WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Wirtschaftskammer Österreich steht erneut im Fokus der Kritik. Ein geplanter Beratervertrag mit KPMG in Höhe von 675.000 Euro sorgt für Aufregung. Die FPÖ fordert die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft und kritisiert die Ausgaben als Verschwendung von Mitgliedsbeiträgen.

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sieht sich erneut mit heftiger Kritik konfrontiert, nachdem Pläne für einen kostspieligen Beratervertrag mit der Prüfungsgesellschaft KPMG bekannt wurden. Der Vertrag, der auf 675.000 Euro netto beziffert wird, hat eine Debatte über die Finanzpraktiken der Kammer und die umstrittene Pflichtmitgliedschaft entfacht. Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) hat die geplanten Ausgaben als unverhältnismäßig bezeichnet und fordert, dass die Pflichtmitgliedschaft abgeschafft wird.
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz hat den Vorfall genutzt, um grundsätzliche Kritik an der Wirtschaftskammer zu üben. Er spricht von einem „gierigen schwarzen System“ der ÖVP innerhalb der Kammer und erneuert die Forderung nach einer sofortigen Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft. Die FPÖ argumentiert, dass die Gelder besser direkt den Unternehmen zugutekommen sollten, anstatt in teure Beraterverträge zu fließen.
Die Kontroverse trifft die Kammer in einer heiklen Phase. Erst im November 2025 war der langjährige Präsident Harald Mahrer nach massiver Kritik an Gehaltserhöhungen und seiner eigenen Bezüge zurückgetreten. Seine Nachfolgerin, Präsidentin Martha Schultz, hatte einen Reformkurs versprochen, der nun auf die Probe gestellt wird. Die aktuellen Vorwürfe nähren Zweifel, ob sich die Gepflogenheiten in der milliardenschweren Organisation tatsächlich ändern.
Die anhaltende Kritik hat systemische Gründe. Durch die gesetzliche Pflichtmitgliedschaft verfügt die WKÖ über sichere Beitragseinnahmen in Milliardenhöhe. Diese finanzielle Absicherung führt zu einer erhöhten Erwartung an Transparenz und sparsamen Umgang mit Mitteln. Jede als extravagant wahrgenommene Ausgabe bietet Oppositionsparteien wie der FPÖ willkommenen Angriffsboden für ihre Systemkritik.
Der Druck auf die Kammerführung wird vorerst nicht nachlassen. Die FPÖ hat angekündigt, das Thema im bevorstehenden Wahlkampf weiter zu platzieren. Gleichzeitig arbeitet eine interne Reformgruppe der WKÖ an Vorschlägen zur Modernisierung. Ein erster Zwischenbericht dieser Gruppe wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet und könnte zeigen, ob die Kammerführung in der Lage ist, einen glaubwürdigen Weg aus der Vertrauenskrise zu weisen.
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