LONDON (IT BOLTWISE) – Der Widerstand gegen Gianni Infantino wächst spürbar, nachdem seine Investorenpläne für die WM- kommerziellen Rechte in mehreren Regionen auf Skepsis stoßen. Der asiatische Fußballverband AFC kritisiert die zunehmenden Spaltungen und will die Vorschläge prüfen. Zusätzlich tritt Carlos Cordeiro, ein hochrangiger FIFA-Berater, aus Protest zurück. Die FIFA reagiert mit der Behauptung, fehlerhafte Medienberichte hätten den Konsultationsprozess gestört und betont: Niemand verkauft den Fußball.

Die Investorenpläne rund um Gianni Infantino treffen nicht nur auf politischen Gegenwind, sondern auf ein geschlossenes Bild aus Misstrauen, das sich derzeit über mehrere Kontinente zieht. Auslöser ist der Plan, einen Teil der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft in ein neues Vehikel zu überführen und damit einen großen Kapitalzufluss zu ermöglichen. Genau diese Idee wird in der Praxis zum Belastungstest für die FIFA-Mitgliedsverbände: Wenn sich die Regionen nicht auf denselben Informationsstand und denselben Nutzen einigen können, verschiebt sich die Debatte schnell von der Finanzierungsfrage hin zur Frage, wer am Ende über die Marke „Weltmeisterschaft“ bestimmt.
Besonders deutlich wird das Muster bei den Verbänden, die ihre Distanz nicht nur in internen Kanälen signalisieren. Die europäische UEFA drohte mit einem Boykott der WM, während die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf ebenfalls in die Kritik einstimmt. Nun kommt mit dem AFC ein weiterer großer Block dazu, der die Pläne zwar nicht pauschal kategorisch verwirft, aber „ernsthafte Bedenken“ anmeldet. In der AFC-Position steht nicht primär die Frage im Vordergrund, ob Geld fließt, sondern wie sich die FIFA-Struktur durch solche Schritte weiter spaltet: Man verwies auf beispiellose Brüche, die sich in der gesamten Fußballwelt gezeigt hätten, und kündigte an, die Vorschläge zu prüfen. Auch der ozeanische Verband will demnach die FIFA-Ansätze kontrollieren, während die Reaktionen in anderen Regionen zunächst unterschiedlich ausfielen.
Im Zentrum der Eskalation steht zudem der Rücktritt von Carlos Cordeiro, leitender Berater des FIFA-Präsidenten. Der frühere Funktionär, der seit 2021 für die FIFA arbeitet, erklärte öffentlich, er könne nicht „tatenlos zusehen“, wenn die FIFA den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht. Er betonte, an den Plänen nicht beteiligt gewesen zu sein und sie entschieden abzulehnen. Seine Position als hochrangiger Berater macht diese Distanzierung technisch und politisch besonders brisant: Berater fungieren in solchen Entscheidungsprozessen häufig als Übersetzer zwischen Marktlogik und Verbandsinteressen. Wenn dann ausgerechnet ein interner Kenner der Investmentlogik aus Protest geht, wirkt das nach außen wie ein Bruch in der internen Begründungskette.
Die FIFA versucht indes, den Prozess wieder in ein formaleres Gleis zu bringen. In einer Stellungnahme mit dem Titel „Erläuterungen zum Vorschlag FIFA Forward Enterprise (FFE)“ verteidigt der Weltverband nicht die Idee als solche, sondern den Ablauf: Der Konsultationsprozess sei durch fehlerhafte Medienberichte gestört worden. Der Verband stellt dabei klar, dass „niemand den Fußball verkauft“ und dass die FIFA den Verkauf so niemals in Betracht ziehen würde. Gleichzeitig argumentiert die FIFA, die FFE sei lediglich als Vorschlag erdacht worden, um sicherzustellen, dass alle Mitgliedsverbände die kommerziellen Chancen des Fußballs in ihren jeweiligen Ländern sinnvoll nutzen können. Damit verlagert die FIFA den Schwerpunkt weg vom Bild „Investorendeal“ hin zu einer „offenen und demokratischen Konsultation“.
Trotzdem bleibt für die FIFA ein Zeitdruck-Faktor sichtbar. Berichten zufolge setzt der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal, die auf den 19. September fällt; im Gegenzug soll es eine Sonderzahlung geben. Solche Fristen verändern die Verhandlungsdynamik: Je näher der Stichtag rückt, desto stärker werden die Entscheidungen der Mitgliedsverbände auf Grundlage von Risikoabwägungen getroffen, statt auf Grundlage eines breiten, gemeinsamen Konsenses. In der Praxis führt das oft dazu, dass Verbände sehr viel genauer prüfen, wie Erlösmodelle funktionieren, welche Rechte tatsächlich veräußert oder nur in ein anderes Rahmenwerk überführt werden, und wie sich daraus langfristige Governance-Fragen ergeben.
Außenpolitisch verschärft sich das Bild zusätzlich durch prominente und teils drastische Kritik aus dem Fußballumfeld. Der Trainer des FC Chelsea, Xabi Alonso, sagte, Fußball müsse für die Menschen da sein und dürfe nicht in privaten Händen landen; die WM habe gezeigt, wie groß die Begeisterung für das Ereignis ist. Noch härter fiel die Wortwahl von Christian Streich aus: In einem Interview sprach er von hochgradig korrupten, mafiösen Strukturen und machte damit klar, dass die Debatte für Teile des Publikums weit über einen wirtschaftlichen Umbau hinausgeht. Solche Aussagen wirken zwar nicht unmittelbar auf die juristische Ausgestaltung der Rechte-Transaktion, aber sie erhöhen den politischen Preis für jeden Verband, der am Ende pro oder contra stimmt.
Technisch betrachtet ist die Debatte um FFE vor allem eine Frage der Rechte-Architektur: Kommerzielle Weltmarken lassen sich selten „einfach verkaufen“, ohne Vertragswerke, Lizenzlogik und Zuständigkeiten neu zu definieren. Genau deshalb sind Begriffe wie „Beteiligung“, „kommerzielle Rechte“ oder „Tochterunternehmen“ für die Verbände so sensibel. Für die FIFA bedeutet das: Selbst wenn der Konsultationsprozess formal läuft, muss die Kommunikation so gestaltet sein, dass Missverständnisse nicht erneut eskalieren. Für den internationalen Fußball insgesamt entscheidet sich daran, ob künftige Finanzierungsmodelle als gemeinsamer Ausbau verstanden werden oder als Weg, bei dem einzelne Regionen den Lasten tragen, während andere den Nutzen priorisieren.
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