ATHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Westlich von Athen kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen zahlreiche Wald- und Buschbrände. Starke Winde haben die Lage am Wochenende immer wieder angefacht, sodass Rettungsteams in Regionen mit neuen Glutnestern nachrücken mussten. Für die Region wurden bislang rund 8.000 Hektar als verbrannt gemeldet und zehnfach mehr Brandherde sichtbar gemacht. In den USA und in mehreren europäischen Ländern dauern die Maßnahmen parallel an, während Evakuierungen und Verkehrsmaßnahmen ebenfalls laufen.

Westlich von Athen bleibt die Lage angespannt, obwohl bereits massiv Personal und Luftunterstützung im Einsatz sind. Der Kern des Problems: sehr starke Winde, die die Flammen am Wochenende so weit getrieben haben, dass Glutnester erneut aufflammen konnten. Satellitenbilder, auf die sich die Einsatzkommunikation bezieht, zeigen demnach eine Vielzahl von Brandherden auf einer Fläche von gut 30 mal 30 Kilometern. Damit rückt weniger der einzelne Brandherd als vielmehr das Muster der Ausbreitung in den Fokus: Wind transportiert Hitze und brennbares Material, die Brandfront zerfällt in viele kleinere Hotspots – und jede Verzögerung bei deren Eindämmung erhöht die Gesamtfläche.
In der Region waren die Kräfte bislang trotz operativer Breite nicht in der Lage, alle Brandherde gleichzeitig zu kontrollieren. Für Griechenland werden rund 23 Löschflugzeuge und elf Löschhubschrauber genannt, dazu hunderte Einsatzkräfte am Boden. Elf Ortschaften mussten im Laufe des Montags evakuiert werden, darunter der Küstenort Psatha am Golf von Korinth, wo die Brände anschließend auch Häuser erreichten. Die Polizei steuert zudem den Verkehr: Straßensperrungen und Umleitungen gehören ebenso zum Lagebild wie Bereitstellungen auf dem Meer. Dort halten sich Boote der Küstenwache und private Bootsbesitzer bereit, um mögliche Rettungseinsätze zu unterstützen – ein Hinweis darauf, dass Brände in Küstennähe nicht nur Land- sondern auch Seewege betreffen können.
Die Dimension wird vor allem über Flächenangaben und Gefahrstufen greifbar. Einschätzungen zufolge sind bislang 8.000 Hektar verbrannt – das entspricht einer Fläche von 80 Quadratkilometern, fast so groß wie die Stadt Weimar. Gleichzeitig bleibt die Waldbrandgefahr hoch: In der betroffenen Region wird sie auf Stufe vier von fünf geführt. In der Praxis bedeutet das, dass auch nach einem zunächst erfolgreichen Eindämmen weiterer Wind oder trockene Vegetation dazu führen kann, dass sich Hotspots wieder öffnen. Technisch betrachtet ist genau diese Dynamik der Grund, warum Einsatzkräfte häufig auf eine Kombination aus Luftlöschung, Linienaufbau und wiederholtem Nachlöschen setzen müssen, statt sich auf eine einmalige Eindämmung zu verlassen.
Parallel dazu spielt sich in den USA ein ähnlich intensives Einsatzszenario ab – allerdings mit anderen Voraussetzungen. Im Bundesstaat Washington haben drei Großbrände ganze Wohngebiete verwüstet. Gent Welsh von der Nationalgarde ordnete die Zerstörung rund um die Stadt Spokane mit einem „Kriegsgebiet“ ein, während Behördenangaben zufolge mehr als 700 Häuser und andere Gebäude betroffen waren. Verletzte oder Tote seien bislang nicht gemeldet worden; gleichzeitig verweist die Aussage von Washingtons Gouverneur Bob Ferguson darauf, dass die Brände als außergewöhnlich für die Region gelten. Dave Upthegrove, Beauftragter für staatliche Ländereien, bezeichnete die Situation zudem als „historische Waldbrandsaison“, die bereits relativ früh im Sommer verheerende Ausmaße erreicht habe.
Auch hier steuert der Maßstab die Logistik. Laut den Angaben brennen derzeit 17 größere Feuer auf einer Fläche von über 100.000 Hektar, rund 5.000 Einsatzkräfte kämpfen im Bundesstaat gegen die Brände. Allein im Raum Spokane mussten mehr als 65.000 Menschen ihre Häuser verlassen – mehr als ein Drittel der Bevölkerung. Solche Größenordnungen verändern den Charakter der Einsätze: Evakuierungsplanung, Logistik für Löschmittel und Nachschub, sowie der Schutz kritischer Infrastruktur werden zu eigenständigen Arbeitspaketen. Das spiegelt sich auch in der Metapher, die die Zerstörung „kriegsähnlich“ macht: Nicht nur die Flammen selbst sind die Bedrohung, sondern die Folgen für Gebäude, Straßen, Versorgung und Sicherheit.
In Europa zeigt sich derweil ein heterogenes Bild, das stark von lokalen Wetter- und Vegetationsbedingungen abhängt. In den Niederlanden wütet seit Montag ein Großfeuer in einem Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze, konkret in De Rosmolen bei Oostrum. Die Feuerwehr ist mit einem Großaufgebot im Einsatz, zusätzlich sind drei Löschhubschrauber der Armee beteiligt. Ein Campingplatz mit etwa 300 Urlaubern wurde vorsorglich evakuiert, der Bahnverkehr zwischen Nimwegen und Venray wurde eingestellt und Anwohner wurden wegen starken Rauchs aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Solche Maßnahmen zielen in der Regel nicht nur auf den Schutz vor Flammen, sondern auch auf die Reduktion der Exposition gegenüber Rauchpartikeln.
In Frankreich und Spanien verlaufen die Entwicklungen unterschiedlich, aber die Betroffenheit bleibt spürbar. In Frankreich warnte der Wetterdienst für eine erhöhte Waldbrandgefahr im Nordwesten; auch mediterrane Regionen bleiben gefährdet, weil die Vegetation extrem ausgetrocknet ist und weiterhin starke Hitze herrscht. Es wird erwartet, dass die Gefahr im Verlauf der Woche wegen zunehmender Winde erneut auf die höchste Alarmstufe ansteigen dürfte. Zwar gilt die Lage im Land insgesamt als stabil und viele Feuer seien unter Kontrolle, doch angespannt bleibt vor allem der Var: Dort kämpfen 1.500 Feuerwehrleute gegen die Ausbreitung eines wieder aufgeflammten Brandes. In Spanien hat sich die Lage im Vergleich zu den vergangenen Wochen entspannt; landesweit seien am Abend 47 Wald- und Vegetationsbrände aktiv gewesen, überwiegend kleinere Feuer. Größere Brände rund um Madrid lodern zwar teilweise noch, sind aber unter Kontrolle, und dank dem Ende der vierten Hitzewelle ist die landesweite Waldbrandgefahr zurückgegangen, wie der Wetterdienst mitteilte.
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