LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bitcoin-Hashrate liegt laut Glassnode-Daten wieder nur knapp 6,5 % unter dem Allzeithoch. Das passiert, obwohl große öffentliche Miner offenbar Rechenleistung an KI-Kunden umschichten. Im Verlauf 2025/2026 gab es den längsten Hashrate-Rückgang, doch Tests des damaligen Floors hielten. Gleichzeitig steigt die Mining Difficulty erneut Richtung Rekordniveau, was auf einen mittelfristig stabilen Security-Budget-Ansatz hindeutet.

Die eigentliche Überraschung liegt nicht in der Frage, ob sich Miner für Künstliche Intelligenz neu aufstellen, sondern darin, dass die Bitcoin-Blockchain davon bislang kaum „abknickt“. Laut Glassnode ist die Hashrate wieder bis auf etwa 6,5 % an ihr Allzeithoch herangerückt. Das gilt umso mehr, wenn man den Kontext betrachtet: Vor rund drei Monaten befand sich das Netzwerk in seinem längsten Hashrate-Rückgang überhaupt, bevor sich das Tempo im Frühjahr drehte. Die jüngste Bewegung nach oben ist dabei nicht nur ein langsames Zurückkommen, sondern eine steilere Erholung als zuvor, nachdem das System über mehrere Monate eine Art Belastungsgrenze gehalten hat.
Technisch wird Hashrate häufig als unmittelbarer Proxy für die eingesetzte Rechenarbeit verstanden: Je höher die Hashrate, desto mehr Rechenleistung konkurriert um das Finden gültiger Blöcke. In den hier genannten On-chain-Metriken zeigt sich diese Dynamik recht klar. Die 14-Tages-Bewegungsdurchschnittswerte der Hashrate erreichten Ende 2025 nahe 1,135 Zettahashes pro Sekunde (ZH/s), fielen dann zwischen Oktober 2025 und Februar 2026 um rund 22 % und pendelten sich anschließend in der Nähe von 870 Exahashes pro Sekunde (EH/s) ein. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass es zu einem Abwärtstrend kam, sondern dass sich der Rückgang zeitweise stabilisieren ließ und später mehrfach „retetestet“ wurde: Einmal im Februar, erneut im Juni und nochmal im August – jedes Mal hielt der Boden.
Genau hier setzt die Argumentation an, warum ein KI-Shift der Miner nicht automatisch zu einer nachhaltigen Schwächung der Netzsicherheit führen muss. Wenn große öffentliche Mining-Player einen Teil ihrer Kapazitäten für KI-Workloads umwidmen, könnte man erwarten, dass die Hashrate als Aggregat spürbar und dauerhaft sinkt. Stattdessen deutet die Datenlage auf eine Kompensation durch andere Akteure hin – insbesondere durch private und internationale Operatoren, die die Lücke offenbar auffüllen. Auch der Analyst Will Clemente, der Hashrate-Beobachtungen auf X kommentiert, wird in diesem Zusammenhang zitiert: Die Hashrate sei trotz der Umstellung „nahe Rekordniveau“. Entscheidend ist dabei der Vergleich zwischen dem Sicherheitsbudget-Proxy Hashrate und dem Marktpreis: Während Bitcoin laut den genannten Zahlen bei 79.774 USD notiert und damit innerhalb von 24 Stunden rund 0,8 % sowie etwa 37 % unter dem Peak von 126.210 USD liegt, bleibt die Hashrate nur rund 6,5 % hinter ihrem Rekordwert zurück.
Das spricht in der Logik der Investitions- und Kostenrechnung eher für längerfristige Kapazitätsentscheidungen als für kurzfristige Margin-Trades. In denselben Angaben werden auch Kennzahlen sichtbar, die das Bild stützen: Mining Difficulty steigt wieder; außerdem wird ein Hashprice-Bereich für den Zeitraum genannt, der auf eine Neubewertung der Wirtschaftlichkeit hindeutet. Parallel zur Hashrate klettert die Difficulty wieder in Richtung eines Niveaus, das zuletzt im späten Jahr 2025 erreicht wurde. Laut mempool-Daten wurde die Mining Difficulty am 16. Oktober um 5,92 % auf 140,58 Billionen (T) angehoben; für den 29. Oktober wird eine weitere Erhöhung in der Größenordnung von etwa 5 % bis 6 % projiziert. Zwei aufeinanderfolgende Sprünge dieser Größenordnung fallen dabei besonders auf, weil die Adjustments in 2026 überwiegend Kürzungen waren.
Historisch ist diese Mischung aus Rückgang, Bodenbildung und anschließender Difficulty-Erholung eng mit der Mechanik des Proof-of-Work verknüpft. Difficulty passt sich an, damit die Blockzeit über Zeit stabil bleibt, indem sie die Wahrscheinlichkeit skaliert, einen Block zu finden. In der Beschreibung wird der Verlauf entsprechend als „Sägezahn“ erzählt: Difficulty glitt von einem Rekordwert von 155,97T Ende Oktober 2025 auf etwa 126T bis Februar. Nach einer kurzen Erholung im Frühjahr erreichte sie im Juni ein Tief bei 124,93T – dort gab es laut den Angaben den größten Jahres-Schnitt von 10,09 %. Wenn die nächste Prognose greift, könnte Difficulty bis auf grob 148T bis 150T steigen und damit nur 4 % bis 5 % unter den Rekord vom späten Jahr 2025 liegen; damit würde sich die Frage verschieben: Nicht „bricht die Security ein?“, sondern „wie stabil bleibt die Budgetlinie, obwohl Teile der Infrastruktur für KI genutzt werden?“
Auch die übergeordnete Debatte um das Security-Budget bekommt damit eine differenzierte Antwort. Die frühere Einschätzung, dass ein negativer Year-over-Year-Wert durch den Herbst einen dauerhaften Kontraktionskurs der Bitcoin-Sicherheitsausgaben bestätigen könnte, bleibt nicht komplett vom Tisch – denn der historische Rekord lag Ende 2025 und drückt daher weiterhin auf die Vergleichsbasis. Gleichzeitig sprechen steigende Hashrate und wieder anziehende Difficulty dafür, dass die „Schrumpfungsphase“ nicht in eine lange Talsohle übergeht. Für Unternehmen und Entwickler bedeutet das vor allem eines: Wer heute KI-Workloads plant und Rechenkapazitäten im Energiesystem neu disponiert, muss nicht zwangsläufig mit einem unmittelbaren Sicherheitsverlust im Bitcoin-Netz rechnen. Dennoch bleibt die Gleichung offen, wie dauerhaft die Ersatzströme durch private und internationale Operatoren fließen, sobald die KI-Nachfrage stärker oder schwächer wird und sich die Kostenstrukturen weiter verschieben.
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