Außeneinheit kann an Fassade, Balkon oder Dach angebracht werden und sitzt im Betrieb bis zu 13 Meter entfernt von der Inneneinheit. Gleichzeitig bleibt der Rollout an Bedingungen geknüpft: Die Außeneinheit nutzt R32, das ab 2027 nicht mehr in den Verkehr gebracht werden soll.

Mehr als knapp vier Millionen Etagenheizungen sind in Deutschland im Einsatz, und gerade dort wird die Wärmewende häufig zum Projekt mit Abstimmungsbedarf. In Eigentumswohnungen scheitert der Austausch einer bestehenden, zentralen Lösung oft nicht an der Technik, sondern an der Organisation: Die Eigentümergemeinschaft muss sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, und die dafür nötigen Heizungsrohre für alle Etagen sind nicht selten ein zweiter, langwieriger Umbaupfad. Heatpump23 versucht diesen Engpass mit einem Ansatz zu entschärfen, der den Heizungskeller im Kern unangetastet lässt und die Modernisierung stärker in die Einzelwohnung verlagert.
Technisch besteht das System aus zwei Komponenten. Zuerst kommt die patentierte „Inneneinheit“ in der Größe einer Gastherme: Sie integriert laut Anbieter typischerweise im Heizungskeller verteilte Bauteile wie Wasserspeicher und Umwälzpumpe in einem Gerät. Dadurch kann die Inneneinheit Anschlüsse und Platzbedarf einer bestehenden Gastherme übernehmen – abhängig von der Installation auch in Küche, Bad oder Flur. Die zweite Komponente ist die „Außeneinheit“, eine Monoblock-Wärmepumpe, die etwas größer als Außengeräte von Klimaanlagen ausfällt und sich deswegen an Fassade, Balkon oder Dach montieren lässt.
Entscheidend für die Praxis ist die Trennung der beiden Baugruppen. Innen- und Außeneinheit werden über Leitungen verbunden und können dabei bis zu 13 Meter Abstand haben; dafür sind passende Mauerdurchbrüche nötig. Bei der Verkleinerung der Inneneinheit musste das System nach Angaben des Herstellers Kompromisse eingehen: Der Warmwasserspeicher fasst 86 Liter statt der oft mehreren hundert Liter klassischer Wärmepumpen. Außerdem gibt es keinen separaten Pufferspeicher für die Heizung; an seine Stelle tritt eine „für kleine Wärmemengen optimierte Regeltechnik“. Bedienung und Monitoring sind über eine App möglich, was vor allem in der Wartung und beim Feintuning der Betriebsparameter Relevanz hat.
Für die Leistungsanforderungen ist Heatpump23 auf den Wohnungsbereich zugeschnitten. Erhältlich ist die Wärmepumpe in zwei Versionen mit 2,8 und 6,9 Kilowatt Heizleistung, passend für Wohnungen bis zu 100 Quadratmetern. Die maximale Vorlauftemperatur liegt bei 55 Grad; für „Extremfälle“ ist zusätzlich ein Heizstab mit 2 Kilowatt integriert. Bei der größeren Variante nennt der Anbieter für 55 Grad einen SCOP von 3,33 – damit erzeugt die Anlage mit einer Kilowattstunde Strom rechnerisch in etwa drei Kilowattstunden Wärme. In den Betriebskosten verortet der Anbieter das System rund 25 Prozent unter klassischen Gasetagenheizungen; die Installation soll über Partnerbetriebe erfolgen und etwa zwei Tage dauern.
Beim Budget setzt das Modell auf eine klare Größenordnung: Inklusive Installation kostet die Wärmepumpe laut Anbieter 18.000 bis 25.000 Euro brutto, abzüglich der Förderung. Produktion und Qualitätssicherung sind auf mehrere Standorte verteilt: Eine Fertigungsstätte in Kaiserslautern stellt die Inneneinheit her, ein chinesischer Auftragsfertiger die Außeneinheit; in Heilbronn findet unter anderem die Qualitätskontrolle statt. Für ein Startup sind die Ressourcen damit vergleichsweise knapp, rund 15 Mitarbeitende arbeiten dort. Ausgeliefert wird seit Anfang des Jahres zunächst schwerpunktmäßig in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen, seit einigen Wochen auch in Hamburg; der Rollout soll schrittweise deutschlandweit erfolgen, wobei Kundenanfragen die Nachfrage offenbar direkt mit anstoßen.
Die regulatorische und technische Einordnung hängt stark vom Kältemittel ab. Da das Kältemittel nur in der Außeneinheit zirkuliert, benötigen Installateur: innen keinen Kälteschein – ein Vorteil für die Umsetzbarkeit in der Fläche. Allerdings handelt es sich um R32 (Difluormethan), das nach Angaben im Kontext der Klimabilanz einen rund 700-mal so hohen Wert fürs Treibhauspotenzial wie CO₂ aufweist; ab 2027 sollen Wärmepumpen mit R32 demnach nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Als Alternative wird R290 (Propan) genannt: Es ist brennbar, darf aber nur mit einem Mindestabstand zu Fenstern eingesetzt werden, was wiederum die Montagemöglichkeiten einschränkt. Mitte nächsten Jahres will Heatpump23 nach eigenen Angaben eine Variante mit R290 und passendem Sicherheitskonzept auf den Markt bringen.
Auch die Akustik bleibt ein praktischer Hebel. Die Außengeräte lassen sich aus einem Meter Abstand mit 41 dB(A) vernehmen: Das ist zwar „ziemlich leise“, aber nicht lautlos. In typischen Mehrparteienumgebungen kann selbst ein gedämpftes Summen an der Fassade relevant werden, insbesondere wenn mehrere Außeneinheiten nebeneinander installiert wären. Genau deshalb ist die Anbringung zustimmungspflichtig; dazu bietet der Anbieter laut eigener Webseite eine Beschlussvorlage für die Eigentümerversammlung an. In der Forschung zu kleinen Wärmepumpen zur Nachrüstung von Etagenwohnungen bewertet Fabian Ochs die Schalldämpfung als kritischen Punkt, aber nicht als Ausschlusskriterium, während ein weiterer Nachteil aus seiner Sicht die nur zwei Leistungsstufen sind – damit stellt sich die Frage, ob die richtige Gerätegröße für jeden Standort gleichermaßen gut getroffen wird. Gleichzeitig argumentiert er, dass dezentrale Außeneinheiten die Umstellung im Vergleich zu zentralen Anlagen zwar vereinfachen können, aber die Aufgabe der Modernisierung insgesamt nicht automatisch „schöner“ macht.
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